Flüchtlinge auf Lesbos oder in Bosnien: Wie Sie helfen können

Ob Moria, Kara Tepe oder Lipa: Die Situation ist katastrophal. Was kann man tun?

Die Lage auf der griechischen Insel Lesbos ist katastrophal. Während Europas Politik diskutiert, wer und ob überhaupt Menschen aufgenommen werden, leben diese Menschen in Kälte, Schlamm und Dreck. Dasselbe Bild bietet sich in Bosnien an der europäischen Grenze. Viele Menschen in Österreich wollen gerne helfen. Aber wie? Was kann jeder einzelne tun?

von Griechenland Flüchtlinge © Bild: APA/AFP/Goulimaki

Spenden

Natürlich kann jeder einzelne schnell und einfach etwas spenden. Es gibt zahlreiche Projekte und Hilfsorganisationen, die vor Ort sind und helfen können – aber Geld brauchen. So empfahl etwa Kampfsportweltmeister Ronny Kokert, der in Wien das Integrationsprojekt Freedom Fighters ins Leben gerufen hat und auch selbst immer wieder auf Lesbos war um zu helfen in der Vergangenheit, bereits im März, an renommierte Organisationen zu spenden.

Petar Rosandić, Initiator der Hilfsaktion SOS Balkanroute, rät zudem auch, aus der Zivilgesellschaft entstandene Initiativen zu unterstützen, denn diese würden immer wieder selbst nach Bosnien oder auch Griechenland reisen, um Spenden zu bringen und Einkäufe zu erledigen.

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Stellung beziehen, Bewusstsein schaffen

Noch schneller und einfacher als zu spenden ist es, via soziale Medien auf die Misslage aufmerksam machen - und Stellung beziehen.

»Informiere deinen Freundeskreis«

Rosandić sieht in der Schaffung von Bewusstsein einen wichtigen Schritt: "Informiere deinen Freundeskreis, teile Artikel und Videos, mache den Leuten bewusst, was gerade in Europa passiert und das wir gerade dabei sind, den letzten Funken Ehre, Anstand, Würde mit dem Schreddern unserer Menschenrechte aufzugeben. Sei es ein Referat in der Schule oder eine Spendensammlung am Arbeitsplatz", zählt er diverse Möglichkeiten auf. "Wir müssen jetzt laut sein und die Bilder der Katastrophe sichtbar machen. Nicht nur sichtbar machen, sondern auch die Sachen richtig benennen."

Auch die Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner bat etwa darum "nicht wegzuschauen, wenn Menschen so dringend Hilfe brauchen" - zum Beispiel durch durch das klare Entgegentreten bei Anfeindungen gegenüber Menschen auf der Flucht (auch in sozialen Medien).

Politiker kontaktieren

Ist man mit der Entscheidung der Politik nicht zufrieden? Natürlich kann man daran nicht direkt etwas ändern, aber Marie-Claire Sowinetz von UNHCR Österreich rät dennoch, direkt bei politischen EntscheidungsträgerInnen Druck zu machen: "Als Privatperson kann man sich zusätzlich engagieren, darunter PolitikerInnen und EntscheidungsträgerInnen per Mail oder auf sozialen Medien kontaktieren."

Auf die Sprache achten

Auch die Sprache, die man verwendet, spielt eine große Rolle, wie etwas aufgenommen wird. So löst es in Menschen beispielsweise etwas anderes aus, wenn über "Migranten" gesprochen wird als über "Kriegsflüchtlinge". Hier ein paar Beispiele:

Demonstrieren

Auf die Straße zu gehen ist immer eine Option, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Immer wieder finden Demonstrationen oder Lichtermeere statt. Via Facebook findet man die meisten Initiativen.

Unterschreiben

Es gibt bereits einige Initiativen, die sich dafür einsetzen, dass Österreich besonders schutzbedürftige Menschen wie etwa Kinder, alte Menschen oder Kranke evakuiert. Mit einer Unterschrift kann man sich beteiligen, etwa bei der Petition #SOSMoria oder "Rettet die unbegleiteten Kinder". Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, selbst eine Petition zu starten.

Eigeninitiativen starten

Viele Menschen stellen sich selbst auf die Beine und organisieren sich. Wie etwa die Initiative „Courage. Jetzt“. Es wurde eine „Landkarte der sicheren Plätze“ in Österreich erstellt und über 3.000 Plätze in Österreich gefunden, wo Menschen unterkommen könnten, dürften sie nach Österreich kommen. In einer Reihe von Aktionen soll die große Hilfsbereitschaft im ganzen Land außerdem sichtbar gemacht werden in Form von Mahnwachen und sonstigen Aktionen, aufrufbar unter unsreichts.at.

Hilfe anbieten

Die beiden Aktivistinnen Nunu Kaller und Sabrina Dorn haben im September ebenfalls ein Projekt gestartet. Ob und wie es möglich wäre, Menschen ohne der Zusage der Regierung, in Österreich aufzunehmen und unterzubringen, versuchten die beiden mit JuristInnen zu klären. „Wir suchen den pragmatischen Weg, Menschen auf legalem Weg zu holen“, erklärte Initiatorin Sabrina Dorn gegenüber News.at.

Freiwilligenarbeit vor Ort

Sollte sich die Lage auf Lesbos wieder etwas bessern, könne man natürlich wieder „freiwillig hinfahren“ und vor Ort helfen, empfahl Ronny Kokert bereits im März. Organisationen, für die man sich engagieren kann, sind etwa Lighthouse Relief oder Yoga & Sport for Refugees. Klar ist jedoch, dass man dabei psychisch und physisch belastbar sein muss. Interessierte können sich bei Hilfsorganisationen wie Fenix Aid, Drapen i Havet (norwegisch), Medical Volunteers International oder etwa indigo volonteers melden. Auch auf Facebook gibt es einen "Information Point" zur Information über Freiwilligenhilfe.