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Fipronil - AMA testete Eier
im österreichischen Handel

Gift in keiner Probe nachgewiesen - Kärntner Gastro- und Hotelbetriebe überprüft

Eier im Karton © Bild: iStockphoto.com

Nachdem in Deutschland, Belgien und den Niederlanden Eier mit dem Mittel Fipronil gefunden und vom Markt genommen wurden, hat die AMA vergangene Woche 30 Marktproben österreichischer Frischeier im heimischen Lebensmittelhandel gezogen und untersuchen lassen. In keiner einzigen wurde Fipronil nachgewiesen.

"Im heimischen Lebensmittelhandel sind fast ausschließlich österreichische Frischeier erhältlich. Diese sind mit dem Länderkürzel 'AT' auf der Stempelung am Ei beziehungsweise am rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel klar erkennbar", sagte Genia Hauer, Qualitätsmanagerin der AMA Marketing. Wer die Herkunft der Eier genau überprüfen möchte, erhält unter www.eierdatenbank.at Auskunft über den Legehennenbetrieb und die Haltungsform.

Der Wirkstoff Fipronil ist in Österreich in der Geflügelhaltung verboten. Als Mittel gegen Ameisen und Schaben für den privaten Hausgebrauch sowie als Arzneimittel gegen Ungeziefer bei Katzen und Hunden ist es jedoch erlaubt.

Kärntner Gastro- und Hotelbetriebe werden überprüft

Der Lebensmittelskandal um die mit dem Insektizid Fipronil belasteten Eier hat nun Kontrollen in Kärnten zur Folge. Die Lebensmittelaufsicht wird Gastronomie- und Hotelbetriebe überprüfen, die Eier möglicherweise direkt aus Deutschland bezogen haben. Das sagte Lebensmittelinspektor Alfred Dutzler am Dienstag.

"Wir müssen schauen, welche Betriebe dafür infrage kommen", sagte Dutzler. In landwirtschaftlichen Betrieben sind keine Kontrollen geplant. "Das Mittel ist in Österreich gar nicht vertrieben worden." Es gebe keinerlei Hinweis, dass österreichische Eier belastet sein könnten. Dass angeblich Kärntner Bauern freiwillig ihre Eier auf Fipronil testen ließen, sei nicht richtig, so Dutzler. Auch Gerda Weber, in der Landwirtschaftskammer für die Geflügelbetriebe zuständig, bestätigte: "Das ist eine Fehlinformation."

Ein österreichisches Handelsunternehmen hat unterdessen Eier aus Deutschland aus Vorsicht aus dem Sortiment genommen, sagte Dutzler. Um welches Unternehmen es sich handelt, um eine Supermarktkette oder einen Großhändler, wollte der Lebensmittelinspektor nicht bekanntgeben.

Niederlande: Auch Hühnerfleisch wird kontrolliert

Die niederländische Lebensmittelüberwachung kontrolliert jetzt nicht nur Eier, sondern auch Hühnerfleisch auf eine mögliche Belastung durch das Insektizid Fipronil. Von den Kontrollen seien nur sehr wenige Betriebe betroffen, die sowohl Eier als auch Fleisch produzierten, sagte ein Sprecher der Überwachungsbehörde NVWA am Dienstag in Utrecht.

Der Fleischverkauf sei erst dann wieder erlaubt, wenn die Kontrollen keine Hinweise auf Fipronil ergäben. Ein Sprecher des Bauernverbandes LTO sagte, die meisten Betriebe entschieden sich entweder für Eier- oder für Fleischproduktion. "Jene, die beides machen, kann man an zwei Händen abzählen." Fleischhersteller seien von dem Fipronil-Skandal praktisch nicht betroffen.

Die Fleischhühner würden nach sechs Wochen geschlachtet, anschließend werde der Stall gereinigt. Dies bedeute, das sich die Blutlaus, gegen die Fipronil verbotenerweise in Legehennen-Ställen eingesetzt wurde, sich gar nicht erst entwickeln können. Legehennen blieben hingegen etwa zwei Jahre in ihren Ställen - was für die Blutlaus vorteilhaft sei.

Über Ergebnisse der Kontrollen wurden zunächst noch keine Angaben gemacht.

Belgien droht EU-Verfahren

Belgien droht im Skandal um die mit dem Insektizid Fipronil verseuchten Eier ein EU-Verfahren. Eine EU-Kommissionssprecherin erklärte am Dienstag in Brüssel, die EU-Staaten hätten eine rechtliche Verpflichtung, das EU-Schnellwarnsystem in solchen Fällen unverzüglich zu informieren, wenn eine Bedrohung der menschlichen Gesundheit vorliege.

In Belgien ist bekannt geworden, dass die Behörden schon seit Anfang Juni von einem Verdachtsfall in einem Betrieb wussten. Die EU-Kommissionssprecherin betonte, die EU-Kommission sei erst am 20. Juli von Belgien über die Vorfälle informiert worden. Wenn ein EU-Staat die Informationen nicht sofort an das EU-Schnellwarnsystem weitergebe, verstoße er gegen EU-Recht und müsse mit einem EU-Vertragsverletzungsverfahren rechnen.

Die Sprecherin betonte, in Belgien sei der Fipronil-Skandal gerade Gegenstand von Ermittlungen. Dabei gehe es auch darum, was den Behörden zu welchem Zeitpunkt bekannt war. Daher könne die EU-Kommission auch konkret noch nichts zu Belgien sagen.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat unterdessen mit dem deutschen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt und dem niederländischen Agrarminister Martijn Van Dam über den Fipronil-Skandal gesprochen, wie die Sprecherin weiters sagte. Für den heutigen Nachmittag sei ein Gespräch des EU-Kommissars mit dem belgischen Landwirtschaftsminister Denis Ducarme geplant.

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