Extreme Einsätze:
Das leistet die Cobra

Das Einsatzkommando Cobra ist die Eliteeinheit der österreichischen Polizei. Um in Extremsituationen schnell und richtig reagieren zu können, müssen sich die Mitglieder fit halten - sowohl körperlich als auch psychisch.

von Polizei - Extreme Einsätze:
Das leistet die Cobra © Bild: imago/Björn Trotzki

Bewaffnete Geiselnahmen, Verhaftungen von Mitgliedern der organisierten Kriminalität, Entschärfung von Sprengsätzen und Operationen zur Bekämpfung des Terrorismus - das Einsatzkommando Cobra ist immer dann vor Ort, wenn es gefährlich wird. Auch Personenschutz, die Sicherung des Geländes bei Staatsbesuchen und die Begleitung von Flügen als Air Marshals gehört zu den Aufgaben dieser Eliteeinheit der Polizei.

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"Die Einsatzkräfte des EKO Cobra werden von den Kolleginnen und Kollegen der Polizeiinspektionen bei besonders schwierigen und heiklen Einsätzen gerufen. Das Einsatzkommando Cobra unterstützt also bei jenen Einsätzen, bei denen besonders ausgebildete und ausgerüstete Exekutivbedienstete erforderlich sind", erklärt Wolfgang Schwaiger. Der stellvertretende Ausbildungsleiter war selbst unter anderem als Personenschützer und Air Marshal tätig. Jetzt ist Schwaiger dafür mitverantwortlich, dass alle im Team bestens auf ihre Einsätze vorbereitet sind.

Strenge Auswahlkriterien

Bereits die Aufnahmeprüfung ist eine Hürde, die nur die wenigsten schaffen. Für jeden Lehrgang bewerben sich rund 170 Männer und deutlich seltener, aber doch, auch Frauen. Aufgenommen werden - je nach aktuellem Bedarf - meist rund 20. Die Voraussetzungen sind eine abgeschlossene Polizeischule und zwei Jahre Erfahrung im Außendienst der Polizei. Der Aufnahmetest besteht sowohl aus einem psychologischen als auch aus einem sportlichen Test. Die Anforderungen dabei sind hoch: So muss etwa ein drei Meter langes Seil erklommen werden - ohne Zuhilfenahme der Beine. Beim Bauchaufzug muss an einer Stange hängend mit den Füßen ein hinter dem Kopf befestigter Medizinball berührt und im Schwimmbad eine Länge mit gefesselten Händen bewältigt werden.

»Diese sechs Monate sind sehr anstrengend, und die mentale Belastung ist hoch«

Wer die Aufnahmeprüfung schafft, wird zur Ausbildung zugelassen. "Diese sechs Monate sind sehr anstrengend, und die mentale Belastung ist hoch", sagt Schwaiger. Jene Beamten, die das Ausbildungsziel nicht erreichen oder freiwillig ausscheiden, kehren in ihre ursprünglichen Polizeidienststellen zurück. "Was absolut nicht gefragt ist, sind Einzelkämpfer. Wir brauchen teamfähige Menschen mit hoher Lernbereitschaft", sagt einer der Chefausbilder, der aus Sicherheitsgründen weder namentlich genannt noch fotografiert werden will.

Jährlicher Fitness-Test

Österreichweit gibt es fünf Cobra-Standorte und zusätzlich drei Außenstellen. Sie sind so verteilt, dass jeder Ort möglichst schnell erreicht werden kann. Der Hauptsitz der Spezialeinheit liegt in Wiener Neustadt. Das Areal ist mit Stacheldraht und Überwachungskameras gesichert. Die Zufahrtskontrollen sind streng. Innerhalb des Geländes wird schnell klar: Fitness wird hier großgeschrieben.

Einige Männer drehen auf der Laufbahn ihre Runden. An einem Gebäude wird geübt, Glasfassaden zu erklimmen, und die Kraftkammer ist gut besucht. Sport zählt hier zur Dienstzeit. "Sieben bis zehn Stunden pro Woche betätigt sich jeder von uns sportlich im Dienst", erklärt der Chefausbilder. Eigentlich alle betreiben zusätzlich noch privat Sport oder sind sogar Spitzensportler. Immer wieder bilden sich Gruppen, die dann spezielle Disziplinen trainieren und gemeinsam bei Wettkämpfen antreten. Auch das ist in der Dienstzeit möglich. Äußerst erfolgreich: das Spartan- Race-Team der Polizei. Bei diesem Extrem-Hindernislauf springen die Teilnehmer unter anderem über brennende Balken und robben unter Stacheldraht durch.

»Es gibt Vorfälle, die außerhalb der menschlichen Vorstellung liegen. Ich helfe bei der Verarbeitung«

Jährlich müssen die Cobra-Beamten einen Fitness-Test bestehen. "Bei uns gibt es Leistungslimits, aber keine Alterslimits", erklärt Schwaiger. Beim Test ist unter anderem eine Hindernisbahn in höchstens vier Minuten 45 zu bewältigen. Der Rekord liegt bei zwei Minuten 44 Sekunden. Dabei müssen auf einer 468 Meter langen Strecke 20 Hindernisse geschafft werden. So muss etwa ein Teich auf einem Seil gequert und ein Kamin erklommen werden. Für Untrainierte stellt jedes einzelne Hindernis ein so gut wie unüberwindbares dar.

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Die Elitepolizisten sind allerdings nicht nur körperlich topfit. "Körperliches Training ist für unsere Beamten selbstverständlich. Aber es ist genauso wichtig, den Geist zu trainieren", weiß Psychologe Herwig Lenz, der selbst Polizist ist und Psychologie studiert hat. Er hat seinen Arbeitsplatz in der Cobra-Zentrale und steht rund um die Uhr als Notfallpsychologe zur Verfügung. "Es gibt Vorfälle", so Lenz, "die außerhalb der menschlichen Vorstellung liegen. Bei deren Verarbeitung helfe ich den Leuten." Ein traumatisches Ereignis war etwa der Einsatz in Annaberg im September 2013. Ein Sanitäter und drei Polizisten, darunter ein Cobra-Beamter, wurden von einem Wilderer, der gestellt werden sollte, im Einsatz getötet.

Atemübung gegen Stress

Herwig Lenz ist zwar grundsätzlich selbst nicht vor Ort, er informiert sich jedoch laufend über die Einsätze. "Nach einem belastenden Ereignis können Symptome wie etwa Intrusionen, Schlafstörungen, Vermeidungsverhalten oder Reizbarkeit auftreten", erklärt der Psychologe. "Ich schreibe nach besonders belastenden Einsätzen daher immer ein Mail an alle und erkläre, welche Symptome nach einer solchen Extremsituation normal sind, welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden können und wann besser doch psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden sollte."

Während der Ausbildung und auch danach wird immer wieder geübt, in Stresssituationen ruhig zu bleiben, um richtig reagieren zu können. Die Männer und Frauen der Spezialeinheit lernen dabei Techniken, die auch jedem Menschen im Büroalltag helfen können: "Die Atmung wird bei Stress schneller und flacher. Durch bewusste Atemtechniken kann man sie wieder verlangsamen und das Stresslevel so wieder senken", erklärt Lenz.

Diese Technik kann von jedem erlernt werden - und sie ist äußerst praktisch. Denn sie kann nicht nur in Extremsituationen wie Geiselnahmen, sondern auch gleich nächsten mühsamen Meeting im Büro angewandt werden.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im News 11/2019.