Porträt von

Dominic Thiem: 2020
ist der erste Grand Slam fällig

Porträt - Dominic Thiem: 2020
ist der erste Grand Slam fällig © Bild: APA/AFP

Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem will nach einem hervorragenden Jahr 2019 noch einen draufsetzen. Mit einem extrem starken Team im Hintergrund möchte er 2020 ein großes Lebensziel verwirklichen: Der ersten Grand-Slam-Titel.

Von Anfang an sportbegeistert

Der Sohn der Tenniscoaches Karin und Wolfang Thiem hatte schon sehr früh Sport im Blut. Vielleicht herausragend: Der kleine Dominic hat tatsächlich im Alter von 14 Monaten, als er kaum schon gehen konnte, immer wieder mit einer Fliegenklatsche auf einen Luftballon geschlagen.

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Vater Wolfgang Thiem erinnerte sich lachend auch an eine andere Episode: "1997 waren wir in Griechenland im Urlaub, da war er vier Jahre. Da sind wir am Strand spazieren gegangen, wahrscheinlich eine Stunde in eine Richtung und eine Stunde zurück. Und er hat durchgehend Vor- und Rückhandschläge simuliert. Die Leute, die da am Strand vorbeigegangen sind, werden sich gedacht haben, der hat ein bisserl einen 'Klopfer'."

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Harte Schule

Sein ehemaliger "Lebenscoach" Günter Bresnik arbeitete seit dem achten Lebensjahr mit Thiem, dessen Eltern Wolfgang und Karin nicht nur selbst Tennis-Lehrer sind, sondern dem Startrainer Bresnik schon früh das bedingungslose Vertrauen schenkten. Bresnik formte aus dem Rohdiamanten Thiem, dermit 6 Jahren zu spielen begann und schon in frühen Tagen die Jugend-Szene dominiert hatte, einen sportlichen Edelstein, der nicht nur Österreichs Tennis-Fans noch lange Freude bereiten wird.

Dabei war es nicht immer einfach für Thiem: Besonders als Bresnik dem damals erfolgsverwöhnten, zwölfjährigen Thiem die beidhändige Rückhand abgewöhnte. Bresnik wusste aber, dass Thiem weder mit diesem "B-Hander", noch mit dessen viel zu passivem Spielstil dorthin kommen würde, wo er hinwill. Plötzlich, als Bresnik dem Schützling die zweite Hand vom Schläger weggenommen hatte, verlor Thiem reihenweise Matches. Die Trainer-Szene schüttelte den Kopf, wie Bresnik u.a. auch in seinem Buch "Die Dominic Thiem Methode" eindrucksvoll beschreibt, doch der Blick war in die Zukunft gerichtet.

Neues Team

Vor dem Sommer 2019 dann der Knalleffekt: Günter Bresnik zog sich als Trainer und Manager zurück. Begründungen für den endgültigen geschäftlichen Schlusspunkt gab es - neben natürlich auch aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten - mehrere. Die sportlichen Agenden übernimmt jedenfalls seit April der Chilene Nicolas Massu, die organisatorischen seit Mai Herwig Straka.

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Und seit Jänner diesen Jahres ist fix, dass das Team um eine österreichische Tennis-Legende reicher wird. Thomas Muster und Dominic Thiem gaben in einem ServusTV-Interview bekannt, dass der Steirer Muster und der zuletzt zweifache French-Open-Finalist über 20 Wochen im Jahr 2020 kooperieren werden.

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"Ich bin sehr froh darüber, dass die Zusammenarbeit mit Tom jetzt fixiert ist, das wird sicher eine geile Zeit", betonte Thiem. "Tom entwickelt als Betreuer eine unglaubliche Energie, er gibt uns auch als Captain sehr, sehr wertvolle Ratschläge. Die Arbeit mit ihm wird mir echt weiterhelfen. Wir sind sehr motiviert und werden alles dafür tun, um unsere Ziele auch zu erreichen."

Auf Grandslam-Kurs

Die Bilanz seiner noch jungen Profi-Karriere kann sich sehen lassen: Dominic Thiem kann auf 16 ATP-Turniersiege zurückblicken und musste erst vor kurzem seinen vierten Listenplatz an den im ATP-Cup erfolgreicheren Russen Daniil Medwedew abtreten.

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Besonders 2019 war trotz vieler Veränderungen ein hervorragendes Jahr für Thiem: Ganz knapp verfehlte er die Krönung seiner erfolgreichsten Saison, indem er den Titel bei den ATP-Finals in London Stefanos Tsitsipas überlassen musste.

Für 2020 hat Thiem ein ganz klares Ziel vor Augen. Nach zuletzt zwei Finalteilnahmen in Paris peilt Thiem heuer seinen ersten Grand-Slam-Turnier-Triumph an. Bei der Entscheidung für Thomas Muster als Cotrainer gibt der Niederösterreicher an: "Ich habe das Gefühl, dass er mir weiterhelfen kann. Und er ist der einzige Österreicher, der einen Grand-Slam-Titel geholt hat. Das ist eines meiner großen Ziele."

Respekt von den ganz Großen

Stichwort Grand Slam: Nadal, der 2019 auch im zweiten French-Open-Finale in Folge für Thiem noch zu stark war, streut Thiem Rosen. "Das Einzige, was er braucht, ist Zeit", meinte der mittlerweile zwölffache French-Open-Champion. "Er ist einer der wenigen Spieler, die immer mit der maximalen Intensität spielen und trainieren. Wir besitzen beide den Willen, den Punkt so zu spielen, als wäre er der letzte", erklärte der Mallorquiner. "Nicht nur bei Matches, sondern auch beim Training. Er hat das Potenzial, bei jedem seiner Schläge gewaltige Kraft und Speed zu entwickeln - auf eine Art und Weise, die unter uns sonst keiner hat."

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Auch der 20-fache Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer sieht alle Möglichkeiten für Thiem. "Vielleicht, wenn Dominic eines Tages Nummer eins wird oder Grand-Slam-Champion wird oder große Matches gewinnt: Ja, dann wird er der nächste Tennis-Superstar sein neben anderen Spielern. Das wünsche ich ihm von Herzen. Dann hätten wir eine super Welt-Nummer eins und (er ist) ein netter Typ auch noch, das wäre schön fürs Tennis."

Dominic, der Goldjunge

Und auch wenn Dominic sein Lebensziel noch nicht erreicht hat: Die harte Arbeit an der Tennis-Karriere hat sich finanziell jetzt schon ausgezahlt. Allein im Jahr 2019 hat er knapp 8 Millionen Dollar Preisgeld vor Abzug der Steuern gewonnen, Sponsoren sind dabei nicht miteinberechnet.

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Somit hat er letztes Jahr fast ein Drittel seines Gesamteinkommens an Preisgeldern erspielt und hält nun bei 22,13 Mio. Dollar Karriere-Preisgeld. Im Vergleich dazu, inflationär natürlich nicht bereinigt, Thomas Musters Einkommen rein an Preisgeldern: 12,266 Mio. Dollar. Dabei geht die Karriere von Dominic Thiem erst richtig los.