Wer ist Dominic Thiem?

Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem hat nach einem hervorragenden Jahr 2019 noch einen draufgesetzt. Mit einem extrem starken Team im Hintergrund hat er 2020 ein großes Lebensziel verwirklicht: Am 13. September 2020 hat er bei den US Open seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen, als erster Österreich überhaupt

von Porträt - Wer ist Dominic Thiem? © Bild: APA/AFP

Von Anfang an sportbegeistert

Der Sohn der Tenniscoaches Karin und Wolfang Thiem hatte schon sehr früh Sport im Blut. Vielleicht herausragend: Der kleine Dominic hat tatsächlich im Alter von 14 Monaten, als er kaum schon gehen konnte, immer wieder mit einer Fliegenklatsche auf einen Luftballon geschlagen.

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Vater Wolfgang Thiem erinnerte sich lachend auch an eine andere Episode: "1997 waren wir in Griechenland im Urlaub, da war er vier Jahre. Da sind wir am Strand spazieren gegangen, wahrscheinlich eine Stunde in eine Richtung und eine Stunde zurück. Und er hat durchgehend Vor- und Rückhandschläge simuliert. Die Leute, die da am Strand vorbeigegangen sind, werden sich gedacht haben, der hat ein bisserl einen 'Klopfer'."

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Harte Schule

Sein ehemaliger "Lebenscoach" Günter Bresnik arbeitete seit dem achten Lebensjahr mit Thiem, dessen Eltern Wolfgang und Karin nicht nur selbst Tennis-Lehrer sind, sondern dem Startrainer Bresnik schon früh das bedingungslose Vertrauen schenkten. Bresnik formte aus dem Rohdiamanten Thiem, dermit 6 Jahren zu spielen begann und schon in frühen Tagen die Jugend-Szene dominiert hatte, einen sportlichen Edelstein, der nicht nur Österreichs Tennis-Fans noch lange Freude bereiten wird.

Dabei war es nicht immer einfach für Thiem: Besonders als Bresnik dem damals erfolgsverwöhnten, zwölfjährigen Thiem die beidhändige Rückhand abgewöhnte. Bresnik wusste aber, dass Thiem weder mit diesem "B-Hander", noch mit dessen viel zu passivem Spielstil dorthin kommen würde, wo er hinwill. Plötzlich, als Bresnik dem Schützling die zweite Hand vom Schläger weggenommen hatte, verlor Thiem reihenweise Matches. Die Trainer-Szene schüttelte den Kopf, wie Bresnik u.a. auch in seinem Buch "Die Dominic Thiem Methode" eindrucksvoll beschreibt, doch der Blick war in die Zukunft gerichtet.

Preisgeld-Champion

Allein sein nunmehriges Karriere-Preisgeld spricht Bände: Thiem überbot mit dem 3 Millionen-Dollar-Scheck (2,53 Mio. Euro) nach dem dramatischen Fünfsatz-Sieg über Alexander Zverev (GER) klar die 25-Millionen-US-Dollar-Marke, hält nun schon bei 26,917 Mio. Dollar. In seinem vierten Major-Endspiel bzw. fünften ganz großen Finale (inklusive den ATP Finals vergangenen November) schaffte Thiem den endgültigen Durchbruch zum Weltstar aus Lichtenwörth.

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Zweifler an der Karriere Thiems hat es zuletzt kaum noch gegeben, nun sind die letzten verstummt. Der Leistungssprung, den der lange als Sandplatz-Spezialist bezeichnete Thiem allein 2019 auf Hartplatz gemacht hat, ist frappant: Von fünf Turnieren, die er 2019 gewonnen hat, hat er drei auf Hardcourt geholt.

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Nach seinem bisher erfolgreichsten Jahr holte sich Thiem Anfang 2020 mithilfe seines Managers Herwig Straka zu Jahresbeginn auch noch Thomas Muster als Berater für 20 Wochen ins Boot. Dieses "Experiment" ging aber schief - und Thiem vollzog einen beachtlichen Schritt: Weil die Charaktere Muster und Thiem nicht so harmonierten wie es sich der Youngster vorgestellt hatte, trennte er sich noch während der Australian Open schon nach der zweiten Runde vom Steirer. Und verlor dann erst im Endspiel in Melbourne nach 2:1-Satzführung gegen Novak Djokovic.

Dominic Thiem ist all den Vorschuss-Lorbeeren, die er schon im Teenager-Alter erhalten hatte, gerecht geworden. Den Grundstein dazu hatte er mit seinem Langzeit-Coach, Mentor und Manager Günter Bresnik ab dem achten Lebensjahr gelegt. Thiems Eltern Wolfgang und Karin sind nicht nur selbst Tennis-Lehrer, sondern schenkten Bresnik schon früh das bedingungslose Vertrauen. Bresnik formte aus dem Rohdiamanten Thiem, der schon in frühen Tagen die Jugend-Szene dominiert hatte, einen sportlichen Edelstein, dessen ästhetische Spielweise ihm weltweit viele Fans gebracht hat.

Gefürchteter Profi

Für den auch auf der ATP-Tour wegen seiner Bescheidenheit, seiner guten Manieren und seiner Freundlichkeit beliebten Niederösterreicher sind Begegnungen mit den Legenden dieses Sports wie Roger Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic Normalität. Längst ist er nicht nur anerkannt, sondern auf dem Platz gefürchtet. Thiem hat alle Größen schon mehrmals geschlagen. Gegen Federer hat er nun sogar eine 5:2-Bilanz an Siegen.

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Die Vergleiche mit dem großen Thomas Muster, den bis zu jenem 13.9.2020 einzigen Major-Einzel-Sieger aus Österreich, waren schon länger angebracht. Der mittlerweile 17-fache Turniersieger hat sich mit dem Titel in New York nun auch den US-Markt geöffnet. Er hat die Schläge, die Liebe zum Sport, die Einstellung und den nötigen Familien-Rückhalt, um die Fußstapfen des 44-fachen Turniersiegers, French-Open-Champions und Ex-Weltranglisten-Ersten Muster zu füllen. Auf Grand-Slam-Ebene hat Thiem den Leibnitzer mit dem Titel sowie drei weiteren Finali schon übertroffen.

Seit 2016 in den Top 10

Thiem ist am 6. Juni 2016 nach seinem ersten Einzug ins Halbfinale von Roland Garros erstmals in die Top Ten eingezogen. Nicht ein Mal ist er seither aus diesem Kreis herausgefallen, ein Beweis für Stabilität und Konstanz auf hohem Niveau. Eine Art "Ritterschlag" hatte Thiem während der French Open 2019 von Roger Federer erhalten. Thiem hatte wegen Serena Williams vorzeitig den großen Interview-Raum verlassen müssen. Befragt dazu, wie so etwas einem Weltranglisten-Vierten passieren könne, der ein... "ein Superstar ist. Männlicher Superstar. Ich weiß nicht, was da falsch gelaufen ist", komplettierte der 20-fache Major-Sieger die Frage.

Worte, die Thiem mit Freude, aber in aller Bescheidenheit zur Kenntnis nahm. Der aus Lichtenwörth stammende Thiem gilt seit Jahren als einer der ästhetischsten Spieler auf der Tour. Seine einhändige Rückhand schlägt er wie aus dem Bilderbuch, seine Vorhand erreicht Drallgeschwindigkeiten, die selbst Rafael Nadal überbieten, und auch sein Kick-Aufschlag ist gefürchtet.

Auf dem Weg zum Superstar

Mit der Verpflichtung des angesehenen Physiotherapeuten Alex Stober Ende 2015 und dem erneuerten "Thiem-Team" mit Massu und dem Fitness-Coach Duglas Cordero, der Thiem ebenso wie in Österreich Mike Reinprecht körperlich in Topzustand gebracht hat, ist Thiem bestens aufgestellt.

Ein Manko war vielleicht die Turnierplanung, deren Opfer Thiem manchmal wurde. Doch gemeinsam mit Neo-Manager Straka und Massu hat er diese angepasst. Straka sieht jedenfalls großes Potenzial, wie er der APA schon im Mai des Vorjahres in Paris verraten hat. "Ich glaube, er kann mehr werden, als der neue Andy Murray. Er kann der neue Nadal, Federer, Djokovic der neuen Generation werden, die zehn Jahre jünger sind", sagte Straka.

Bleibt Thiem gesund, dann kann er ein echter Superstar werden, für viele Tennisfans weltweit ist er es schon. "Ich glaube wirklich, dass 2020 für mich sogar noch besser werden kann", hatte Thiem schon in London angekündigt. Und es im Coronakrisen-Jahr bewiesen.