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Mahrer und seiner mitangeklagten Frau kreidet die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Beitrag zur Untreue an. Das von Mahrers Frau geführte PR-Beratungsunternehmen soll rund um das Jahr 2017 von der mittlerweile pleitegegangenen Wienwert 84.000 Euro erhalten haben, ohne dass entsprechende Gegenleistungen erbracht wurden. Laut Anklage sollen die Zahlungen dazu gedient haben, gegebenenfalls Mahrers politischen Kontakte zu nützen.
Davor war der Wienwert-Prozess am Freitag am Wiener Straflandesgericht mit den ausstehenden Eröffnungsplädoyers fortgesetzt worden. Neben dem ehemaligen Firmenchef Stefan Gruze stehen zehn weitere Personen vor Gericht, denen die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) unter anderem schweren gewerbsmäßigen Betrug, Untreue sowie betrügerische Krida vorwirft. Dieser Teil des Verfahrens soll nun am Montag fortgeführt werden.
Ein Rechtsvertreter des mitangeklagten Immobilienunternehmer Klemens Hallmann hob hervor, dass sein Mandant zum damaligen Zeitpunkt ein Konkurrent gewesen sei und dadurch freilich keinen Einblick in die Geschäftsinterna der Wienwert gehabt habe - die WKStA wirft Hallmann kurz gesagt vor, im Wissen um die wirtschaftliche Notlage der Wienwert nachteilige Vertragsbedingungen bei einem Immobiliendeal diktiert zu haben. Hallmanns Verteidiger Peter Miklautz und Lukas Kollmann wiesen sämtliche Vorwürfe zurück, ihr Mandant habe sich nichts zuschulden kommen lassen.
Der Anwalt eines mitangeklagten Treuhänders wies am Freitag den Hauptvorwurf des Anlagebetrugs zurück. In Zusammenhang mit einem Verstoß gegen den Treuhandvertrag räumte er dagegen Fehler seines Mandanten ein. Hier habe sein Mandant dem Druck der Hauptangeklagten nachgegeben. Sein Verteidiger zeichnete ein Bild seines Mandanten als das, eines überforderten Rechtsanwaltes, der sich mit Kapitalmarkt und Anleihen nicht gut auskannte. "Er war in dieser Rolle überfordert" und er habe den Eindruck, das sei von den Hauptangeklagten auch so gewollt gewesen. Der Treuhänder habe fahrlässig, aber ohne Vorsatz gehandelt. Er habe zudem im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht, den Schaden wieder gut zu machen.
Der Verteidiger jenes Unternehmensberaters, der laut Anklage 2016 eine überhöhte Bewertung der Marke Wienwert vorgenommen haben soll, wies den Vorwurf zurück und bestritt, dass die Bewertung Teil eines "abgekarteten Spiels" war. Keineswegs sei der Wert der Marke im Voraus abgemacht gewesen. Sein Mandant habe nach bestem Wissen eine Markenwert-Schätzung und kein "Gefälligkeitsgutachten" vorgenommen, er sei von seiner Unschuld überzeugt. Der Verteidiger des in diesem Zusammenhang belangten Verbands bekräftigte die Ausführungen seines Vorredners und wies alle Vorwürfe zurück.
Die WKStA hatte in dem Fall seit 2017 ermittelt, die Causa dreht sich in erster Linie um die Schädigung von Anlegerinnen und Anlegern. Konkret sollen Gruze und seine Vorgänger Wienwert als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen beworben, dabei aber gleichzeitig dessen Zahlungsunfähigkeit verschwiegen haben. Außerdem legt ihnen die WKStA zur Last, Investoren durch unwahre Angaben über die Verwendung der Anleihengelder getäuscht zu haben. Gruze und die Firmengründer Nikos Bakirzoglu und Wolfgang Sedelmayer sollen laut Anklage insgesamt mehr als 1.800 Anleger in einem Ausmaß von rund 41 Mio. Euro geschädigt haben.
Gruze-Verteidiger Norbert Wess hatte zu Prozessauftakt am Montag angekündigt, dass sein Mandant ein Teilgeständnis ablegen und sich der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen schuldig bekennen wird. Die Vorwürfe der Anklage, darunter Anlagebetrug, wies er dagegen zurück. Die Rechtsanwälte von Bakirzoglu und Sedelmayer wiesen die Vorwürfe jeweils zurück, ihre Mandanten werden sich nicht schuldig bekennen. Für sämtliche Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.
Die Causa hat neben den Vorwürfen an die Eheleute Mahrer eine weitere politische Komponente. Denn es gibt auch Vorwürfe gegen den SPÖ-Bezirksvorsteher von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy. Dieser soll dem Wienwert-Vorstand im Voraus den geplanten Standort für eine Remisen-Erweiterung verraten haben, worauf dieser das Grundstück erwarb und es die Wiener Linien ihm zu einem weit höheren Preis abkaufen haben müssen. Dadurch sei der Stadt Wien ein Schaden von rund 850.000 Euro entstanden, vermeint die WKStA. Im Gegenzug soll Nevrivy von der Immobiliengesellschaft unter anderem mehrere VIP-Tickets für das Wiener Fußball-Derby sowie Spiele der Nationalmannschaft bekommen haben. Nevrivys Verteidiger Volkert Sackmann wies die Vorwürfe am Montag zurück. Sein Mandant werde sich nicht schuldig bekennen.
Neben Gruze, den Firmengründern Bakirzoglu und Sedelmayer, dem Ehepaar Mahrer und Nevrivy müssen sich auch ein Ex-Wienwert-Mitarbeiter, ein Unternehmensberater, ein Treuhänder und ein Rechtsanwalt vor Gericht verantworten. Zu den weiteren Angeklagten zählt überdies der mittlerweile insolvente Immobilienunternehmer Klemens Hallmann.
Hallmann legt die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen zur Last, er habe im Wissen um die wirtschaftliche Notlage der Wienwert dieser eine Liegenschaft in der Wiener Innenstadt (Getreidemarkt 10) abgekauft, sich zugleich von der Wienwert eine andere Liegenschaft in Tulln deutlich über Wert abkaufen lassen. Wienwert sei zu dem Zeitpunkt stark unter Druck gestanden, weil eine Anleihenverbindlichkeit bald fällig wurde. Dadurch habe Hallmann nachteilige Vertragsbedingungen diktieren können. Den Gläubigern der Wienwert sei dadurch ein Schaden von knapp 4 Mio. Euro entstanden. Hallmann bestreitet die Vorwürfe.
Zwei der Angeklagten nehmen am Freitag nicht teil. Der Hauptangeklagte Gruze blieb der Verhandlung krankheitsbedingt fern, wie sein Anwalt Norbert Wess gleich zu Beginn des Prozesses erklärte. Er gehe aber davon aus, dass sein Mandant am Montag wieder verhandlungsfähig sei. Auch der Mitangeklagte SPÖ-Bezirksvorsteher von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy, ist am Freitag abwesend. Hintergrund ist ein Terminkonflikt seines Verteidigers.
Für die Verhandlung gegen die elf Angeklagten und drei belangten Verbände sind bisher vier Termine bis zum 29. Jänner anberaumt. Viele weitere Verhandlungstage dürften folgen. Die Causa Wienwert gestaltet sich komplex und der Ermittlungsakt umfasst laut einer Aussendung der WKStA rund 380.000 Seiten.
