Bei der Senat-Lounge „Streif Inside“ in Kitzbühel trafen am 10. September Spitzensport, Tourismus und Wirtschaft aufeinander. Vertreter von KitzSki, Kitzbüheler Ski Club und Tourismus gaben Einblicke in die Entwicklung der Streif zur internationalen Marke. Olympiasieger Fritz Strobl sprach über Leistungsdruck, Teamarbeit und die Parallelen zwischen Skirennsport und Unternehmertum.
Die Streif zählt zu den bekanntesten Abfahrtsstrecken des internationalen Skisports. Bei der Senat-Lounge „Streif Inside“ bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Einblicke in einen Bereich, der normalerweise Athleten und ausgewählten Gästen vorbehalten ist: das Starthaus des Hahnenkammrennens.
Gastgeber waren unter anderem Anton Bodner und Christian Wörister, Vorstände der Bergbahn AG Kitzbühel. Für den Senat der Wirtschaft begrüßten Ludwig Stefan und Mahdi Allagha die Gäste.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus sportlicher Tradition über Jahrzehnte eine international bekannte Marke und ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor für die Region entstehen konnte.
Hahnenkammrennen als langfristiges Projekt
Michael Huber, Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs, schilderte den organisatorischen Aufwand hinter dem Hahnenkammrennen. Während das Publikum wenige Minuten Spitzensport erlebt, sind Vorbereitung, Infrastruktur und Zusammenarbeit zahlreicher Partner über Monate hinweg notwendig.
Der 1902 gegründete Kitzbüheler Ski Club zählt rund 11.500 Mitglieder und ist damit nach eigenen Angaben der größte Skiclub Österreichs. Einnahmen des Vereins fließen unter anderem in die Sportausbildung sowie in die Nachwuchsförderung in Disziplinen wie Ski alpin, Skispringen, Langlauf und Biathlon.
Eine wesentliche Rolle spiele dabei die langfristige Zusammenarbeit mit Partnern wie der Bergbahn AG Kitzbühel.
KitzSki investiert in Infrastruktur und Technologie
Christian Wörister verwies auf die Dimensionen des laufenden Betriebs: Rund 520 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien im Winter dafür verantwortlich, die Voraussetzungen für Skibetrieb und Veranstaltungen zu schaffen.
Die Bergbahn investiert zugleich in Digitalisierung und technische Infrastruktur. Kitzbühel führte als erstes Skigebiet im Alpenraum ein Handyticket ein, bei dem keine zusätzliche Keycard benötigt wird.
Auch bei der Beschneiung kommen neue technische Lösungen zum Einsatz. Dazu zählen Kühltürme, mit denen Wasser vor der Schneeproduktion temperiert werden kann. Je niedriger die Wassertemperatur, desto günstiger sind die Voraussetzungen für die technische Beschneiung.
Für Bodner und Wörister sind solche Investitionen entscheidend, um Qualität und Wettbewerbsfähigkeit eines international positionierten Tourismusstandorts langfristig zu sichern.
Veranstaltungen als Teil der Tourismusstrategie
Welche Rolle Großveranstaltungen für die Positionierung Kitzbühels spielen, erläuterte Thomas Zanolin, Aufsichtsratsvorsitzender von Kitzbühel Tourismus und langjähriger Geschäftsführer von Eurotours.
Veranstaltungen sollen demnach nicht ausschließlich zusätzliche Besucher bringen, sondern gezielt zur Markenbildung und zur Verlängerung der Saison beitragen. Kitzbühel setzt dabei auf die Werte Sportlichkeit, Glaubwürdigkeit, Exzellenz, Lebensfreude und Progressivität.
Neben dem Hahnenkammrennen gehören Veranstaltungen wie das Generali Open zum Kalender. Seit 2026 ergänzt ein Turnier der DP World Tour Ende Mai das Angebot. Auch die Romy-Gala wurde zuletzt in Kitzbühel veranstaltet.
Ziel ist es, internationale Aufmerksamkeit in zusätzliche regionale Wertschöpfung zu übersetzen und Tourismus, Veranstaltungen, Infrastruktur und Wirtschaft stärker miteinander zu verbinden.
Fritz Strobl über Risiko, Vertrauen und Teamarbeit
Einen sportlichen Blick auf die Streif lieferte Fritz Strobl. Der Olympiasieger, zweifache Kitzbühel-Sieger und Streckenrekordhalter berichtete von der Anspannung vor dem Start und den körperlichen wie mentalen Anforderungen der Abfahrt.
Auch erfahrene Rennfahrer könnten sich auf der Streif kaum auf Routine verlassen. Vorbereitung, Konzentration und die Bereitschaft, unter hohem Druck Entscheidungen zu treffen, seien entscheidend.
Strobl betonte zugleich die Bedeutung des Teams. Skirennfahren sei zwar formal ein Einzelsport, Spitzenleistungen entstünden jedoch nur durch das Zusammenspiel vieler Beteiligter.
Darin sieht er auch eine Verbindung zum Unternehmertum. Vertrauen, Verantwortung, gegenseitiger Respekt und die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen, seien sowohl im Sport als auch in Unternehmen zentrale Voraussetzungen für langfristigen Erfolg.
Von der Rennstrecke zum Wirtschaftsstandort
Zum Abschluss führte eine gemeinsame Wanderung über Teile der Streif. Dabei wurden Steilheit und Dimensionen der Rennstrecke auch abseits des Winters unmittelbar sichtbar.
Die Senat-Lounge zeigte damit vor allem, wie eng Spitzensport, Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung in Kitzbühel miteinander verbunden sind. Der internationale Bekanntheitsgrad der Streif beruht nicht allein auf dem Renntag, sondern auf jahrzehntelanger Markenarbeit, kontinuierlichen Investitionen und einem Netzwerk aus Sport, Bergbahn, Tourismus und regionaler Wirtschaft.

