ABO

Handels-KV im Zeichen von drei Jahren Reallohnverlust

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Die heurigen KV-Verhandlungen stehen im Zeichen hoher Inflation
©APA, GEORG HOCHMUTH, Themenbild
Am Donnerstag starten die Kollektivvertrags-Verhandlungen für 420.000 Angestellte sowie 19.000 Lehrlinge im Handel. Eine Gehaltsforderung haben die Arbeitnehmervertreter der Gewerkschaft GPA bisher nicht gestellt, ein Abschluss unter der Jahresinflation von 3,3 Prozent solle es aber nicht werden, war im Vorfeld zu hören. Die vergangenen drei KV-Abschlüsse lagen unter der rollierenden Inflation (Teuerung der vergangenen zwölf Monate, Anm.) und bedeuteten einen Reallohnverlust.

von

News auf Google bevorzugen

Traditionell läutet die Metallindustrie die Herbstlohnrunde ein, nach einer Einigung auf einen Zwei-Jahres-Abschluss im Vorjahr fällt das heurige Feilschen aber aus. Auch für die gut verdienenden Metaller gab es damals einen Gehaltsabschluss unter der Jahresinflation. Ab dem 1. November 2026 steigen in der Metallindustrie die Ist-Löhne und Gehälter um 1,9 Prozent und die kollektivvertraglichen Mindestentgelte um 2,1 Prozent, also deutlich unter der Teuerungsrate.

Allerdings: Bei den Metallern liegt der Mindestlohn für 2027 bei 2.622 Euro brutto, im Verkauf sind es aktuell 2.251 Euro. Das durchschnittliche Vollzeitgehalt im Handel beträgt 2.586 Euro brutto, was 1.949 Euro netto entspricht - bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden.

Bei einem 25-Stunden-Job sinkt das Netto-Einstiegsgehalt im Handel auf 1.237 Euro. Im Handel ist die Teilzeitquote besonders hoch, mehr als jeder und jede Zweite hat keinen Fulltime-Job. Zwei von drei Beschäftigten sind Frauen, im Einzelhandel fast drei Viertel. Deutlich geringer als in der Metallindustrie ist der Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern, konkrete Zahlen nennt die Gewerkschaft aber nicht.

Die GPA geht heuer mit ihrer neuen Chefverhandlerin Linda Keizer in die KV-Gespräche. Sie kommt ursprünglich von der GPA Niederösterreich und hatte vor ihrer Zeit bei der Gewerkschaft der Privatangestellten in den Niederlanden studiert. Ihr gegenüber sitzt Arbeitgebervertreter Rainer Trefelik, der auf eine lange Erfahrung bei KV-Verhandlungen zurückblicken kann. Der Bundesspartenobmann Handel in der Wirtschaftskammer bekleidet diesen Posten seit 2020. Obendrein ist der studierte Handelswissenschafter auch Geschäftsführer des Wiener Modehauses Popp & Kretschmer.

Beide Seiten haben im Vorfeld des morgigen Verhandlungsstartes schon einmal durchblicken lassen, dass sie schwierige Gespräche erwarten. Dies mag auch der Grund sein, warum die GPA diesmal auf eine konkrete Gehaltsforderung im Vorfeld des Verhandlungsstartes verzichtet. Am Donnerstag um 11 Uhr übergeben die Verhandler der GPA ihrem Gegenüber von der WKÖ die Forderungen für die heurige KV-Runde, danach gibt es ein gemeinsames Pressestatement und dann geht es in die erste Gesprächsrunde.

WKÖ-Chefverhandler Trefelik hatte bei einem Medientermin Ende September gemeint, er erwarte schwierige Gespräche. "Die Erwartungshaltung ist auf beiden Seiten extrem weit auseinander", so seine Einschätzung. Dabei sei der Handel in einer schwierigen Situation. Seit Corona seien die Einzelhandelsumsätze inflationsbereinigt rückläufig und das Konsumklima habe sich in den vergangenen sechs Jahren nicht erholt.

Dem hielt die GPA entgegen, dass sich der nominelle Umsatz im Gesamthandel im Vorjahr um 2,1 Prozent erhöht habe. Die Firmen würden auf einem soliden finanziellen Fundament stehen, mit einer stabilen Eigenkapitalquote, einer sinkenden Nettoverschuldung und höheren Cashflows.

Vergangene Woche präsentierten die beiden großen heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS ihre Herbstprognose, und diese war durchwachsen. 2026 soll das Wirtschaftswachstum bei 0,8 bis 0,9 Prozent liegen, 2027 dann bei 1,0 bis 1,3 Prozent. Die Inflation soll heuer 3,3 (WIFO) bzw. 3,1 Prozent (IHS) betragen, 2027 dann 2,6 bzw. 2,8 Prozent.

Während der Handel am Donnerstag in die KV-Verhandlungen einsteigt, sind bereits mehrere große Branchen in der Herbstlohnrunde. Seit 12. Oktober 2026 laufen die Kollektivvertragsverhandlungen für rund 55.000 Beschäftigte in 98 Eisenbahnunternehmen. Am 19. Oktober begannen die Verhandlungen für die rund 90.000 Beschäftigten in der IT-Branche. Für die 10.000 Beschäftigten bei der A1 Telekom laufen die Gespräche seit 20. Oktober.

Der Kollektivvertrag ist eine zentrale Säule der Arbeitsvereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wesentlicher Bestandteil ist die Höhe der Löhne und Gehälter, aber auch Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen spiegeln sich darin wider. Eine Bezahlung der Beschäftigten unter dem Kollektivvertrag für die jeweilige Branche ist verboten, der KV gilt auch für den Leiharbeitssektor.

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER