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Die Ergebnisse des "European Competitiveness Barometer", für das im November 850 Führungskräfte und 6.400 Bürger in 30 Ländern befragt wurden, zeichnen ein düsteres Bild. Neben dem Personalabbau erwarten 90 Prozent der Entscheider, dass Unternehmen ihre Standorte verstärkt ins außereuropäische Ausland verlagern ("Offshoring"). 88 Prozent gehen von einer sinkenden Investitionsfähigkeit aus, sollte die EU ihre wirtschaftlichen Interessen nicht besser schützen.
Die Hoffnung, dass geopolitische Veränderungen oder externe Schocks ("Liberation Day") automatisch mutige Reformschritte in Europa auslösen würden, hat sich laut den Studienautoren zerschlagen. Besonders in den großen Volkswirtschaften herrscht Ernüchterung: In Deutschland ist der Optimismus im Vergleich zum April 2025 um 21 Prozentpunkte auf nur noch 60 Prozent eingebrochen - der stärkste Rückgang aller befragten Länder. Auch in Frankreich überwiegt die Skepsis. Gegen den Trend stemmt sich Italien: Dort stieg die Zuversicht der Unternehmenslenker um sieben Prozentpunkte.
Trotz der eingetrübten Stimmung setzen weder Manager noch Bürger auf nationale Alleingänge. Im Gegenteil: 64 Prozent der Unternehmenslenker und 61 Prozent der Bevölkerung sehen "mehr Europa" und eine stärkere Bündelung von Entscheidungen auf EU-Ebene als zentralen Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit. Lediglich eine Minderheit will zurück zu nationalen Lösungen.
"Es besteht wirklich dringender Handlungsbedarf. Noch kann Europa gegensteuern, doch das Zeitfenster wird kleiner", kommentierte BCG-Europachef Matthias Tauber die Ergebnisse. Die anfängliche "Jetzt-erst-recht"-Haltung sei verflogen, nun brauche es konsequentes Handeln.
Konkret fordern vier von fünf Befragten radikale Reformen der EU-Regulierung. Um den Reformstau aufzulösen, plädieren 95 Prozent der Manager für eine pragmatische Umsetzung durch eine Gruppe weniger zentraler Mitgliedsländer. Inhaltlich sollen klare Prioritäten gesetzt werden, insbesondere in den Sektoren Energie und Verteidigung sowie bei der Integration der Kapitalmärkte.
Auch die Bereitschaft der Wirtschaft, sich politisch stärker einzubringen, ist hoch. Über 90 Prozent der Entscheider halten eine EU-weite Arbeitsgruppe aus Konzernchefs (CEO-Arbeitsgruppe) für sinnvoll, um die Politik zu beraten. Allerdings sehen viele Manager noch Hürden durch Reputationsrisiken oder fehlende formale Mandate.
