Zu Mittag ist Strom an der Börse manchmal gratis, am Abend kostet er deutlich mehr. Jetzt investieren Energiekonzerne und sogar Industrielle wie Stefan Pierer in Batteriespeicher, die diese Schwankungen glätten sollen. Doch kommt davon auch etwas bei Ihrer Stromrechnung an?
Das Problem: Zu viel Strom zur falschen Zeit
Photovoltaik boomt in Österreich, und das hat eine kuriose Nebenwirkung. An sonnigen Tagen gibt es zu Mittag so viel Strom, dass im Sommer sogar die großen Donaukraftwerke gedrosselt werden müssen. Am Abend, wenn die Sonne weg ist und alle kochen, waschen und fernsehen, wird Strom dagegen knapp. Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens Fingreen im Auftrag von PV Austria war der Strompreis am Abend zuletzt um rund 70 Prozent höher als in den übrigen Stunden des Tages.
Zu Mittag fällt der Börsenpreis dagegen immer öfter ins Minus. Dann bekommt, wer Strom abnimmt, rechnerisch sogar Geld dafür. In Deutschland gab es 2025 bereits 573 Stunden mit negativen Strompreisen, ein Rekord. Und Europa hat im zweiten Quartal 2026 mit 129 Terawattstunden so viel Solarstrom erzeugt wie nie zuvor.
Die Lösung: Mittagsstrom für den Abend aufheben
Genau hier setzen Batteriespeicher an. Sie laden, wenn Strom billig ist, und geben ihn ab, wenn er teuer ist. Für Investoren ist das ein lukratives Geschäft, weshalb gerade so viel Geld in den Markt fließt. Auch der Industrielle Stefan Pierer hat mit dem früheren steirischen Landesrat Herbert Paierl, heute Chef des Branchenverbands Photovoltaic & Battery Austria, ein Speicher-Unternehmen gegründet.
Paierl nennt die negativen Mittagspreise einen „Investitionskiller“. Seine Forderung: Photovoltaik nicht bremsen, sondern mit Batterien kombinieren. Um die Preisschwankungen im Tagesverlauf zu glätten, bräuchte Österreich laut der Fingreen-Analyse Speicher mit 16 Gigawattstunden Kapazität. Installiert sind derzeit rund 3,2 Gigawattstunden, also nur ein Fünftel.
Das Beispiel Bulgarien
Dass Speicher den Preis tatsächlich drücken können, zeigt ausgerechnet Bulgarien. Dort ist die installierte Batteriekapazität innerhalb von nur ein bis zwei Jahren auf 15 Gigawattstunden gestiegen, vor allem durch Großprojekte in der Nähe von Umspannwerken. Die Batterien verdrängen am Abend teure Kraftwerke, vor allem Braunkohle, aus dem Markt. Die Folge seien niedrigere Strompreise als in den Nachbarländern Rumänien und Griechenland, erklärte die Strommarktexpertin Raphaela Hein.
Was bei Ihnen ankommt und was nicht
Die ehrliche Antwort lautet: Billiger wird es vor allem am Abend. Speicher glätten die Spitzen nach oben, sie nehmen aber auch die extremen Tiefs weg. Peter Reitz, Chef der europäischen Energiebörse EEX, rechnet damit, dass es mit mehr Batteriespeichern weniger Stunden mit negativen Preisen geben wird. Gratis-Strom zu Mittag wird also seltener, dafür sollte der teure Abendstrom günstiger werden.
Ob Sie davon direkt profitieren, hängt stark von Ihrem Tarif ab. Wer einen klassischen Fixpreis zahlt, spürt die Schwankungen an der Börse kaum. Am meisten haben Haushalte mit einem dynamischen Stromtarif davon, bei dem sich der Preis stündlich am Markt orientiert. Voraussetzung dafür ist ein funktionierender Smart Meter. Wer ein E-Auto hat oder eine Wärmepumpe betreibt, kann Verbrauch gezielt in billige Stunden verschieben.
Ein weiterer Faktor ist die Politik. Im neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) ist vorgesehen, dass Batteriespeicher wie Pumpspeicherkraftwerke in den ersten 20 Jahren von Netzentgelten befreit werden. Das macht neue Anlagen attraktiver und dürfte den Ausbau beschleunigen. Wie stark sich das am Ende auf Ihre Rechnung auswirkt, hängt aber auch davon ab, wie sich Netzkosten und Abgaben entwickeln.
Lohnt sich der eigene Speicher?
Für Hausbesitzer mit Photovoltaik-Anlage stellt sich die Frage im Kleinen. Wer mittags Strom ins Netz einspeist, bekommt bei negativen Börsenpreisen dafür kaum noch etwas. Ein Heimspeicher erhöht den Anteil des Solarstroms, den Sie selbst verbrauchen, und macht Sie unabhängiger von teuren Abendstunden.
Ob sich das rechnet, hängt von Anlagengröße, Verbrauch und aktuellen Förderungen ab. Die Förderlandschaft für Photovoltaik soll laut Wirtschaftsministerium stärker auf Speicher ausgerichtet werden. Es lohnt sich daher, vor dem Kauf die aktuellen Programme von Bund und Land zu prüfen und mehrere Angebote einzuholen.
