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"Die Branche ist unter Druck", gibt auch Herwig Schneider vom Industriewissenschaftlichen Institut zu bedenken. Bei einem Pressegespräch der Autozulieferer wurde deshalb am Mittwoch einmal mehr der Ruf nach "Technologieoffenheit statt Verbrennerverbot" laut. Auch wenn das Gros der Lieferungen an die Autohersteller nicht den Motor betreffe, biete der E-Motor deutlich weniger Wertschöpfung für die Industrie. Bis zu 30 Prozent an Wertschöpfung könnte eine umfassende Elektrifizierung kosten - wenngleich auch klar sei, dass sich der Individualverkehr am Ende des Tages durchsetzen werde, so Schäfer.
Dass die Rüstungsindustrie ein Rettungsanker für die Autozulieferer sein kann, glaubt Schäfer weniger. Der Sektor könne nicht einmal die Verluste kompensieren. Seit dem Jahr 2019 hätten die Zulieferer rund 8.000 Jobs abgebaut, gibt er zu bedenken und fordert: "Wir müssen die industrielle Wettbewerbsfähigkeit wieder zum Thema machen."
Wobei der Personalabbau zwar anhalte, aber nicht mehr im Ausmaß wie 2024 und 2025. Die Zahlen seien "nicht mehr ganz so grausliche wie letztes Jahr", erklärte Ökonom Schneider. Eine Kurzfrist-Prognose, wie es weitergeht, sei aber mit hohen Unsicherheiten belastet.
Ein Blick auf den WIFO-Konjunkturtest für die Auto-Zulieferindustrie zeigt ein gemischtes Bild: So hat sich zuletzt die Produktion wieder über das langjährige Mittel hochgekämpft, bei den Erwartungen für die nächsten drei Monate liegt die Industrie am Mittelwert. Die Auftragsbestände waren in den vergangenen Monaten zwar gestiegen, haben den langjährigen Durchschnitt aber noch nicht erreicht. Die Beschäftigungslage hat sich im Juni und Juli aufgehellt, um sich im August wieder einzutrüben.
Für Branchensprecher Schäfer ist klar: "Geänderte Rahmenbedingungen erfordern eine aktivere Standortpolitik." Er versteht darunter weniger Bürokratie und Berichtspflichten, Technologieoffenheit statt "ideologischer Vorgaben" und offene Märkte sowie stabile Handelsbeziehungen. Auch müssten die Kosten am Standort Österreich runter. "Dazu gehören niedrigere Energiekosten, sinkende Lohnnebenkosten sowie Entlastungen bei Steuern und Abgaben", so Schäfer.
Er vertritt rund 900 Unternehmen aus der automotiven Zulieferindustrie. Deren Exportquote liegt, bezogen am Umsatz, bei 94 Prozent, wichtigster Absatzmarkt ist Deutschland, mit deutlichem Abstand folgen China und die USA. "Besonders die schwache Entwicklung in Deutschland und die zunehmende Verschiebung von Marktanteilen nach China stellen viele Unternehmen vor erhebliche Auswirkungen", erklärte dazu Wirtschaftsforscher Schneider.
In Europa sind die Investitionen der Autohersteller heuer um rund 20 Prozent eingebrochen, berichtete vor wenigen Tagen der Kreditversicherer Acredia. Das sei der stärkste Rückgang seit 2018. Die Wertschöpfung führender deutscher Autohersteller je verkauften Fahrzeug lag demnach im ersten Halbjahr in Europa 30 bis 45 Prozent niedriger als 2021/22.
