Wenn wir über die Mobilität der Zukunft sprechen, reden wir über alternative Antriebe und alternative Treibstoffe, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und autonome Systeme. Milliarden werden in neue Technologien und Infrastruktur investiert. Dabei wird ein entscheidender Faktor häufig übersehen: der Mensch.
Denn neue Mobilität funktioniert nur, wenn Menschen mit ihrer technologischen Entwicklung Schritt halten können. Das gilt besonders für die Luftfahrt. Moderne Verkehrsflugzeuge gehören zu den komplexesten und am stärksten digitalisierten Verkehrsmitteln überhaupt. Elektronische Cockpits, hoch automatisierte Systeme und enorme Datenmengen sind längst Alltag. Künstliche Intelligenz wird diese Entwicklung weiter beschleunigen.
Die Ausbildung jener Menschen, die diese Systeme bedienen und verantworten, hat sich hingegen deutlich langsamer verändert. Das beobachte ich seit 25 Jahren in der Ausbildung von Airlinepiloten.
Wenn wir Mobilität neu denken, müssen wir deshalb auch Ausbildung neu denken. In der Pilotenausbildung bedeutet das beispielsweise, bereits bei Schulungsflügen jene digitale Umgebung zu schaffen, die Piloten später im professionellen Cockpit erwartet. Moderne Schulungsflugzeuge mit Glascockpits gehören ebenso dazu wie digitales Lernen und Simulatortraining.
Der nächste Schritt wird eine stärkere Verbindung von realem Fliegen, Simulation und neuen digitalen Technologien sein. Dabei geht es keineswegs darum, Flugzeuge durch Computer zu ersetzen. Aus meiner Erfahrung als Airlinekapitän bzw. Fluglehrer und Flugprüfer weiß ich, dass sich bestimmte Fähigkeiten nicht digitalisieren lassen: Urteilsvermögen, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, in unerwarteten Situationen richtige Entscheidungen zu treffen. Je besser die Automatisierung wird, desto wichtiger wird der Mensch in jenen Momenten, in denen die Automatisierung an ihre Grenzen stößt. Der Pilot der Zukunft muss deshalb nicht weniger können – er wird teilweise andere Kompetenzen benötigen.
Denn über die Zukunft der Mobilität zu sprechen, bedeutet auch, darüber nachzudenken, wer diese Zukunft einmal gestalten darf.
Gleichzeitig eröffnet Digitalisierung enorme Chancen. Moderne Simulatoren bieten mehr Sicherheit in der Ausbildung und ermöglichen Szenarien, die sich im Flugzeug nur mit erheblichem Aufwand darstellen lassen. Ressourcenverbrauch lässt sich reduzieren und gleichzeitig kann die Qualität des Trainings steigen. Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und bessere Ausbildung müssen keine Gegensätze sein.
Mobilität neu zu denken, bedeutet für mich aber auch, jungen Menschen den Weg in die Berufe der Mobilität von morgen zu ermöglichen. Eine Airlinepilotenausbildung kostet in Mitteleuropa heute rund 100.000 bis 140.000 Euro, die angehende Piloten meist selbst finanzieren müssen. Damit entscheidet neben Talent und Eignung auch die finanzielle Ausgangssituation über die Chance, diesen Beruf zu ergreifen.
Deshalb haben wir bereits vor Jahren ein Modell geschaffen, das unseren Flugschülern eine finanzielle Unterstützung von rund 50 Prozent ihrer Ausbildungskosten ermöglicht. Denn über die Zukunft der Mobilität zu sprechen, bedeutet auch, darüber nachzudenken, wer diese Zukunft einmal gestalten darf.
Diese Herausforderung reicht weit über die Luftfahrt hinaus. Entscheidend wird sein, ob wir die Menschen darauf vorbereiten, neue Technologien sicher, effizient und verantwortungsvoll einzusetzen. Denn die Mobilität der Zukunft beginnt nicht erst auf der Straße, auf der Schiene oder in der Luft. Sie beginnt in der Ausbildung.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 37/2026 erschienen.
