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Konkret sprachen sich 83 Prozent der durch das Meinungsforschungsinstitut "Public Opinion Strategies" befragten Schülerinnen und Schüler sowie 74 Prozent der Eltern dafür aus, die Lehrinhalte bestehender Fächer zu kürzen und damit Platz für neue Themen zu schaffen. Auch unter den Lehrern waren in der laut Studienautor Peter Hajek nahezu repräsentativen Stichprobe 71 Prozent dafür, wobei sich AHS-Oberstufenlehrer am skeptischsten zeigten. Im Bildungssystem insgesamt sehen die Befragten Verbesserungsbedarf: Die Zufriedenheit sei "mittelprächtig", auch die Zukunftsfähigkeit sei laut den Befragten "nicht das Gelbe vom Ei", so der Meinungsforscher in der Pressekonferenz.
Die gewünschte Zielrichtung für Reformen ist laut Hajek in allen drei Gruppen dieselbe: Als wichtigste Kompetenz, die im Unterricht vermittelt werden sollte, wurden jeweils soziale Kompetenzen und kritisches Denken genannt. Viel Zuspruch gibt es in der Umfrage konkret für mehr Wahlmöglichkeit der Kinder und Jugendlichen bei Fächern und Schwerpunkten, eine Aktualisierung der Lehrpläne und Streichung von bestehendem Lehrstoff sowie für die Einführung eines Fachs Wirtschafts- und Finanzbildung.
Bildungsminister Wiederkehr sah sich durch die Ergebnisse in seinen Reformplänen bestärkt - gerade was seine aktuellen Ideen für die AHS-Oberstufe betrifft. Hier hatte seine Ankündigung, Stunden bei Latein bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache zugunsten von mehr Raum für den Umgang mit KI zu kürzen, zuletzt für viel Unmut der ÖVP-nahen Lehrervertretung gesorgt. Wiederkehr will dennoch daran festhalten. Das sei auch der Wunsch von Schülern und Eltern, verwies er auf die Studienergebnisse. Man könne die Schüler nicht mit immer mehr Inhalten überfordern.
Außerdem müsse man den Fächerkanon "in die Jetztzeit" bringen und Themen wie soziale Kompetenz und Kritikfähigkeit mit eigenen Gegenständen wie dem geplanten Fach Medien- und Demokratiebildung fördern. Die Reform der AHS-Oberstufe samt Kürzungen in bestimmten Bereichen sei dabei erst der Anfang. Gleichzeitig werde bereits an neuen Lehrplänen an den berufsbildenden Schulen gearbeitet, Änderungen in der AHS-Unterstufe und den Mittelschulen sollen folgen.
In Zukunft werde es generell viel öfter umfassendere Änderungen der Lehrpläne geben, bisher sei das nur alle zehn bis 20 Jahre passiert. "Es ist den Schülerinnen und Schülern und uns als Gesellschaft nicht zumutbar, dass wir hier jahrzehntelang der gesellschaftlichen Veränderung hinterherhinken", betonte Wiederkehr.
Die Ergebnisse der Umfrage will er in die Erarbeitung seines "Plan Z" einfließen lassen, in einem nächsten Schritt sollen die Themen in Bürgerforen weiter vertieft werden. Ende März soll der "Plan Z", der auch Maßnahmen über die Legislaturperiode hinaus enthalten soll, vorgestellt werden.
Als größte Belastung für das Bildungssystem wurde in der Befragung übrigens sowohl von Eltern als auch Lehrern der Einfluss sozialer Medien auf Lernen, Konzentration und Verhalten genannt. Damit landete das Thema bei Lehrkräften noch vor Bürokratie oder dem Umgang mit heterogenen Klassen und Sprachdefiziten, bei Eltern vor den Themen Zuwanderung, Sprachdefizite und psychische Belastungen der Kinder und Jugendlichen.






