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Bauer warnte davor, dass die Zahl der Zivildiener aufgrund des Geburtenrückgangs und einer alternden Bevölkerung weiter sinken und das System aus dem Gleichgewicht geraten könnte. Wurden 2007 noch 34.000 Burschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft geboren, waren es 2025 nur noch 30.000. Geht man davon aus, dass sich die Hälfte der Wehrpflichtigen für den Zivildienst entscheidet, könnte es nach der Rechnung der Ministerin zukünftig rund 2.000 Zivildiener weniger geben. Gleichzeitig erhöhe sich der Bedarf an Zivildienern aufgrund der alternden Bevölkerung - zwischen 2005 und 2025 verzeichnete man hier etwa eine Steigerung von 25 Prozent.
Von den knapp 15.000 Zivildienern waren 2025 rund 39 Prozent im Rettungsdienst und knapp ein Viertel in der Sozial- und Behindertenhilfe tätig. Im Rettungsdienst würden künftig rund 800 und in der Alten- und Behindertenhilfe knapp 500 Zivildiener fehlen, so Bauer. Ausgebaut werden soll der Erwerb von weiteren Qualifikationen und Ausbildungen. Wie es schon im Rettungswesen die Möglichkeit zur Ausbildung zum Sanitäter gibt, soll ein einjähriger Zivildienst auch dafür sorgen, dass Zivildiener in der Sozial- und Behindertenhilfe eine Ausbildung abschließen können, die ihnen im späteren Berufsleben zugute kommt.
Bauer verspricht sich dadurch eine Erhöhung des gesellschaftlichen Nutzens des Zivildienstes. In Zahlen bemessen liege dieser derzeit nach Abzug der Kosten bei jährlich 1,5 Milliarden Euro. Wie von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) anvisiert, könnte auch nach Bauers Ansicht die Volksbefragung über die Verlängerung der Wehrpflicht "im Herbst" stattfinden. Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe, und Peter Kaiser, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, unterstützten Bauers Forderungen und sprachen sich ebenfalls für eine Verlängerung auf ein Jahr aus. Auf Nachfrage sagte Kaiser, er wünsche sich eine "raschest mögliche Entscheidung, die uns Klarheit gibt." Auch der Samariterbund bezeichnete in einer Aussendung eine Ausweitung des Zivildienstes auf bis zu zwölf Monate grundsätzlich als "eine Chance, insbesondere im Rettungsdienst". Diese müsse aber etwa mit Verbesserungen bei der Anerkennung von Qualifikationen und Rahmenbedingungen einhergehen.
Weniger Unterstützung erfuhren Bauers Reformvorhaben von einer Servicestelle für internationale Freiwilligeneinsätze. In einer Aussendung zeigte sich WeltWegWeiser besorgt darüber, dass Bauer die Anrechenbarkeit des Freiwilligen Sozialen Jahres als Zivilersatzdienst abschaffen wolle. Die Ministerin hatte zuvor gemeint, sich Änderungen bei der Anerkennung des Freiwilligen Sozialen Jahres als Zivildienst vorstellen zu können.






