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Wasserversorgung - Experte für Abkehr von "Wasserschloss"-Narrativ

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Bewässerung im Agrarbereich wird auch in Österreich künftig wichtiger
Angesichts stärkerer Veränderungen im Wasserhaushalt und -kreislauf plädiert Norbert Kreuzinger von der Technischen Universität (TU) Wien für eine Abkehr vom langjährigen Narrativ Österreichs als "Wasserschloss" mit quasi unbegrenzten Ressourcen. Es brauche nun möglichst breite und strategische Überlegungen, wie das kühle Nass künftig gemanagt wird - und ein Ende der betont sorglosen Nutzung. Das sei schwierig, weil "wir mit einer anderen Geschichte groß geworden sind".

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Nun sei es gewissermaßen an der Zeit, das "Bilderbuch zu wechseln", so der Wissenschafter vom Institut für Wassergüte und Ressourcenmanagement der TU auch angesichts von am Dienstag präsentierten Zwischenergebnissen des groß angelegten Forschungsprojekts "Wasser im Klimawandel". Demnach hat vor allem die klimawandelbedingt gestiegene Verdunstung die Grundwasserpegelstände in den vergangenen rund 15 Jahren im Durchschnitt um 30 bis 50 Zentimeter absinken lassen, wie es bei der Präsentation im Landwirtschaftsministerium hieß.

Um der sich ändernden Realität zu begegnen, brauche es jedenfalls eine kluge Mischung aus technischen und naturnahen Lösungen. Auch über die Nutzung von ausreichend gereinigtem Abwasser etwa in der Landwirtschaft oder der Stadtbegrünung sollte nachgedacht werden, so der Experte. Solche Ansätze, die in Italien oder Spanien lange praktiziert werden, seien hierzulande jedoch noch völlig neu. Sich damit aber rasch auseinanderzusetzen, ist ein Gebot der Stunde, weil der Umbau so großer und komplexer Systeme eben Zeit brauche - was ebenso für die öffentliche Wahrnehmung gelte.

In Österreich sei man nämlich daran gewöhnt, dass es "vom Wasser gelegentlich zu viel, aber nie zu wenig gibt", so Kreuzinger: "Davon müssen wir uns ein bisschen verabschieden." Es werde künftig hierzulande auch einmal eng werden - weniger in der Trinkwasserversorgung, als etwa in der Industrie, der Wasserenergiewirtschaft oder in der Landwirtschaft. Noch funktioniere letztere außer vielleicht im Marchfeld oder im Seewinkel größtenteils regen-basiert. Hier ist Österreich in einer sehr komfortablen Situation, die sich aber ändern werde. Kreuzinger: "Wir werden nicht umhinkommen, unsere Wasserressourcen besser zu managen."

Ein Schritt dorthin wäre auch ein "Wasserentnahmeregister", für das Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) einen ersten Regierungsentwurf im Sommer in Aussicht stellte. Wie ein solches genau gestaltet ist, müsse man sich sehr gut überlegen, um nicht etwa einen bürokratischen Moloch aus der Taufe zu heben, trotzdem aber "Schummeln" hinanzuhalten. Damit so etwas funktioniert und man sich nicht in kleinteiligen Entnahmediskussionen ergeht, müsse allen klar werden, "dass man im selben Boot sitzt". Insgesamt werde es Spielregeln brauchen, wenn die verfügbaren Mengen saisonal und regional zurückgehen. Hier müsse sich die gesamte Gesellschaft der Veränderung bewusster werden. Solange aber noch nicht "an der Komfortzone gekratzt wird", und alle weiter gleichzeitig im Frühling ihre Pools befüllen können, sei das schwierig.

Bei Umdenken und Bewusstseinsbildung stehe Österreich am Anfang. Das gelte auch für den Gedanken daran, wer Wasser in welcher Qualität benötigt. Im Agrarbereich oder in der urbanen Begrünung "ist es die Frage, ob wir tatsächlich Trinkwasser dafür heranziehen müssen". Die Abwasseraufbereitung in den Kläranlagen werde beispielsweise immer weiter verbessert: Anstatt das Nass dann in die Flüsse zu leiten, könnte man Stadtbäume, Parks, aber auch Felder zumindest zum Teil damit bewässern. Davon, Trinkwasser aus Abwasser zu machen, sei man in Österreich aber auch in fernerer Zukunft "weit entfernt", weil der Bedarf absehbar nicht da sein wird.

Etabliert man neue Herangehensweisen, müsse die Bevölkerung dazu informiert und mitgenommen werden. Lösungen gebe es vielfach, wenn sie aber nicht akzeptiert werden, nutzen sie herzlich wenig, gibt Kreuzinger zu bedenken: "Wir stehen da ganz am Anfang." Denn die Idee, dass Österreich immer genug Wasser hat, habe einfach lange bestanden und war lange auch "nicht falsch". Dazu komme auch eine gewisse Abwehrhaltung, wenn der Klimawandel als Auslöser von Veränderung in die Diskussion kommt.

Vieles lasse sich eben nicht sofort umsetzen, wenn man etwa an neue Bewässerungsformen in der Landwirtschaft denkt, müsse man sehr genau überlegen, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür sind. "Es geht um Hygiene, um Sicherheit und um Gesundheit, um nichts unerwünscht in die Nahrungskette einzubringen", sagte Kreuzinger. Hier gebe es aber viel internationale Erfahrung, die weiterhilft. Immerhin haben Herr und Frau Österreicher offenbar kein Problem damit, mit aufbereitetem Abwasser gezogenes Obst und Gemüse aus Spanien zu kaufen - vielleicht auch, weil das kaum jemand wisse.

Dass sich im Wasserhaushalt tatsächlich viel verändert, zeige sich auch bei der Energieerzeugung aus Wasserkraft. Durch die im Schnitt vor allem nach den Sommern oft stark reduzierten Pegelstände der mit Kraftwerken ausgestatteten Flüsse würden ebenso an einem lange währenden Narrativ kratzen - nämlich dass Land zu einem Gutteil mit Strom aus Wasserkraft versorgt wird. "Diese Komponente der regenerativen Energieerzeugung wird nicht mehr so dominant sein, wie wir das in uns drinnen haben." Das könnte auch ein Punkt sein, an dem Menschen bemerken, dass "sich hier etwas verschiebt". Dazu kommen auch Probleme, wenn Flüsse zu wenig Wasser führen, um genug Kühlwasser für die Industrie bereitzustellen.

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