von
In einer im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlichten Studie konnten die Wissenschafter zeigen, dass eine einmalige Impfung mit dem bereits zugelassenen VSV-EBOV-Impfstoff T-Zell-Immunantworten gegen das BDB-Virus auslösen kann. Der derzeitige BDBV-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist mit mehr als 6.000 bestätigten Fällen und einer Sterblichkeitsrate von 48 Prozent der bisher zweitgrößte Ebolavirus-Ausbruch weltweit. Derzeit ist kein zugelassener BDBV-Impfstoff verfügbar. Klinische Studien zur Bestimmung der Wirksamkeit eines ähnlichen Bundibugyo-Vakzins laufen derzeit. Doch bis zu einer Zulassung im positiven Fall dürfte noch einige Zeit vergehen, während sich die Erkrankungswelle in der Demokratischen Republik Kongo immer weiter ausbreitet und mit einer fast 50-prozentigen Mortalität ausgesprochen gefährlich ist.
Das Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) unter der Leitung von Leonie Mayer und Marylyn Addo vom Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung des UKE sowie von Christof Geldmacher und Dr. Rolanda Londt vom Institut für Infektions- und Tropenmedizin am LMU Klinikum München analysierte und kartierte die T-Zell-Reaktionen gegen das Ebola-Virus (EBOV), das Bundibugyo-Virus (BDBV) sowie das Sudan-Virus (SUDV) bei 20 mit VSV-EBOV geimpften Personen, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der Hamburger Universitätsklinik zu der wissenschaftlichen Arbeit (DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(26)00529-3)
Die Wissenschafter zeigten, dass eine einmalige Impfung mit dem verfügbaren, zugelassenen EBOV-Impfstoff eine Kreuzreaktivität der T-Zellen gegen BDBV und - in geringerem Maße - gegen SUDV auslösen kann. Ob diese T-Zellen zu besseren Verläufen bei einer Infektion mit BDBV beitragen können, ist zwar noch nicht bekannt, doch deuten zurückliegende präklinische Studien an nichtmenschlichen Primaten darauf hin, dass T-Zell-Reaktionen für einen durch den Impfstoff vermittelten Schutz erforderlich sind. Grundsätzlich tragen T-Zell-Reaktionen bei verschiedenen Virustypen zur Viruskontrolle und zum Schutz vor schweren Erkrankungen bei.
"Unsere Ergebnisse liefern den ersten Nachweis dafür, dass die VSV-EBOV-Impfung gegen das Ebola-Virus BDBV-kreuzreaktive T-Zell-Reaktionen auslöst", wurde Geldmacher von der Universitätsklinik in München zitiert. "Zwar weist die Studie aufgrund der geringen Stichprobengröße Einschränkungen auf, doch da es keinen BDBV-spezifischen Impfstoff gibt, spricht die Studie dafür, den EBOV-Impfstoff im Rahmen weiterer klinischer Studien während des aktuellen BDBV-Ausbruchs systematisch zu evaluieren."
Im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit verglichen die Autoren der Studie für die Immunantwort auf eine Impfung wichtige Antigene der Ebola-Viren und untersuchten die Reaktion des Immunsystems. "Mithilfe von Multiplen Sequence Alignments - dem parallelen Vergleich mehrerer Aminosäuresequenzen - haben wir mehrere Antigen-Sequenzen identifiziert, die zwischen den Glykoproteinen von EBOV, BDBV und SUDV hochkonserviert (gleich; Anm.) sind, und diese Regionen auf Reaktionen mit dem Immunsystem der Geimpften getestet", sagte Leonie Mayer von der Hamburger Universitätsklinik.
Anschließend untersuchten die Wissenschafter 28 Tage nach der VSV-EBOV-Impfung die kreuzreaktiven T-Zell-Reaktionen bei 20 geimpften Personen. Von diesen Geimpften wiesen 16 am 28. Tag nach der Impfung Ebolavirus-spezifische T-Zell-Reaktionen auf, 13 zeigten Bundibugyo-Glykoprotein-reaktive T-Zell-Reaktionen, sieben Sudan-Virus-Glykoprotein-reaktive T-Zell-Reaktionen. Die meisten Geimpften mit einer positiven EBOV-Glykoprotein-Reaktion wiesen auch BDBV-reaktive T-Zellen auf.
COCODY - COTE D'IVOIRE (ELFENBEINKÜSTE): FOTO: APA/APA/AFP/SIA KAMBOU
