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Das Kreischen, das beim Abrollen eines Klebebandes vernehmbar wird, wurde bisher wahrscheinlich bereits von Milliarden Menschen beim Gebrauch bemerkt, zur Kenntnis genommen, blieb aber in seiner Ursache unerforscht. Laut der US-Wissenschaftszeitschrift "Science" hat eine Studie in der Zeitschrift "Physical Review E" jetzt die Erklärung gebracht.
Sigurdur Thoroddsen, Physiker an der King Abdullah University of Science and Technology, und seine Kollegen hätten vermutet, dass das Geräusch von den Spitzen sich schnell ausbreitender Risse in der Klebeschicht der Bänder beim Abrollen herrührte. Um diese Hypothese zu überprüfen, führten sie ein Experiment durch, bei dem sie die Risse auf der Klebefläche und die Stoßwellen in der umgebenden Luft aufzeichneten, während sie das Klebeband abzogen.
Die Wissenschafter zogen an dem Klebeband, das auf einer fest montierten, zwei Zentimeter dicken Glasplatte befestigt war. Eine Hochgeschwindigkeitskamera, die von der Unterseite der Glasplatte nach oben filmte, hielt fest, wie sich auf der Klebeseite Risse bildeten, als die Forscher das Klebeband abzogen. Eine weitere ultraschnelle Kamera, die mit einer Frequenz von zwei Millionen Bildern pro Sekunde aufzeichnete, suchte nach Stoßwellen in der Luft, indem sie erfasste, wie diese Wellen, welche die Luftdichte verändern, die ansonsten parallelen Lichtstrahlen zweier Hohlspiegel ablenkten. Zum Einsatz kamen gleichzeitig Mikrofone, um die Bilder mit dem Geräusch gemeinsam zu registrieren.
Die Experimente bestätigten die Hypothese der Physiker. Die Risse in der Klebeschicht breiteten sich mit Überschallgeschwindigkeit aus - also schneller als der Schall in der umgebenden Luft -, was für das kreischende Geräusch, das sie erzeugten, entscheidend war. Sobald ein Riss entstand, strömte Luft ein, um den entstandenen Hohlraum zu füllen, berichtete "Science" in einem Online-Artikel.
Die Autoren der Studie hätten dazu geschrieben: "Der Riss entsteht zu schnell, als dass dieser Hohlraum sofort gefüllt werden könnte." Folglich sei er nur teilweise mit Luft gefüllt und weise einen niedrigen Luftdruck auf. Je schneller sich die Risse ausbreiteten, desto größer waren die Hohlräume, die sie hinterließen.
"Was wir beim Abziehen des Klebebands hören, ist das Geräusch, wenn diese Unterdruckhohlräume durch die Luft um das Klebeband herum zusammenfallen", erklärte dazu Anastasiia Krushynska, Materialwissenschaftlerin an der Universität Groningen, die nicht an der Studie beteiligt war. "Als Wissenschafter wollen wir die Natur der uns umgebenden Ereignisse verstehen. Diese Studie passt perfekt in dieses Ziel."
ILLUSTRATION - Eine Frau zieht am Montag (14.02.2011) in einem Hamburger Büro einen Klebestreifen von einer tesa-Rolle. In diesem Jahr feiert der Hamburger Beiersdorf-Konzern den 75. Geburtstag des weltberühmten Klebebands tesa. Foto: Marcus Brandt dpa/lno (zu dpa/lno-KORR: "Weltberühmte Klebestreifen: tesa wird 75" vom 15.02.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++






