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Das Forschungsprojekt wolle jedenfalls mithilfe von Endometriose-Gewebeproben sowie ausgewählten pflanzenbasierten Wirkstoffen - sogenannten Phytoextrakten - unter Weltraumbedingungen neue Einblicke in die Entstehung und den Verlauf der weit verbreiteten Frauenkrankheit gewinnen. Anhand identischer Experimente auf der Erde sollen mögliche Differenzen festgestellt werden, erklärte der in Innsbruck geborene Top-Wissenschafter bei einem Pressetermin in der Tiroler Landeshauptstadt.
Die Versuche auf der Erde würden parallel dazu sowie in Laboren der Universität Innsbruck und der ebenfalls am Projekt beteiligten Universität Neapel Federico II. durchgeführt werden. Sobald die Weltraum-Proben wieder zurück auf der Erde seien, sollen sie mit den Boden-Proben verglichen werden.
Erstmals könnte die Wirkung ausgewählter Pflanzenextrakte auf Endometriose-Zellsysteme unter schwerelosen Bedingungen im Weltraum untersucht werden, sagte Bonn. Das dreidimensionale Umfeld auf der ISS habe große Ähnlichkeit mit dem menschlichen Körper und führe zu realistischeren Bedingungen als jene in der Petrischale, erklärte der Tiroler. Dadurch erhoffe man sich auch bessere Daten für die weitere Forschung.
"Das ist auch der Grund, warum in Zukunft und auch jetzt schon große Pharmafirmen da oben Entwicklungen durchführen wollen", betonte der Experte. Im besten Fall würden sich die Ergebnisse auf der ISS nicht von jenen in den Laboren in Innsbruck und Neapel unterscheiden, erklärte der Chemiker.
Der Start sei indes für 13. Mai um 1.16 Uhr mitteleuropäischer Zeit geplant. Die Proben seien bereits in die USA gebracht worden und sollten Montagabend in eine Dragon-Kapsel integriert werden, berichtete Bonn. Der Transport erfolge über das Unternehmen Space Factory in Neapel, NASA-Strukturen und schlussendlich durch das von Elon Musk geführte Unternehmen SpaceX. Bonn wies zudem darauf hin, dass Raketenstarts vor allem wetter- und technikabhängig seien und sich daher kurzfristig verschieben könnten.
Die Versuche sollten indes mehrere Wochen lang laufen. Ein Teil der Daten - etwa 30 Prozent - könne direkt übermittelt werden, den Rest wollten die Forscher nach der Rückkehr der Proben auswerten. Bonn rechne spätestens im Spätherbst mit ersten Ergebnissen. Der Tiroler erklärte, dass die Proben voraussichtlich Ende Juni zur Erde zurückkehren sollten.
Endometriose betreffe weltweit rund 200 Millionen Frauen, sagte er. Die chronische Erkrankung werde zudem häufig erst nach mehreren Jahren erkannt. Betroffene würden unter starken Schmerzen leiden und bei einem Teil der Patientinnen seien zudem Fruchtbarkeitsprobleme die Folge, erklärte der Wissenschafter. Darüber hinaus seien auch die Diagnose schwierig und therapeutische Möglichkeiten begrenzt.
Derzeit forsche das ADSI, eine Ausgründung der Universität Innsbruck und unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), jedenfalls an einem Medikament gegen die Unterleibserkrankung. Das Krebsforschungsinstitut wolle ein rein pflanzliches Mittel für die als unheilbar geltende Krankheit herstellen, berichtete Bonn. Finanziert werde das Institut indes von der Industrie, vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie vom Land Tirol.
Im Bild: Günther Bonn, Mitgründer und Geschäftsführer des ADSI.



