ABO

Tiroler Herzchirurgie will bis zu 800 Patienten digital begleiten

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Die tirol kliniken integrieren ein E-Health-Tool in den Klinikalltag
©APA, JOHANN GRODER, Themenbild
Die landeseigenen tirol kliniken haben am Montag einen digitalen "Herz-Kompass" zur Begleitung von Patientinnen und Patienten vor und nach geplanten Herzoperationen vorgestellt. Die telemedizinische Anwendung werde an der Innsbrucker Uni-Klinik für Herzchirurgie im November in eine sechsmonatige Pilotphase starten, wobei eine Anmeldung zunächst nur über die ID Austria möglich sei. Bis zu 800 Betroffene pro Jahr sollten damit künftig unterstützt werden, hieß es vor Medien.

von

News auf Google bevorzugen

Der sogenannte "Herz-Kompass" umfasst laut Projektkoordinator und Herzchirurg Leo Winter-Pölzl den gesamten Behandlungsweg von der Bekanntgabe des Operationstermins bis über die stationäre Entlassung hinaus. Ziel sei es, künftig pro Jahr bis zu 800 Patientinnen und Patienten mit geplanten Herzoperationen digital zu begleiten. Die Anwendung stellt dafür "kompetente und richtige Informationen" zu Herzerkrankungen, dem bevorstehenden Eingriff und der Nachsorge bereit. Bisher beruhe der Informationsgewinn bei Betroffenen oft auf "Youtube-Videos oder jetzt auch ChatGPT", wo jedoch teilweise falsche Inhalte vermittelt würden, berichtete Winter-Pölzl. Mit dem neuen Tool sollten diese besser vorbereitet und mögliche Ängste reduziert werden.

Ein wesentlicher Bestandteil waren laut Projektbetreuerin und Pflegeexpertin Karin Hinterbuchner Videos, Checklisten und gezielte Erinnerungsfunktionen. So sollten Patienten etwa rechtzeitig an die Medikamenteneinnahme oder die entsprechende Absetzung erinnert werden. Neben Bewegungs- oder Atemtrainingsvideos sowie Videos, die mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt wurden, stünden auch Informationen zur Einstellung von Blutdruck und Blutzucker zur Verfügung, erklärte Hinterbuchner. Nach der Operation bietet die Anwendung unter anderem Hinweise zur Wundversorgung, zur Rückkehr in den Alltag und zu weiteren Unterstützungsangeboten.

Während der sechsmonatigen Pilotphase ist der Zugang zur Anwendung ausschließlich über die ID Austria vorgesehen, man arbeite jedoch bereits an einer Zwei-Faktor-Authentifizierung, hieß es. "Das ermöglicht uns, dass der Datenschutz gewährleistet wird und dass auch wirklich nur die richtige Patientin oder der richtige Patient einsteigen und auf diesen personalisierten App-Account zugreifen kann", sagte Winter-Pölzl. Nähere Informationen zur Anmeldung würden indes gemeinsam mit der schriftlichen Verständigung über einen Operationstermin versendet.

"Menschen behandeln Menschen", unterstrich indes Michael Grimm, Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie Innsbruck, und hob damit die Bedeutung des persönlichen Kontakts in der Medizin hervor. Viele würden von einer "digitalen Revolution" sprechen, dabei könnten technische Hilfsmittel tatsächlich zunehmend unterstützend wirken. Mithilfe eines "engen Schulterschlusses mit dem Spitalsträger" tirol kliniken, die im österreichweiten Vergleich eine "extrem tolle" Kommunikationsabteilung und IT ausweisen würden, habe das Tool implementiert werden können, sagte der Direktor für Herzchirurgie.

Diese telemedizinische Begleitung sollte laut Grimm vor allem organisatorische und praktische Fragen klären und damit mehr Raum für das direkte Gespräch zwischen medizinischem Personal sowie Patientinnen und Patienten schaffen. Dabei ging es etwa um den Ablauf des Krankenhausaufenthalts oder die anschließende Rehabilitation. "So kann die digitale Revolution in die Medizin kommen", meinte er.

Langfristig ist auch eine Übertragung der Anwendung auf andere medizinische Fachbereiche angedacht. Viele organisatorische Abläufe rund um einen Krankenhausaufenthalt sind laut den Verantwortlichen unabhängig von der jeweiligen Operation vergleichbar. Die Anwendung könne mit entsprechenden Anpassungen jedenfalls auch an anderen Kliniken eingesetzt werden.

Die Entscheidung über eine entsprechende Projektförderung stand indes noch aus, hieß es von Verantwortlichen der tirol kliniken. Ein entsprechender Projektantrag liege jedenfalls bereits beim Tiroler Gesundheitsfonds (TLF). Man habe für Themen zu E-Health, worunter auch die Anwendung "Herz-Kompass" fällt, rund 1,2 Millionen Euro budgetiert, erklärte indes Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) auf APA-Nachfrage.

Digitale Lösungen sollten "niemals einen Menschen ersetzen", betonte auch die Landesrätin. Vielmehr sollten sie die ärztliche und pflegerische Betreuung ergänzen sowie Patientinnen und Patienten bei der Vorbereitung auf den Eingriff sowie bei der Nachsorge unterstützen.

Nachdem man im Sommer mit "Modularis" bereits eine Versorgungsplattform im Bereich der Lebertransplantation auf den Weg gebracht habe, werde nun ein weiteres telemedizinisches Tool in der Tiroler Herzchirurgie implementiert. Das Projekt folge jedenfalls dem Grundsatz "digital vor ambulant vor stationär", erklärte die Landesrätin.

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER