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Die Umsetzung mit rund 100 Ausstellungsstücken ist ein Gemeinschaftsprojekt der Antikensammlung und der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung. Bei beiden sei es Jahre her, dass sie "bedeutende Ausstellungen" gezeigt hätten, befand Fine am Montag in einem Pressegespräch. Umso mehr freue ihn nun das Ergebnis. Mit einer "dramatischen Familiengeschichte", einem ungewöhnlichen Grab und einem Skelett, das nach wie vor Rätsel aufgibt, scheinen alle Zutaten für einen fesselnden Whodunit-Fall bereitzuliegen. In der Vermittlung setzt man jedenfalls auf das Spannungselement: Burgschauspielerin Dörte Lyssewski und Angelika Lang haben eine Art Hörspiel für Audioguides eingesprochen.
Im Rahmen der vor rund 130 Jahren begonnenen österreichischen Ausgrabungen in der antiken Metropole Ephesos stießen Forscher 1929 auf ein Skelett. Der Auffindungsort legte einen Grundstein für spätere Spekulationen, da sich die Gebeine in einer an die damalige ägyptische Architektur erinnernden achteckigen Grabstätte befanden. Jahrzehntelang hielt sich die Theorie, dass Arsinoë in Ephesos begraben worden sei, nachdem sie nach einem verlorenen Machtkampf mit ihrer heute ungleich bekannteren älteren Schwester Kleopatra zuerst ins Exil in das Artemis-Heiligtum verbannt und dann - mitunter im Auftrag von Kleopatra - ermordet wurde. Jüngere Untersuchungen machten dieser verlockenden Story allerdings einen Strich durch die Rechnung, denn DNA-Analysen von Wiener Forschern kamen zu dem Schluss, dass es sich wohl um die Überreste eines jungen Buben handelt. Für die Ermordung an sich gibt es mehrere schriftliche Quellen, aber kein verbrieftes Dokument.
"It's a boy", nahm Georg Plattner vom fünfköpfigen Kuratorenteam bei der Präsentation selbst Bezug auf die - in den Vorbereitungszeitraum der Ausstellung gefallene - Widerlegung der Arsinoë-Theorie. Für die Schau selbst spiele das aber keine weitere Rolle. "Wir wollen uns ja nicht mit dem Skelett beschäftigen, sondern mit der Epoche." Und tatsächlich dient der historische Mordfall mehr als catchy Aufhänger denn als narrativer roter Faden.
An vorderster Stelle wird die politische und kulturelle Gemengelage im östlichen Mittelmeerraum im späten 1. Jahrhundert v. Chr. aufgerollt, die vom Kampf um die Vorherrschaft in Ägypten geprägt war. Kleopatra saß dort am Thron und versuchte durch strategische Bündnisse mit römischen Machthabern, die Eroberung durch das aufstrebende Imperium Romanum zu verhindern. Gemeinsam mit Julius Caesar besiegte sie ihre Schwester und Gegenspielerin Arsinoë, nach dessen Ermordung (44 v. Chr.) machte sie mit Marc Anton gemeinsame Sache. Die beiden unterlagen dann Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, begingen Selbstmord und besiegelten damit das Ende der ptolemäischen Herrschaft über Ägypten.
Im Weltmuseum wird die Ptolemäerdynastie ebenso ausgeleuchtet wie die Rolle der prunkvollen Stadt Ephesos im Machtgefüge zwischen Ägypten und Rom oder jene des Polit- und Handelszentrums Alexandria mit seinem bekannten Leuchtturm, dessen achteckige Form die These des Arsinoë-Grabmals zusätzlich nährte. Die wichtigen Player der Zeit und die Frage, wie die Eroberung Ägyptens schließlich in der Kultur, Architektur und in Bildnissen der Machtinszenierung ihre Spuren in Rom hinterließ, sind weitere Schwerpunkte.
Erzählt wird das alles anhand von Skulpturen, Mumienporträts, Handschriften und prunkvollen Kameen, die sich je rund zur Hälfte aus dem eigenen Bestand und aus Leihgaben speisen. Als Highlights nannte Fine etwa die Porträtköpfe Caesars und Kleopatras, beides Leihgaben der Staatlichen Museen zu Berlin, oder die sich in den eigenen Schätzen befindliche "Gemma Augustea" - ein wenige Jahre nach Christi Geburt hergestelltes Meisterwerk antiker Steinschneidekunst, das Augustus in Gesellschaft von Mitgliedern der kaiserlichen Familie und inmitten von Gottheiten zeigt und das der Herrscher damals wohl persönlich in Händen gehalten hat.
Ebenfalls Teil des KHM-Bestands sind zwei Säulen und ein Teil des Dachgebälks jenes Oktogons, in dem vor rund 100 Jahren die ominösen Gebeine gefunden wurden. Sie konnten freilich nicht ins Weltmuseum Wien verfrachtet werden, weshalb dort nur eine digitale Rekonstruktion die Besucherinnen und Besucher begrüßt. Wer das Original sehen möchte, darf dem ebenfalls in der Neuen Burg untergebrachten Ephesos-Museum einen Besuch abstatten. Das Ausstellungsticket gilt auch für diesen KHM-Standort.
(S E R V I C E - Ausstellung "Tatort Ephesos. Kleopatra in Rom" im Weltmuseum Wien, von Dienstag bis 29. März 2027; https://www.khm.at/ausstellungen/tatort-ephesos )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/KHM Museumsverband
