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Man brauche vor allem "ein Kontinuum für die Patienten, die wir betreuen", erklärte der Wiener Internist Felix Keil. Das heißt, dass Erkrankte von der Diagnose bis zur Rehabilitation einen konkreten Fahrplan bekommen und zwischen den Krankenanstalten über wesentliche Behandlungsschritte ausführlich informiert werden sollen. GÖG-Abteilungsleiterin Karin Eglau stellte indes die Ausweitung von sogenannten "cancer nurses" in Aussicht - also diplomierte Pflegepersonen, "die sich speziell in der onkologischen Versorgung weiterentwickeln". Auch Kommunikationstrainings für Onkologie-Fachleute und die Dokumentation der Patientendaten sollen ausgebaut werden.
Die Zahl der Krebsdiagnosen in Österreich ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen, wie auch die Statistik Austria am Donnerstag bestätigte. Anfang 2025 seien hierzulande rund 409.000 Menschen betroffen gewesen. Zu erklären sei die Entwicklung einerseits durch die Alterung der Bevölkerung, andererseits durch die steigenden Überlebenschancen. Mitte Jänner prognostizierte die Statistik Austria noch einen jährlichen Anstieg der Krebsneuerkrankungen auf mehr als 56.000 bis zum Jahr 2045.
Auf die Frage nach einer Überlastung der Onkologie-Abteilungen verwies Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) auf eine aktive Krebsprävention, die ebenfalls Bestandteil des Krebsrahmenprogramms 2026 bis 2035 ist: "Wir müssen schauen, dass Krebs nicht entsteht. Das ist eine Vorsorgefrage." Viele Erkrankungen seien vermeidbar, "durch Bewegung, gesunde Ernährung, Rauchstopp und durch informierte Entscheidungen". Auch moderne Therapien würden "mit Ernährung und Bewegung besser", ergänzte der Wiener Facharzt Keil. Das sei "ganz evident".
Dennoch wisse man von aktuellen "Schwachstellen" in den öffentlichen Krankenanstalten, gestand die Ressortchefin ein. "Natürlich ist die Frage des Zurückbringens der Privatisierung im Gesundheitssystem eine wesentliche", so Schumann. "Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie wir die Berufsbilder auch neu aufstellen können". Neben der Prävention sei ebenfalls die Früherkennung ausschlaggebend, die etwa durch "die Weiterentwicklung organisierter Screening-Programme" vorangetrieben würde.
Krebs sei heute eine oft gut behandelbare chronische Krankheit, so GÖG-Expertin Eglau, "und die Leute leben 20, 30 Jahre mit ihrer Krebserkrankung". Deswegen sei auch eine entsprechende Nachversorgung wesentlich. Beispielsweise mit der Pilotierung des Survivorship-Passports für Kinder nach einer Krebserkrankung stünden nun neue Wege in der strukturierten Nachsorge offen.
Ein wenig Kritik kam seitens der "Allianz onkologischer PatientInnenorganisationen". Viele ihrer Forderungen hätten zwar den Weg ins Rahmenprogramm gefunden, aber "man muss sich nicht daran halten", so Obfrau Anita Kienesberger. In anderen EU-Ländern gebe es dagegen nationale Krebspläne, die "bindend" sind. Dennoch sieht das Gesundheitsministerium Erfolge im ersten Krebsrahmenprogramm von 2014 bis 2025 - darunter das Gastronomie-Rauchverbot, die Gründung des Screening-Komitees für Krebserkrankungen oder die Aufnahme der HPV-Impfung in den hiesigen Impfplan.
