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Österreich hat sich jedoch - noch ambitionierter als die EU - die Klimaneutralität bis 2040 verordnet. "Netto Null - wie kommen wir auf Kurs?", lautete der Titel der Veranstaltung, und dafür gab es viele Ideen, die aber meist auf eine Abkehr vom bisherigen politischen Kurs hinauslaufen. So zeigte sich Christopher Lamport vom für Klima- und Umweltschutz zuständigen Landwirtschaftsministerium optimistisch, dass die an dem Abend von Sebastian Spaun, dem Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, "pronto" geforderte Abkehr vom bisherigen Verbot von Carbon Capture and Storage (CCS), dem Abscheiden und Speichern von CO2, bald beschlossen werde.
Weniger rasch dürfte es laut Lamport beim vielfach geforderten Streichen von klimakontraproduktiven Subventionen ("da ist noch ein weiter Weg dahin", auf dem nun eine Arbeitsgruppe zumindest erste Schritte zurücklege) oder beim seit langem ausständigen neuen Klimagesetz gehen: "Wir warten schon lange darauf, aber ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange wir weiter warten müssen." Dass jede weitere Wartezeit eine verlorene und nicht eine gewonnene Zeit sei, darüber waren sich freilich alle einig.
"Es braucht einen politischen Konsens, dass die Transformation kommen soll", sagte Spaun. "Es fehlen uns die Vision und der Bauplan!" In Spauns Vision transportieren eigene Pipelines ("ohne die geht es nicht") CO2 von den Großemittenten direkt in Lagerstätten: "Darauf muss man die Gesellschaft vorbereiten." In der Zementindustrie sei die Transformation voll im Gange, es fehle jedoch an Unterstützung und entsprechenden Rahmenbedingungen. Das Ziel sei die Halbierung der Primärrohstoffe bis 2040. Er frage sich, ob den Menschen die Größenordnung, von der man spreche, bewusst sei: "50 Prozent von allem, was wir in der Welt an Materialien produzieren, ist Beton!"
"Unsere Not ist, dass unsere technischen Lösungen keine Nachfrage finden", beklagte Tobias Pröll vom Institut für Verfahrens- und Energietechnik der Boku. "Die Hoffnung, dass global etwas beschlossen wird, das uns rettet, ist naiv", fasste er die ernüchternden Ergebnisse der letzten Weltklimakonferenzen zusammen. Es brauche einen Paradigmenwechsel in der Schuldzuweisung von "die Industrie und China" zu "Ich und Du". Entsprechend sollten die Konsumenten durch einen CO2-Aufschlag für klimaschädliche Produkte mehr zahlen. Dadurch würden auch Reiche, die tendenziell eine umweltschädlichere Lebensweise hätten, mehr zahlen, und es käme zu einem notwendigen Umverteilungseffekt, denn Klimaschutz müsse nicht nur global, sondern auch sozial sein.
Den Aspekt der sozialen Abfederung hob auch Alina Brad hervor. "Wenn Klimapolitik als Belastung wahrgenommen wird, ist sie besonders anfällig für politischen Widerstand." Dabei liege gerade in nachfrageseitigen Maßnahmen viel Potenzial. Der klimapolitische Backlash, der international wie national seit einigen Jahren spürbar sei, spiegle jedoch keinen Stimmungswandel unter den Menschen wider, meinte die Politikwissenschafterin. Umfragen zeigten, dass der Klimaschutz weiterhin hohe Priorität in der Bevölkerung genieße.
KLANXBÜLL - DEUTSCHLAND: ++ ARCHIVBILD ++ (ARCHIVBILD VOM 16.12.2025) - FOTO: APA/APA/dpa/Christian Charisius
