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Der am Dienstag vorgestellte dritte Bericht zum Zustand von CDR ("The State of Carbon Dioxide Removal") unterstreicht, dass das Schließen der Lücke nur über ein schnelles Wachstum des Bereiches zu schaffen wäre - mit Wachstumsraten wie jenen der Solarenergie und bei Elektroautos. Skalierung und das Schaffen einer Nachfrage seien zentral. Aber CO2-Entnahmepolitik ist nach wie vor "ein Stückwerk", sagte Elina Brutschin vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (NÖ), Leitautorin des Kapitels zu "Governance", bei einem Briefing des Science Media Centers (SMC) Deutschland.
In dem 2023 erschienenen ersten CDR-Bericht kam man bereits zum Schluss, dass die Möglichkeiten der Kohlendioxidentnahme massiv ausgebaut werden müssten. Jährlich würden nur zwei Mrd. Tonnen CO2 abgeschieden - bei einem Ausstoß von fast 40 Mrd. Tonnen. Mit dem nun schon dritten Bericht legen Experten unter Leitung der University of Oxford, der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und zweier US-Hochschulen eine aktualisierte weltweite Bestandsaufnahme vor.
CDR ist "kein reines Zukunftsthema", sagte Oliver Geden vom SWP: "Ohne CO2-Entnahme gibt es kein Netto-Null." Nachdem die Emissionen seit dem zweiten Bericht aus 2024 weiter angestiegen sind, so ist auch die CDR-Lücke gewachsen. Eine Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels sei zudem sehr wahrscheinlich, so Geden. Die Temperatur könne man dann nur wieder mit einem "Netto-Negativ-Ziel" zurückbringen - über CO2-Entnahme.
Mit Blick auf die CDR-Zusagen, die die Unterzeichner-Staaten des Pariser Klimaabkommens versprochen haben, würden sich diese zwar bis 2050 kontinuierlich leicht erhöhen. Doch vergleicht man dies mit Szenarien für das 1,5-Grad-Ziel bis Mitte des Jahrhunderts oder mit einer nachträglichen Zielerreichung, steigt die Relevanz von CO2-Entnahme über die Zeit drastisch an.
Primäres Ziel ist und bleibt, so der wieder vorangestellte Experten-Tenor, die klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren, um der Erderwärmung entgegenzuwirken. CDR sei für die Restemissionen da. Es meint dabei menschliche Maßnahmen, "mit denen CO2 der Atmosphäre entzogen und in geologischen, terrestrischen oder ozeanischen Reservoirs oder in Produkten gespeichert wird", heißt es im Bericht. Die Gesamtentfernung betrage derzeit 2,2 Mrd. Tonnen CO2 pro Jahr. Das entspricht 5 Prozent der Brutto-CO2-Emissionen. Dabei erfolge die CO2-Entfernung zu einem Anteil von 99,9 Prozent und damit fast ausschließlich über konventionelle Maßnahmen wie Aufforstung und Wiederaufforstung.
Neuartige CDR-Maßnahmen, darunter vor allem sogenannte Biokohle und BECCS-Technologie (Bioenergy with Carbon Capture and Storage), machen mit 0,1 Prozent nur "einen winzigen Bruchteil der gesamten CO2-Entfernung aus", hieß es. Sie tragen etwa 2 Mio. Tonnen pro Jahr bei. Viele Methoden stecken laut Geden noch in Entwicklung - auch wenn der Bereich mit rund 40 Prozent pro Jahr stark wächst. Man geht davon aus, dass die bisherigen Projekte sowie jene, die sich im Bau befinden, im Jahr 2030 eine Kapazität von 8 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr erreichen werden.
Auch wenn ein gewisses Momentum für CDR spürbar sei, etwa Fördermittel für Forschung, Pilotprojekte und Start-ups wachsen und die CDR-Investitionen einen Anteil von 3 Prozent der Gesamtinvestitionen im Bereich der Klimatechnologien ausmachen, sei der Bereich "fragil". Denn: In den vergangenen Jahren sind laut dem Bericht nur 20 Prozent der geplanten Kapazität umgesetzt worden. Nur wenige Länder fokussieren derzeit auf CDR. Gleichzeitig hängen künftige Investitionen in die Technologien auch von der erwarteten Nachfrage ab.
"Wir können uns nicht auf eine einzige Methode zur CO2-Entnahme verlassen", sagte PIK-Forscherin und Mitautorin Sabine Fuss: "Konservative Schätzungen gehen für einzelne Methoden von Potenzialen von jeweils etwa einer Milliarde Tonnen CO2 pro Jahr aus. Deshalb brauchen wir einen breiten Mix verschiedener Ansätze, die zu unterschiedlichen Regionen und Anwendungen passen." Dem gegenüber stünden bisweilen hohe Kosten, besonders bei neuartigen Technologien. Konkrete Abschätzungen seien durch limitierte Daten kaum möglich. "Solange wir keine großskaligen Piloten haben, sind verschiedene Dinge - nicht nur Kosten und Potenziale, sondern auch Nebenwirkungen - schwer abschätzbar", so Fuss.
In einem jüngst erschienenen Artikel im Fachblatt "Nature" verwiesen Forschende um den IIASA-Klimaforscher Thomas Gasser auf das Potenzial von temporären CDR-Technologien und der vorübergehenden CO2-Entfernung insbesondere auf Hinblick von kurzlebigen Klimaschadstoffen wie Methan, wie sie etwa im Agrarsektor dominieren. Auch so könne man zur Klimaminderung beitragen.
Es gehe darum, von Anfang an schon "in einem Portfolio zu denken" und eine robuste Zusammensetzung von CO2-Entnahmetechniken zu finden, sagte Sabine Fuss. Nur über konventionelle Methoden gehe es nicht, da hier CO2 nicht dauerhaft gespeichert wird. "Wir erleben bereits den Klimawandel. Da kann natürlich so ein Waldbrand schnell CO2 auch wieder entlassen. Das heißt, wir brauchen auch diese teureren Optionen im Portfolio, und die Kosten können natürlich auch nur herunterkommen, wenn man in diese Technologien investiert", so die PIK-Forscherin.
Bei der Analyse der "Entnahmepolitik" in G-20-Staaten, auf die sich IIASA-Forscherin Elina Brutschin mit Kollegen konzentrierte, zeigten sich auch Verschiebungen: So seien die USA unter der Klimapolitik von Präsident Donald Trump "vom Vorreiter zum Unsicherheitsfaktor" geworden. Diese Schwäche könnten positivere Entwicklungen in anderen Ländern wie der Schweiz oder Deutschland nicht ausgleichen.
Der verbreitete Mangel an verbindlichen CDR-spezifischen Zielen der Politik auf nationaler Ebene hemme eben auch "ein starkes Signal" für die längerfristige Nachfrage. Das Netto-Entnahmeziel der EU sei "wirklich das einzige rechtsverbindliche quantitative Ziel im Landsektor". Der Markt brauche Regulierungsstabilität, um sich gut zu entwickeln. Gleichzeitig stelle sich die Frage: "Wie kann man verhindern, dass CDR die Emissionsminderung nicht verdrängt?", so die Forscherin. Hier gebe es verschiedene Ansätze.
(S E R V I C E - "The State of Carbon Dioxide Removal" https://www.stateofcdr.org/ ; IIASA-Studie in "Nature": https://www.nature.com/articles/s41586-026-10607-3 )






