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"Trotz Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Zwischenfälle (Sekundärprävention; Anm.) erleiden 5,1 Prozent der Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall (Thrombusbildung im Gehirn; Anm.) oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA; oft als Vorstufe zu einem Schlaganfall bezeichnet; Anm.) innerhalb eines Jahres einen (erneuten) Schlaganfall. Fünf Jahre nach einem leichten Schlaganfall oder einer TIA sind etwa 22 Prozent der Überlebenden verstorben oder behindert", schrieben am Donnerstag Mukul Sharma von der McMaster Universität in Hamilton in der kanadischen Provinz Ontario und Co-Autoren, darunter auch Michael Knoflach von der MedUni Innsbruck (Neurologie), im "New England Journal of Medicine" (DOI: 10.1056/NEJMoa2513880).
Zumeist bekommen die Patienten nach einem ersten Schlaganfall oder einer transitorisch ischämischen Attacke Arzneimittel zur Hemmung der Fähigkeit der Blutplättchen, sich zu einem Gerinnsel zusammenzuballen (Thrombozytenaggregationshemmer). Bei einer häufig verwendeten Doppelstrategie mit zwei unterschiedlichen Medikamenten sei aber das Risiko für Blutungen hoch, schrieben die Fachleute. Langfristig bleibe es oft bei der Verwendung eines der sogenannten Thrombozytenaggregationshemmer, was die Gefahr eines weiteren Akutereignisses nicht gänzlich bereinigt.
In den vergangenen Jahren, so die Autoren, wurde allerdings die Rolle des Blutgerinnungsfaktors XI genauer untersucht. Ein Mangel daran ist mit einer geringeren Gefährdung durch Schlaganfälle infolge von Blutgerinnseln im Gehirn verbunden. Daraufhin wurde mit dem Wirkstoff Asundexian eine Substanz entwickelt, welche bei täglich einmaliger Einnahme von 50 Milligramm diesen Blutgerinnungsfaktor blockiert.
Im "New England Journal of Medicine" sind jetzt die Ergebnisse einer großen Wirksamkeitsstudie der Phase III mit der Substanz erschienen. 12.327 Patienten nach einem ischämischen Schlaganfall oder einer vorübergehenden akuten Durchblutungsstörung im Gehirn bekamen innerhalb von 72 Stunden nach der potenziell lebensgefährlichen Erkrankung zusätzlich zu den üblichen Medikamenten auch noch die Tabletten mit Asundexian (6.162 Probanden) oder ein Placebo. Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 68 Jahren, die mittlere Beobachtungszeit betrug 567 Tage.
Unter der zusätzlichen neuen Therapie kam es bei 6,2 Prozent der Patienten zu einem weiteren Schlaganfall. In der Placebo-Gruppe war das bei 8,4 Prozent der Fall, was einer Risikoreduzierung um 26 Prozent entsprach. Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Ursachen (Herzinfarkt, Schlaganfall) gab es während der Beobachtungszeit in der Asundexian-Gruppe mit einer Häufigkeit von 9,2 Prozent, in der Placebo-Gruppe bei 11,1 Prozent der Studienteilnehmer, was einer ebenfalls statistisch signifikanten Verringerung der Häufigkeit um 17 entsprach. Die Gesamtsterblichkeit (alle Ursachen, Herzinfarkt, Schlaganfall) reduzierte sich von 12,3 Prozent auf 10,5 Prozent. Das Blutungsrisiko war mit jeweils etwas unter zwei Prozent in beiden Gruppen fast gleich.
Die Wissenschafter in ihrer Zusammenfassung: "In dieser placebokontrollierten Studie hatten Patienten mit nicht-kardioembolischem ischämischem Schlaganfall (kein Schlaganfall durch ein aus dem Herzen stammendes Blutgerinnsel; Anm.) oder TIA mit hohem Risiko, die Asundexian in Kombination mit einer Thrombozytenaggregationshemmung erhielten, ein geringeres Risiko für einen nachfolgenden ischämischen Schlaganfall. Dabei gab es keine höhere Gefährdung für einen hämorrhagischen Schlaganfall (Gehirnblutung; Anm.) oder sonstige schwere Blutungen als bei denjenigen, die nur mit einer Thrombozytenaggregationshemmung behandelt wurden."
++ THEMENBILD ++ Illustration zu den Themen Labordiagnostik / Blutabnahme / Medizin / Labor / Diagnose / Gesundheit / Vorsorge; aufgenommen am Dienstag, 04. Oktober 2023, in einem Labor in Wien. Ob Gesundenuntersuchung, OP-Vorbereitung oder bei speziellem Krankheitsverdacht: 75 Prozent aller Diagnosen werden mithilfe von Laboruntersuchungen gestellt.





