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Mammografie kann auf Herzgefahr hinweisen

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++ ARCHIVBILD ++ Mammografie: Die häufigste bildgebende Früherkennungsuntersuchungen
©APA, dpa, Hannibal Hanschke
Mammografien sind die häufigsten bildgebenden Früherkennungsuntersuchungen - in diesem Fall auf Brustkrebs. Doch sie könnten durch neueste Forschungen noch einen bedeutenden Zusatznutzen erhalten: Warnungen vor Atherosklerose. Ein in den USA entwickeltes KI-System kann Verkalkungen in den Arterien der weiblichen Brust quantifizieren und auf mögliche Probleme hinweisen.

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Im Fachmagazin der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC; "European Heart Journal") ist vor kurzem eine wissenschaftliche Arbeit erschienen, welche die Bedeutung der Mammografie deutlich erhöhen könnte.

"Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bei Frauen häufig nicht diagnostiziert und unzureichend behandelt. Die automatische Quantifizierung der Brustarterienverkalkung (BAC) in der Screening-Mammografie kann Frauen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen identifizieren", schrieben Theodorus Dapamede (Abteilung für Radiologie der Emory Universität in Atlanta/US-Bundesstaat Georgia) und seine Co-Autoren.

Die Wissenschafter werteten die Daten von 123.762 Frauen aus, die sich in zwei US-Gesundheitssystemen (Emory Healthcare und Mayo Clinic) Mammografie-Untersuchungen zur Brustkrebs-Früherkennung unterzogen hatten. Mit einem KI-unterstützten System wurden Verkalkungen der Arterien der untersuchten Brust quantifiziert und in vier Kategorien eingeteilt: keine Verkalkungen, leichte Verkalkungen (bis zehn Quadratmillimeter), mittelgradig (zehn bis 25 Quadratmillimeter) und schwer (mehr als 25 Quadratmillimeter).

Der Beobachtungszeitraum betrug sieben Jahre. In dieser Zeit wurden aufgetretene Herzinfarkte, Schlaganfälle, chronische Herzschwäche und Todesfälle infolge von Herzerkrankungen mit den Daten aus den Mammografien korreliert. Die akuten Ereignisse werden in der Fachsprache der Kardiologen als MACE - schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse - zusammengefasst.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine Mammografie mit der Auswertung der atherosklerotischen Veränderungen in den Arterien der Brust einen zusätzlichen Hinweis auf ein Herz-Kreislauf-Risiko geben kann: Leichte Verkalkung bedeutete im Vergleich zu keinen Gefäßveränderungen ein um 28 bis 32 Prozent erhöhtes Risiko für solche potenziell lebensgefährlichen akuten Erkrankungen. Moderate Verkalkungen steigerten die Gefährdung bereits um 75 bis 79 Prozent. Schwere Verkalkung verdreifachte das Risiko.

In Österreich werden pro Jahr etwa 840.000 Mammografien im Rahmen des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms für Frauen (der Fokus liegt auf Frauen im Alter zwischen 45 und 75 Jahren) durchgeführt. "Diese Altersgruppe hat das größte Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, aber nur 41 Prozent davon nutzen derzeit die Mammografie zur Früherkennung", schreibt dazu das Gesundheitsministerium.

Laut den US-Wissenschaftern könnte das Erkennen eines zusätzlichen Herz-Kreislauf-Risikos den Wert der Untersuchungen noch deutlich steigern. In den USA liegt die Mammografie-Beteiligungsrate zwar bei rund 70 Prozent. Doch über ihre Cholesterinwerte im Blut als extrem wichtige Parameter wissen dort nicht einmal 40 Prozent der Frauen Bescheid.

BERLIN - DEUTSCHLAND: ++ ARCHIVBILD ++ (ARCHIVBILD VOM 25.2.2022) - FOTO: APA/APA/dpa/Hannibal Hanschke

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