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Kritik an Qualitätssicherung bei offiziellen Schul-Lernapps

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Lernapps sollen die Inhalte der Schulbücher ergänzen
©DPA-ZENTRALBILD, FERNANDO GUTIERREZ-JUAREZ, APA
Ab Herbst 2026 sollen Schulen erstmals auf einer Plattform des Bildungsministeriums qualitätsgesicherte digitale Lernprogramme kaufen können, der Probebetrieb für den "Marktplatz Lernapps" startet nach den Semesterferien. Beim Österreichischen Bundesverlag Schulbuch ÖBV warnt man nun, dass die Zulassungskriterien nicht streng genug seien und auch Bildungsmedien mit inhaltlichen Mängeln zugelassen werden könnten. Das Bildungsressort schließt "gravierende fachliche Fehler" aus.

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Eigentlich sei der neue "Marktplatz Lernapps" für die Mittelschulen, AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) "eine sehr erfreuliche Nachricht", betonte ÖBV-Geschäftsführer Philipp Nussböck gegenüber der APA. Immerhin hätten die Schulbuchverlage schon seit Jahren eine sinnvolle Finanzierung digitaler Bildungsmedien gefordert. Allerdings müssten für digitale Bildungsmedien dieselben Qualitätsanforderungen gelten wie für gedruckte.

Bei Schulbüchern wird derzeit in einem aufwendigen Approbationsprozess von oft eineinhalb Jahren geprüft, ob die Inhalte stimmen und mit dem Lehrplan vereinbar sind. Erst dann können sie kostenfrei von den Schulen bestellt werden. Am neuen "Marktplatz" stünden diese Kriterien allerdings auf einer Stufe mit Merkmalen wie Personalisierung oder Berührungs- und Bewegungsintensität, kritisiert Nussböck. Eine App, bei der man etwa die Hintergrundmusik anpassen kann, könne dadurch auch dann auf die benötigten Punkte kommen, wenn sie inhaltlich nicht korrekt bzw. nicht mit den Lehrplänen vereinbar sei. "Das ist aus meiner Sicht inakzeptabel."

Im Bildungsministerium verteidigt man das Zulassungsverfahren gegenüber der APA. Durch die Gewichtung der diversen Kriterien könne eine App mit "gravierenden fachlichen Fehlern" das Verfahren nicht erfolgreich abschließen, wird betont. Um beim "Marktplatz Lernapps" abrufbar zu sein, muss die Anwendung laut Ressort mindestens 65 Prozent der möglichen Punkte und mindestens die Hälfte der Punkte in allen drei Hauptkategorien erreichen. Dass die in der App präsentierten Inhalte, Beispiele und Konzepte fachlich korrekt sind, werde dabei in der Kategorie "Pädagogische/didaktische Konzepte" gezielt abgefragt.

Für ÖBV-Chef Nussböck bleibt allerdings ein "nicht verständliches Ungleichgewicht", wenn digitale Bildungsmedien geringere Anforderungen erfüllen müssen, damit der Staat die Kosten übernimmt. "Es ist wichtig, dass für gedruckte und digitale Bildungsmedien dieselben Vorgaben gelten", forderte er. Das könne auch durchaus bedeuten, dass der Approbationsprozess für Schulbücher vereinfacht wird. Es müsse jedenfalls weiterhin angemessen geprüft werden, dass vom Staat finanzierte Materialien inhaltlich korrekt sind und zu den Lehrplänen passen.

Für die Allianz Bildungsmedien, einem Zusammenschluss von klassischen Schulbuchverlagen und Anbietern digitaler Bildungsmedien, sind die Kriterien hingegen "grundsätzlich richtig gesetzt". Die Qualitätssicherung sei beim "Marktplatz Lernapps" "bewusst niederschwelliger". Die Verantwortung werde stärker zu Schulen und Lehrkräften verlagert, das stärke die Schulautonomie und den Spielraum der Pädagogen, hieß es zur APA. Außerdem seien die Lernapps am "Marktplatz" ausdrücklich als Zusatzangebote für Selbstlernphasen gedacht und nicht als vollständiger Ersatz für Lehrwerke, die den gesamten Lehrplan abdecken. Unabhängig davon sei aber klar: "Gravierende fachliche Fehler dürfen keinen Platz haben", die Qualitätskriterien müssten deshalb laufend beobachtet und weiterentwickelt werden.

"Langfristig" fände man auch in der Allianz Bildungsmedien vergleichbare Qualitätsanforderungen und Approbationsverfahren sinnvoll. Dieses müsste dann allerdings einfacher, transparenter und schneller sein, damit pädagogisch aktuelle Inhalte schneller in den Unterricht kommen und Schulen wie Anbieter mehr Autonomie bekommen. Den "Marktplatz Lernapps" sieht man in der Allianz als sinnvolle Übergangslösung, bis digitale Bildungsmedien vollständig in die Schulbuchaktion integriert werden. ÖBV-Geschäftsführer Nussböck warnte unterdessen, dass der "Marktplatz Lernapps" nicht dazu führen dürfe, dass weniger Geld für die Schulbuchaktion bleibt.

Mit dem "Marktplatz Lernapps" gibt es laut Ministerium erstmals ein klares Finanzierungsmodell für digitale Bildungsmedien: Je nach Zahl der Schülerinnen und Schüler bekommt der Standort einen Förderbetrag, der für die Lernprogramme im digitalen Warenkorb ausgegeben werden kann. Geht es nach dem Ministerium, soll die Maßnahme mehr individualisiertes und KI-gestütztes Lernen an den Schulen ermöglichen und weniger Nachhilfe nötig machen.

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