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Im Rahmen des "COIN 2.0"-Projektes arbeitet eine Gruppe unter der Leitung von Birgit Bednar-Friedl vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz an der Abschätzung der "gesellschaftlichen Kosten des Nicht-Handelns" angesichts der fortschreitenden Auswirkungen des Klimawandels. Mit an Bord ist federführend auch das Umweltbundesamt und zehn weitere Forschungseinrichtungen, wie es bei der Präsentation erster Erkenntnisse beim Klima- und Energiefonds in Wien hieß.
Die Arbeit setzt auf dem Projekt "COIN - Costs of Inaction" auf, das unter Führung von Karl Steininger (ebenfalls Uni Graz) im Jahr 2015 abgeschlossen wurde. Finanziert wird der Nachfolger vom Klimafonds, der Arbeiterkammer und dem Sozialministerium. Die Berechnungen von vor über zehn Jahren seien jedenfalls nur bedingt mit den aktuellen vergleichbar, da man nun neue Datenquellen erschließen konnte. Deutlich zeigt sich jedenfalls ein markanter Aufwärtstrend. So werde auch klar, dass das gerne als eine Art spezieller "Ausreißer" betitelte Jahr 2026 nicht wirklich ein solcher ist. Bednar-Friedl: "Der heurige Sommer war kein Ausnahmesommer."
So waren vor allem die Jahre 2021, 2023 und 2024 bereits sehr "schadensintensiv", wie die Studie zeigt, in der seit Beginn der Erfassung der hitzebedingten Übersterblichkeit (ab 2017) auch dem vorzeitigen Ableben ein monetärer Wert zugeordnet wird. Mit 3,9 Mio. Euro pro ausfallendem Lebensjahr pro hitzebedingt verstorbener Person habe man sich an einschlägigen internationalen Studien und üblichen Definitionen orientiert, jedoch eine "sehr konservative Schätzung" angenommen. Man rechne hier nichts künstlich hoch, betonte man vor Journalisten.
Neben der Übersterblichkeit, die im Schnitt ab 2017 mit jährlich rund 2,7 Mrd. Euro zubuche schlägt, kam man in punkto direkte Schadenskosten durch Trockenheit, Hitze und Extremereignisse in der Landwirtschaft oder an Gebäuden und Infrastruktur auf rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Die ermittelten Jahresschäden decken sich auch mit Befunden aus internationalen Referenzdatenbanken, wie jener der deutschen Rückversicherung MunichRe - einem Versicherungskonzern, bei dem viele Forderungen nach klimawandelbedingten Schäden aufschlagen. Frappant ist die Häufung von Jahren mit besonders hohen Summen im Zeitraum ab 2020 - mit dem Höchstwert von knapp über sechs Milliarden Euro im letzten ausgewerteten Jahr 2024.
Wie es seither weiter gegangen ist, lasse sich noch nicht seriös sagen, wie Bednar-Friedl und der für die Schadenskostenerhebung im Rahmen des Projekts verantwortliche Experte Markus Leitner vom Umweltbundesamt erklärten. Dass viele Daten erst mit gehörigem Zeitverzug einlangen, deren Zuordnung etwa zu Extremwetterereignissen oft schwierig sei und überhaupt "zersplitterte Zuständigkeiten" die Berechnungen erschweren, mache genauere Schätzungen schwierig. Der Trend sei aber klar: Selbst wenn etwa Verluste im Tourismus bei Schneemangel, sich langsamer entwickelnde negative Effekte in Ökosystemen und wirtschaftliche Produktivitätsverluste bei Hitze nicht in den Analysen enthalten sind.
Blickt man auf das verheerende Hochwasser im Herbst 2024, werden dessen tatsächliche Kosten kaum exakt abgebildet. So ersetzt nämlich der Katastrophenfonds nur bestimmte Prozentsätze von Schäden und Haushaltsversicherungen - wenn vorhanden - übernehmen auch nicht die realen Verluste Betroffener. Da man nicht versicherte Schäden aber nicht berechnen könne, "sind wir hier eher am Unterschätzen", sagte Leitner.
Je genauer die Datenlage und Schadensanalyse erfolgt, desto besser könne man sich als Gesellschaft an die Folgen des Klimawandels anpassen: Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen auch eindrücklich, dass ein Nichts-Tun deutlich teurer kommt, als mitunter kostspielige Anpassungsmaßnahmen. In diese Richtung geschehe vor allem regional schon viel, sagte Bednar-Friedl, manch großer Posten werde aber noch nicht angegangen. So etwa das Ausstatten vom Gebäudealtbestand wie Schulen mit Hitzeschutz oder Arbeitsschutzmaßnahmen für Beschäftigte in vulnerableren Branchen vom Bau bis zur Pflege.
Leitner betonte auch beim Blick in die Zukunft - im kommenden Jahr folgen noch Berechnungen in Richtung 2050 und 2080 -, dass man sich die Grenzen der Klimawandelanpassung vor Augen führen müsse und es ebenso Änderungen im Wirtschaftssystem braucht. Anpassung und Klimaschutz müssten eben gemeinsam gedacht und umgesetzt werden, betonten die Forschenden. Denn die Analyse bis 2024 habe gezeigt, dass sich die klimawandelbedingten Schäden tendenziell schneller ausweiten, als man noch vor über zehn Jahren gedacht hat.
(S E R V I C E - Informationen zum Forschungsprojekt und bisher erarbeitete Berichte: https://www.klimafonds.gv.at/publikation/coin-2-0/ , www.klimafonds.gv.at/ueber-coin-2p0 , https://coin2.ccca.ac.at/ )
