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Als Beispiele für die auffällige Zunahme von Wanderfaltern, die sonst nur relativ selten in Österreich nachgewiesen werden, nannte Höttinger den Kardinal, den Großen und Kleinen Wanderbläuling sowie den Pelargonien-Bläuling. "Alleine durch die App 'Schmetterlinge Österreichs' haben wir in den vier Bundesländern Vorarlberg, Kärnten, Niederösterreich und Wien die ersten Nachweise des Pelargonien-Bläulings erbringen können", so der Schmetterlingsforscher.
Die von der Stiftung "Blühendes Österreich" und der Umweltbewegung "Natur im Garten" getragene Aktion "Schmetterlinge Österreichs" zählt zu den reichweitenstärksten Citizen Science-Projekten in Österreich. Im Zentrum steht eine App, über die Fotos von beobachteten Schmetterlingen hochgeladen werden können. Seit dem Vorjahr macht die Beta-Version einer Künstlichen Intelligenz (KI) Vorschläge zur Bestimmung der beobachteten Art, aber auch die anderen User der App können bei der Bestimmung helfen, die Ergebnisse diskutieren und die schönsten Fotos bewerten.
Basis für die Bestimmung sind Steckbriefe von 189 Arten und eine Matrix mit den Bestimmungsmerkmalen nach verschiedenen Kriterien, wie Farbe der Falter, Form, Flugzeit, Ort usw., betonte Höttinger. Um die App übersichtlich zu halten, liegt deren Fokus auf Tagfaltern. Von den rund 215 in Österreich vorkommenden Tagfalterarten sind in der App 157 Arten beschrieben, auf Wunsch der User sind seit einiger Zeit zudem Steckbriefe von 32 Nachtfalterarten (von fast 4.000 in Österreich vorkommenden) enthalten.
Auch wenn die Qualität der Meldungen unterschiedlich sei und sich manche Funde nur anhand der Fotos nicht bestimmen lassen, könne man viel aus den Daten herauslesen, betonte Höttinger. So hat es allein im Vorjahr mehr als 29.000 Beobachterinnen und Beobachter in ganz Österreich gegeben, die fast 138.000 Schmetterlingsmeldungen in die App eingegeben haben. Damit bekomme man einen relativ guten Überblick über das gesamte Bundesgebiet.
Vor allem von den häufigeren Arten - an der Spitze standen 2025 das Tagpfauenauge mit 6.415 Meldungen, gefolgt vom Großen Ochsenauge (5.091) und dem Admiral (4.345) - gebe es damit viel bessere Verbreitungsdaten. Aber auch Beobachtungen von seltenen oder hochgradig gefährdeten Arten seien wichtig, etwa für die Erstellung von Roten Listen. Insgesamt wurden mit der App bereits 181 verschiedene Tagfalterarten gemeldet, das sind 84 Prozent aller bisher in Österreich nachgewiesenen Arten.
Anhand der Daten würden sich auch Veränderungen im Laufe der Zeit zeigen. So könne man die Auswirkungen des Klimawandels auf einzelne Arten zeigen, die etwa auf Moore oder montane Gebiete spezialisiert sind und vor allem in Tieflagen zurückgehen. Auch geänderte Flugzeiten lassen sich anhand der Beobachtungen ablesen: "Die Schmetterlinge fangen viel früher zu fliegen an, sind auch immer später im Jahr zu sehen und bringen mehr Generationen hervor", so Höttinger.
So hat etwa das Weißbindige Wiesenvögelchen üblicherweise nur eine Generation pro Jahr, durch die Erwärmung gebe es aber zunehmend im September und Oktober Sichtungen einer partiellen zweiten Generation. Diese Individuen können aber nicht den Winter überleben und seien für die Art verloren.
Laut Höttinger "schlummert noch sehr viel Potenzial in diesen Beobachtungsdaten, von denen bisher nur ein kleiner Teil ausgewertet ist". So gebe es etwa viele Meldungen von verschiedenen Nachtfaltern, die noch nicht analysiert wurden.
(S E R V I C E - Citizen Science-Projekt "Schmetterlinge Österreichs": https://schmetterlingsapp.at/ ; Link zur Zehn-Jahres-Feier: https://go.apa.at/nkGel94R )
