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Nach einigen anderen Staaten hat zuletzt auch Deutschland sein Projekt einer strukturierten und organisierten Lungenkrebs-Früherkennung mit drei bis fünf Millionen Anspruchsberechtigten begonnen. "Das geplante Screening richtet sich gezielt an Personen mit erhöhtem Risiko, insbesondere: aktive und ehemalige Raucherinnen und Raucher zwischen 50 und 75 Jahren und Personen mit einer relevanten Rauchervorgeschichte (mehr als eine Packung pro Tag über 15 Jahre und länger", hieß es anlässlich einer Pressekonferenz der DGIM.
Als wissenschaftlicher Beleg wurden zahlreiche bereits erfolgte Studien über die Wirkung der Früherkennungsuntersuchung und Detailanalysen angeführt: So hätte bereits die erste in den USA durchgeführte wissenschaftliche Untersuchung mit jährlichen Low-Dose-Computertomografien (53.000 Probanden) zu einer Verringerung der Lungenkrebsmortalität um 20 Prozent geführt. Die darauf folgende niederländisch-belgische Untersuchung mit knapp 16.000 Probanden und einer Nachbeobachtungszeit von zumindest zehn Jahren brachte bei Männern eine um 24 Prozent verringerte Lungenkarzinomsterblichkeit. Bei den Frauen kam es sogar zu einem Rückgang um 33 Prozent.
Eine vom unabhängigen deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIQ) Analyse von insgesamt sieben wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Thema (Daten von rund 38.000 Probanden) ergab eine Verringerung der Lungenkarzinomsterblichkeit um 21 Prozent.
Doch der Effekt der Lungenkrebsfrüherkennung geht offenbar darüber hinaus: Schon in der ersten Screening-Studie in den USA zeigte sich laut den vorgelegten Analysen bei den Untersuchten auch eine um 6,7 Prozent verringerte Gesamtsterblichkeit (aus jeglicher Ursache). Die Auswertung von sieben internationalen Niedrig-Dosis-Computertomografie-Studien durch das IQWIQ kam auf eine Reduktion der Gesamtsterblichkeit um fünf Prozent.
Die mögliche Erklärung: Einerseits sind Lungenkrebserkrankungen mit mehr Todesfällen als Brust-, Prostata- und Darmkrebs zusammen verbunden. Andererseits könnten bei den Screeninguntersuchungen per Computertomografie auch andere gefährliche Erkrankungen erkannt werden, zum Beispiel Erkrankungen der Herzkranzgefäße, die zu Herzinfarkt etc. führen können.
Erst vor wenigen Tagen hat der Wiener Pneumologe Arschang Valipour neuerlich den Aufholbedarf bei einem allfälligen Lungenkrebsscreening in Österreich im Rahmen der Jahres-Pressekonferenz des Praevenire-Gesundheitsforums beklagt: "Wir haben in Österreich noch nicht einmal annähernd eine Entwicklung in Richtung eines Lungenkarzinom-Früherkennungsprogramms. Auch da werden wir voraussichtlich die Letzten in Europa sein, so ähnlich wie beim Prostatakarzinom. Es gibt Diskussionen. Wir hören, dass kein Geld da wäre."
Das sei schlichtweg unbegreiflich. Der Leiter der Lungenabteilung an der Klinik Floridsdorf: "Wir geben jedes Jahr einen mittelhohen, dreistelligen Millionenbetrag an Therapiekosten für Onkologie bei Lungenkrebs aus. Wir reden da von 300 bis 500 Millionen Euro." Für ein Viertel bis gar nur ein Zehntel dieser Summe könnte man ein Früherkennungsprogramm starten, das schließlich - nach rund fünf Jahren - zu echten Einsparungen führen würde.
In Österreich erkranken pro Jahr rund 5.000 Menschen an Lungenkrebs. Die Zahl der Todesopfer liegt bei etwa 4.000 pro Jahr. 75 Prozent der Erkrankungen werden in den nicht mehr heilbaren Stadien III und IV diagnostiziert. Hier könnte demnach eine wirkungsvolle Früherkennung mit Entdeckung der Erkrankungen im Frühstadium zu einer wesentlichen Verbesserung führen.
++ THEMENBILD ++ Illustration zum Thema "Rauchen / Zigarette / Tabak / Tabakindustrie / Nikotin / Abhängigkeit / Gesundheit": Ein Mann zündet sich am Montag, 27. Oktober 2025, eine Zigarette an.






