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Gewerkschaft für Reformen im Kindergarten statt in AHS

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Kindergärten sollen stärker unterstützt werden
©APA, GEORG HOCHMUTH, Themenbild
AHS-Lehrergewerkschafter Herbert Weiß (FCG) appelliert an die Politik, sich bei Bildungsreformen stärker auf die Kindergärten zu konzentrieren. Derzeit sieht er Österreich hier nicht gut aufgestellt - weder bei den vergleichsweise geringen staatlichen Ausgaben, noch bei den Bildungsergebnissen der Kinder. "Momentan beschäftigt man sich mit Dingen, wo es eigentlich keine Probleme gibt - Stichwort KI statt Latein. Und dort, wo man wirklich hinschauen sollte, tut man zu wenig."

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Wenn man nicht früh genug anfange, helfe alles nachträgliche "Herumdoktern" nichts, betonte Weiß im APA-Gespräch. Als Indiz für Reformbedarf bei der frühkindlichen Bildung sieht man in der AHS-Gewerkschaft etwa Ergebnisse bei der letzten Ausgabe der Volksschul-Lesestudie PIRLS von 2021: Während laut Elternbefragung im internationalen Schnitt ein Drittel der Kinder bei Schulbeginn wenig bis keine grundlegenden Lesefähigkeiten mitgebracht hat (u.a. Erkennen von Buchstaben, Schreiben von Wörtern, einfaches Lesen), waren es in Österreich 62 Prozent. Dazu passend haben 80 Prozent der hiesigen Volksschulleitungen angegeben, dass an ihrem Standort weniger als ein Viertel der Taferlklasslerinnen und Taferlklassler bereits grundlegende Lesefähigkeiten hatte. International lag der Durchschnitt bei 33 Prozent.

Es gehe ihm nicht darum, dass alle Kinder bei Schuleintritt schon lesen und rechnen können, beteuerte Weiß. Aber es gebe Klagen, dass Kinder die einfachsten Fähigkeiten nicht mitbringen und weder einen Stift halten noch eine Schere benutzen oder einem anderen drei Minuten lang zuhören könnten. Viele Eltern würden die Entwicklung ihrer Kinder etwa durch Vorlesen fördern, aber eben nicht alle. "Da müsste der Kindergarten einspringen können", forderte Weiß. Derzeit fehlten den Pädagoginnen und Pädagogen dafür aber zwischen Personalmangel, zu wenig Unterstützung und Gruppen mit zu vielen Kindern, schlicht die Möglichkeiten. Ihrer wichtigen Rolle für die Bildungskarriere der Kinder seien sich die Einrichtungen bewusst, betonte Weiß. "Sie würden die Kinder gerne mehr fördern, haben aber nicht die Zeit dafür."

In der Politik sei der Fokus auf den Kindergarten als erste Bildungseinrichtung aber anscheinend noch nicht angekommen, kritisierte Weiß. Dass in dem Bereich nicht mehr weitergehe, könnte auch an den komplizierten Zuständigkeiten liegen, räumt er ein. Die Rahmenbedingungen für die Kindergärten bestimmen die Länder, Erhalter sind die Gemeinden, nur die Pädagoginnen-Ausbildung liegt beim Bund. Derzeit wird im Rahmen der "Reformpartnerschaft" zumindest über einheitliche Mindeststandards etwa bei Berufsbild und Betreuungsqualität verhandelt.

Neben den Bildungseinrichtungen müsste man aus Weiß' Sicht aber auch stärker bei den Eltern ansetzen und sie für ihre Verantwortung bei Bildung und Sprachenlernen ihrer Kinder sensibilisieren. "Die Eltern müssen sich bewusst sein, dass sie die Verpflichtung haben, ihre Kinder entsprechend zu erziehen und ihnen etwas mitzugeben. Das fehlt halt leider bei vielen." Information allein sei zur Bewusstseinsbildung der Eltern wohl zu wenig. Ob Sanktionen wie Kürzungen von Beihilfen ein Hebel wären, dass mehr Kinder in ihrer Entwicklung gefördert werden, könne er nicht einschätzen, so Weiß. "Aber man wird sich etwas einfallen lassen müssen, um die Eltern dazu zu bringen."

++ THEMENBILD ++ Illustration zu den Themen Kinder / Kindergarten / Kinderbetreuung / Bildung. Im Bild: Blick in einen Kindergartenraum in Wien, kurz vor Schulbeginn am Freitag, dem 29. August 2025.

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