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Forscherin fand in Wien viel und gesundheitsgefährdenden Straßenstaub

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Laut Analysen enthält Straßenstaub viel Mikroplastik
©APA, GEORG HOCHMUTH, HOCHMUTH
In Wien liegt mehr schädlicher Straßenstaub als in anderen Großstädten, erklärte die Geophysikerin Sylwia Klaudia Dytłow der APA anlässlich der derzeit laufenden Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU). Den Eindruck gewann die Forscherin zumindest nach der Analyse von Proben, die sie an sieben Stellen im Stadtgebiet im Vorjahr, bei der EGU 2025, zog. Ihre "Momentaufnahme" ergab: Es war viel Material vorhanden - mit gesundheitsgefährdenden Inhalten.

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Laut ihren Analysen, die Dytłow mit Kolleginnen auch in zwei wissenschaftlichen Veröffentlichungen darlegte, enthält der Straßenstaub viel Mikroplastik wie auch krebserregende Stoffe - jedenfalls mehr, als ihre Analysen in anderen Städten ergaben. Wird der feine Straßenstaub, "der sich vor allem entlang von Randsteinen und Parkspuren ansammelt", vom Wind aufgewirbelt, besteht vor allem für Fußgänger und Radfahrer das Risiko, ihn einzuatmen, sagte sie. Wie sich eine potenzielle Belastung über einen längeren Zeitraum gestaltet, bleibt im Rahmen ihrer Arbeiten offen.

Der Straßenstaub in der Stadt entsteht vorwiegend durch den Abrieb von Reifen, Bremsen, Asphalt und Fahrbahnmarkierungen, aus Rostpartikeln von Fahrzeugen sowie durch Verbrennungs- und Treibstoffrückstände in den Abgasen, so die Expertin. Dazu kommt Staub vom Salz- und Schotterstreuen im Winter, von industriellen Abgasen und aus der Atmosphäre. All dies kann sich zu winzigen, aber gefährlichen Partikelchen zusammenklumpen, so die Expertin: Darin befinden sich nämlich Schwermetalle und krebserregende organische Substanzen wie etwa "polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe".

Als die Forscherin im Vorjahr zum selben Fachkongress nach Wien kam, kehrte sie mit Kolleginnen an sieben Stellen Straßenstaub in mitgebrachte Glasröhrchen: zum Beispiel nahe dem Konferenzzentrum an der Wagramer Straße, in der Innenstadt beim Schwedenplatz und vor dem Schloss Schönbrunn. "Wir haben uns sehr gewundert, dass es für eine so große Weltstadt noch keine Untersuchung über die Verunreinigungen im Straßenstaub gab", sagte sie: "Darum haben wir für eine erste Bestandsaufnahme Proben mitgenommen."

An der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau wurde der Kehrricht der Wiener Straßen anschließend genau inspiziert. Vor allem von den kleinsten Partikelchen (unter 0,05 Millimeter Durchmesser) fanden die Forscherinnen im Straßenstaub der österreichischen Hauptstadt viel mehr als zuvor in Warschau, Krakau (beides Polen) und Brisbane (Australien). "Wien war überhaupt die erste Stadt, in der wir genügend von diesem feinsten Material fanden, um all unsere Analysemethoden anwenden zu können", so Dytłow.

Bei den nicht ganz so kleinen Teilchen (0,1 bis 0,2 Millimeter) war wiederum die Belastung mit Mikroplastik in Wien "gefährlich bis extrem gefährlich hoch", erklärte die Forscherin bei einer Pressekonferenz am Dienstag im Rahmen der EGU-Generalversammlung: "Die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe und bestimmte dieser Mikroplastikpartikel im Straßenstaub stellen erhebliche ökologische Risiken dar und bergen potenzielle langfristige Gesundheitsgefahren durch Einatmen und über die Nahrungsaufnahme."

Als möglichen Grund für die hohen Straßenstaubwerte nannte die Geophysikerin, dass die Straßen möglicherweise selten gesäubert werden, und zwar vor allem bei den geparkten Autos. "In Warschau reinigt man die Straßen zweimal pro Woche", sagte sie. "In Wien erfolgt die Reinigung von Fahrbahnen und Parkstreifen anlassbezogen und folgt keinen festgelegten Intervallen", erklärte die dafür zuständige Magistratsabteilung 48 auf Anfrage der APA: "Jeder Straßenkehrer/jede Straßenkehrerin in Wien hat eine zugeteilte Kehrfläche, die er/sie zu reinigen und sauber zu halten hat. Wie oft das geschieht, hängt von der tatsächlichen Verunreinigung und - vor allem bei Parkstreifen - von der Zugänglichkeit ab."

Bei den Untersuchungen des Wiener Straßenstaubs fanden die Expertinnen aus Polen auch heraus, dass gefährliche (nicht oder kaum magnetische) Staubkomponenten wie die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, Plastik-Weichmacher und Mikroplastik fast komplett an magnetische Teilchen etwa vom Bremsabrieb und Verbrennungs-Rückständen gebunden sind. Dadurch kann man die Gesamtverschmutzung des Straßenstaubs mit magnetbasierten Methoden gut abschätzen. Sie sind kostengünstiger und man braucht dafür bloß eine Minute, während genauere Analysen bis zu drei Tage, mindestens aber zehn Stunden dauern, so Dytłow.

(S E R V I C E - Link zur Zusammenfassung des Fachvortrags an der EGU Generalversammlung: https://go.apa.at/w3o2W8gP ; Fachpublikationen zur Analyse: https://go.apa.at/74Ji6b33 und https://go.apa.at/1q93KDEb )

ZU APA0210 VOM 12.11.2024 - ++ THEMENBILD ++ Illustration zu den Themen Luftqualität / Feinstaub / Verkehr. Im Bild: Autos auf einer viel befahrenen Straße in Wien; aufgenommen am Dienstag, 12. November 2024.

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