von
Obwohl diese weiterentwickelten Vertreter dieser Gruppen in einem Menschen entstehen, können sie sich weltweit innerhalb weniger Jahrzehnte verbreiten - Krankheitserregern nicht unähnlich, erklärte Polz im Gespräch mit der APA unter Verweis auf die im Fachjournal "Nature" veröffentlichte Studie. Diese Gruppen seien nicht unbedingt ursächlich mit den Krankheiten verbunden, sondern würden sich den veränderten Bedingungen im Darm anpassen. Sie könnten deshalb als Indikatoren für bestimmte Erkrankungen wie Darmkrebs, entzündliche Darmerkrankungen und Typ-2-Diabetes dienen.
Konkret suchten die Forschenden nach präziseren biologischen Einheiten, die durch Anpassung entstanden sind und verschiedene Nischen im Darm besetzen. Die Einteilung in Bakterienarten allein reiche oft nicht, um den Zusammenhang mit Erkrankungen zu klären. Mit einem neuen Ansatz wurden sowohl tausende bakterielle Isolate aus dem Darm von Menschen aus unterschiedlichen Ländern sowie verschiedenen Alters- und Gesundheitsgruppen untersucht, als auch die gesamte Erbinformation mikrobieller Gemeinschaften in der Probe analysiert.
Es zeigte sich, dass sich viele Darmbakterien in mehrere Gruppen aufgliedern, die verwandtschaftlich und funktionell sehr homogen sind. Sie entstehen durch Prozesse, bei denen ein Individuum, das vorteilhafte Mutationen durchlaufen hat, nahverwandte Individuen in der gleichen Nische verdrängt, weil sie diese Mutationen nicht aufweisen. "Wenn man nicht nur Arten zählt, sondern evolutionäre Anpassung berücksichtigt, erkennt man die biologisch relevanten Einheiten im Mikrobiom deutlich genauer", wird Erstautorin Xiaoqian Annie Yu in einer Aussendung zitiert.
Darmbakterien sind zudem dynamischer als lange angenommen. Laut Polz können sich konkurrenzstarke Populationen innerhalb weniger Jahrzehnte weltweit verbreiten. Ein ähnliches Muster sei bisher vor allem von Krankheitserregern bekannt. "Das passiert anscheinend laufend. Wir haben die Bakterien über den ganzen Globus verteilt gefunden", so der Studienleiter. Wie alt diese sind, lasse sich über die Mutationsrate berechnen: "Da gibt es einige, die sind ein paar tausend Jahre alt und welche, die erst zehn Jahre sind, sich aber auch schon weltweit verbreitet haben", erläuterte Polz.
In Afrika und in Südamerika würden bestimmte Gruppen als Jäger und Sammler noch sehr ursprünglich und isoliert leben. "Sogar dorthin haben sich diese Bakterien über Populationen, mit denen sie Kontakt hatten, ausgebreitet." Im nächsten Schritt soll untersucht werden, welche Gene die identifizierten Populationen voneinander unterscheiden und welche Funktionen damit verbunden sind.
(S E R V I C E - https://www.nature.com/articles/s41586-026-10476-w )
STUTTGART - DEUTSCHLAND: ++ ARCHIVBILD ++ (ARCHIVBILD VOM 3.6.2020) - FOTO: APA/APA/dpa/Tom Weller






