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Die Erkenntnisse würden nicht nur für Tirol gelten, sondern ließen sich auch österreichweit umlegen, hieß es. Die Zahl der involvierten Kinder und Jugendlichen steige dabei im Verhältnis zu den ebenfalls zunehmenden Fällen von Partnerschaftsgewalt, also etwa Formen von Gewalt zwischen Eheleuten, führte der Experte aus. Das Beobachten dieser Gewalt sei für die Kinder und Jugendlichen besonders belastend, schließlich passiere diese in einer Konstellation von "Menschen, die mich lieben". Diese Wahrnehmung führe auch dazu, dass sich das kindliche Bild von "Beziehung und Beziehungsdynamik" grundlegend und nachhaltig ändern kann.
Das Beobachten von Gewalt in diesem Setting habe auch zur Folge, dass sich "Kinder und Jugendliche schuldig fühlen", sagte Susanne Greber-Platzer, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinderschutz-Medizin. Kinder führten dabei häufig die Gewalt zwischen ihren Eltern auf sich selbst zurück. "Zudem geht ihnen diese Gewalt natürlich näher als solche, die sie auf der Straße beobachten", führte die Präsidentin aus.
Dieses emotionale Nahegehen führe wiederum dazu, dass Kinder "kaum oder keine Resilienz entwickeln können". "Häufig "rutschen sie aufgrund des Erlebten ab, brechen soziale Kontakte ab, werden schlechter in der Schule", nannte Greber-Platzer einige Folgen dieser Erlebnisse. Es gelte somit, Kindern dabei zu helfen, aus der Spirale von "Du bist Schuld" auszubrechen.
Umso wichtiger sei es, dass man Kinder und Jugendliche, die Zeugen von familiärer Gewalt würden, auch erkenne, hielt Kathrin Sevecke, Primaria der Abteilung und Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall und Innsbruck, fest. "Gemeinsam hinzuschauen" und Mitarbeiter in Einrichtungen wie etwa der Schule "entsprechend zu schulen und zu sensibilisieren" sei das Gebot der Stunde, strich Sevecke heraus. Dies sei deshalb besonders wichtig, weil in diesem Fall der "blaue Fleck" fehle, bei dem man spätestens hellhörig werde.
In dieselbe Kerbe schlug auch die bei dem Pressegespräch ebenfalls anwesende Bildungslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP). Man müsse "Lehrpersonen schulen, dass sie das erkennen", meinte diese. Zudem müsse ganz grundsätzlich mehr Sensibilität in der Gesellschaft etabliert werden, mahnte Hagele ein: "Man denkt über die verschiedenen Formen von Gewalt, die Kinder erfahren, zu selten nach." Im Fokus müsse jedenfalls stehen, dass "alle Kinder gewaltfrei aufwachsen", wie es auch der in der Verfassung verankerten Kinderschutzkonvention festgehalten sei.
Anlass der Pressekonferenz war die am Freitag stattfindende Tagung in Innsbruck, bei der das Thema "Kinder und Jugendliche als Zeugen von Gewalt" im Mittelpunkt steht. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um die 8. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinderschutz-Medizin.
