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Bei der Diagnose von Nierenerkrankungen stelle man in vielen Fällen und verstärkt "Volkskrankheiten" wie etwa Diabetes, Adipositas oder Bluthochdruck fest, erklärte der Wissenschafter, der mit 1. Oktober 2025 die Funktion des Direktors der Abteilung vom jetzigen Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Gert Mayer, übernahm. Beim Zusammenspiel dieser Faktoren handle es sich allerdings, etwa bei Bluthochdruck, meist nicht um eine "Einbahnstraße": "Es ist nicht nur so, dass Bluthochdruck zu einer Nierenerkrankung führen kann, sondern auch eine Nierenerkrankung zu Bluthochdruck." Neben den erwähnten "Volkskrankheiten" trage auch eine zunehmend "alternde Bevölkerung" zu den steigenden Zahlen bei, strich Kronbichler heraus.
Es gebe aber durchaus Potenzial zum Gegensteuern bzw. zur Verhinderung von Nierenerkrankungen. "Körperliche Betätigung, salzarmes, mediterranes oder auch proteinarmes Essen", zählte Kronbichler etwa auf. Auch gelte es die Vorbeugung noch weiter zu forcieren: "Die Niere ist ein stilles Organ, weshalb die Patienten oft erst kommen, wenn es schon zu spät ist." Frühzeitige und routinemäßige Screenings, vor allem des Urins und dortige "Eiweißablösungen", könnten dabei Abhilfe schaffen, betonte Kronbichler.
Niedergelassene Nephrologen, die solche Screenings durchführen könnten, seien aktuell "noch rar", strich der Direktor heraus. Daher gelte es, diesen Bereich "auszubauen" und "die niedergelassenen Nephrologen auch entsprechend zu schulen." Auch könnten der niedergelassene Bereich wichtige Aufgaben in der "Nachbetreuung", etwa nach Transplantationen, übernehmen, die aktuell von den klinischen Zentrum übernommen würden. "Das ist auch eine Frage der Kapazität der Universitätsklinik", meinte Kronbichler. Zudem müssten Patienten gegenwärtig "zum Teil von weit her anreisen."
Die entscheidende Funktion in diesem Bereich komme allerdings dennoch den "klinischen Zentren" zu. Und dabei sei die Innsbrucker Universitätsklinik "österreichweit führend." Man übernehme einen großen Teil der Patienten mit akuten oder chronischen Nierenerkrankungen oder führe Nierentransplantationen und "Nierenersatztherapien" durch. Zudem sei Innsbruck das "einzige Expertisezentrum für seltene Nierenerkrankungen in Österreich", strich Kronbichler heraus. Im Mittelpunkt stünden dabei beispielsweise "seltene Autoimmunerkrankungen", führte der Nephrologe aus. Forschungsarbeiten, klinische Zentren und der niedergelassene Bereich würden hinsichtlich der Diagnose, Behandlung und "Nachsorge" von Nierenerkrankungen in Zukunft jedenfalls eine immer größere Rolle spielen.
Vorgänger und Rektor Mayer sowie der Ärztliche Direktor der Innsbrucker Klinik, Alois Obwegeser, streuten Kronbichler angesichts der kommenden medizinischen Herausforderungen gehörig Rosen. Dieser stehe dafür, "neue Ideen und neue Aspekte in das Forschungsfeld einzubringen", sagte Mayer, während Obwegeser betonte, dass der neue Nephrologie-Chef die absolut richtige Person sei, um dieser Abteilung mit einer komplexen "Querschnittsmaterie" vorzustehen.
