ABO

Diskussion um neue Lehrpläne hält an

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Latein-Unterricht bleibt umstritten
©SCHLAGER, APA, ROLAND SCHLAGER
Die Pläne von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) für eine Reform der Lehrpläne an den Gymnasien sorgen weiter für Diskussionen. NEOS-Klubchef Yannick Shetty attackierte im Ö1-"Morgenjournal" Lehrergewerkschaft und ÖVP - verhaltenere Kritik kommt aber auch von Seiten des anderen Koalitionspartners SPÖ. Bildungssprecher Heinrich Himmer sieht die Änderungen in absehbarer Zeit so nicht kommen. Die AHS-Direktoren sprechen sich ebenfalls dagegen aus.

von

Nach den Vorstellungen Wiederkehrs soll in der AHS-Oberstufe der Informatik-Unterricht ausgeweitet und um das Thema Künstliche Intelligenz ergänzt werden. Außerdem will er den Gegenstand "Medien und Demokratie" einführen. Im Gegenzug sollen je nach Schultyp Lateinstunden bzw. Stunden für die zweite lebende Fremdsprache gekürzt werden. Kritik daran kam unter anderem von Lehrergewerkschaft und ÖVP.

Vor allem gegen erstere wandte sich Shetty: Man habe das Gefühl, die Gewerkschaft sei ein "Blockiererverein" und habe primär Reformverweigerung als Ziel. "Zu jeder Modernisierung heißt es immer Nein, Nein, Nein." Man habe eine Koalition mit der ÖVP abgeschlossen - er erwarte daher, dass sich auch alle Teile der ÖVP zum Regierungsprogramm bekennen. "Das gilt auch für jene Teile der Lehrergewerkschaft, die der schwarzen Fraktion angehören." In der Auseinandersetzung würden sich die NEOS mit hoher Wahrscheinlichkeit durchsetzen, erwartet Shetty. "Es ist keine Alternative, dass die Lehrpläne nicht reformiert werden."

Ein Blick ins Regierungsprogramm zeigt dabei, dass beide Seiten Argumente für ihre Position haben. Dort ist zwar der Passus enthalten, dass "die Stundentafel und die Lehrpläne an die Anforderungen der modernen Gesellschaft und Arbeitswelt angepasst werden". Weiter heißt es im typisch unkonkreten Koalitionspapierstil: "Es werden weitere inhaltliche Schwerpunkte gesetzt, um Schülerinnen und Schüler die nötigen Kompetenzen in den Bereichen liberale Demokratie, Digitalisierung, Wirtschaft, Finanzen, Entrepreneurship Education, Medienkompetenz, Kunst/ Kultur und Gesundheit zu vermitteln."

Dass dafür Latein- oder andere Sprachstunden gekürzt werden, ist freilich nicht enthalten. Die Verankerung von Demokratiebildung als verpflichtendes Unterrichtsfach ist zwar tatsächlich verankert - allerdings nicht in der AHS-Oberstufe, sondern in Mittelschule und AHS-Unterstufe.

Neben der ÖVP hat aber auch die SPÖ Vorbehalte. "Das, was jetzt am Tisch liegt, ist einfach nur eine Ankündigung. Es gibt keinen einzigen schriftlichen Vorschlag. So kann man schwerlich über Inhalte diskutieren", so Bildungssprecher Heinrich Himmer zur APA. Davor hatte er auch gegenüber dem Nachrichtenmagazin "News" ähnlich gemeint: "In absehbarer Zeit sehe ich nicht, dass diese Lehrplanänderung so kommen könnte." Man werde stattdessen einen gemeinsamen Vorschlag entwickeln.

Kritik kommt auch vom Dachverband der AHS-Direktorinnen und -Direktoren. Bei einer Umfrage unter allen rund 360 Mitgliedern mit einer Teilnahmequote von 75 Prozent sprachen sich mehr als 90 Prozent der Schulleitungen gegen die Kürzungen bei Latein bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache aus. "Diese machen vielerorts mehrjährige Schulentwicklungsprozesse zunichte, sind schulorganisatorisch schwer umsetzbar, schaden den Schüler:innen und bringen Verunsicherung und Mehrbelastung für die Lehrenden-Teams." Stattdessen schlagen die Direktoren in einer Aussendung vor, keine neuen Fächer zu schaffen, sondern Künstliche Intelligenz, Medien- und Demokratiebildung als Querschnittsmaterie in möglichst allen Gegenständen zu unterrichten.

Für die Schüler würden gekürzte Sprachstunden mehr Stress bedeuten, um das nötige Maturaniveau zu erlangen, argumentiert der Dachverband. Bei den Lehrkräften seien aufgrund mangelnder Expertise in den neuen Fächern aufwändige Zusatzausbildungen nötig. Organisatorisch seien die unterschiedlichen Stundenzahlen im Gymnasium für Latein bzw. die lebenden Fremdsprachen ebenfalls schwer zu stemmen.

Die Direktorinnen und Direktoren wiederum sehen ihre Schulprofile gefährdet. Mehr als 90 Prozent der Gymnasien hätten ergänzend zur Allgemeinbildung in den vergangenen Jahren autonome Schwerpunkte entwickelt. Das reiche von Naturwissenschaften über Informatik, Sport und Gesundheit, Kunst und Musik, Medien und Politischer Bildung bis zu modularen schülerautonomen Kurssystemen. Unter anderem seien dabei unter Einbindung der Schulpartner neue Fächer kreiert worden - mit den geplanten Vorgaben müssten viele wieder zurück an den Start.

++ THEMENBILD ++ Das Wort intellegentia in einem Lateinisch - Deutsch Wörterbuch fotografiert am 4. Februar 2026. Zur Zeit wird ein Abbau der Stunden für Latein zugunsten anderer Fächer disktuiert.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER