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Die beiden Autoren, der slowenische Architekt Igor Sapač und der niederösterreichische Landeskonservator Patrick Schicht, arbeiteten bereits bei der Erforschung der slowenischen Burg Reichenburg zusammen. Dort reifte ihr Entschluss, systematisch sämtliche Wehranlagen der Erzbischöfe zu besuchen und erstmals eine möglichst vollständige architektonische Übersicht zu erstellen. Sie zeichnen in dem Werk die Entwicklung der erzbischöflichen Wehrarchitektur vom Mittelalter bis in die Barockzeit nach.
"Die mittelalterlichen Burgen gehören zu den wenigen Bauten, die eine neue architektonische Baukultur prägten und die sich auch in ländlichen Siedlungsbau manifestierten", sagte Igor Sapač. Die historischen Bauten des Erzbistums Salzburg beschränkten sich keineswegs auf das heutige Bundesland. Das geistliche Fürstentum erstreckte sich über Jahrhunderte auch auf Teile Bayerns sowie Österreichs und Sloweniens. Unter Einbeziehung vieler Fachleute aus Slowenien und Österreich sei ein Werk entstanden, das eine ausgewogene Interpretation des gemeinsamen europäischen Kulturerbes darlege, sagte Sapač.
"Die Burgen zeichnen sich durch eine Doppelrolle aus", erklärte der Architekt. Einerseits seien die mächtigen Festungen zum Schutz der Unabhängigkeit des Fürsterzbistums errichtet worden, andererseits dienten sie auch als kulturelle Mittelpunkte von Siedlungen und Verwaltungszentren. Während in Europa der Adel noch an der Macht war, habe im 12. Jahrhundert das Salzburger Erzbistum bereits auf ein Beamtensystem umgestellt, ergänzte der zweite Autor Patrik Schicht. Dank der Burgen konnte man das Land auch im 30-jährigen Krieg in Europa selbstständig verteidigen. "Man war verteidigungstechnisch so gut aufgestellt, dass Salzburg nicht angegriffen wurde", sagte Schicht.
Bei der Neuerscheinung handelt es sich um den sechsten Band der wissenschaftlichen Buchreihe zur österreichischen Denkmaltopographie, in der die Grundlagen über die historischen Bauten und Kulturdenkmäler erfasst und dargestellt werden. "Die Erhaltung dieser großen Bauten funktioniert deshalb so gut, weil man seitens des Landes viel Geld in die Hand nimmt", sagt der Präsident des Denkmalamtes Christoph Bazil bei der Präsentation des Bandes.
Tatsächlich wurde die Festung Hohensalzburg in den letzten Jahren mehrfach renoviert. Erst im Sommer wurde die Fassade aufwendig saniert und die historische Bausubstanz instand gesetzt. Seit 2017 wird auch an der Konservierung und Restaurierung der Fürstenzimmer auf der Festung gearbeitet. Mit 39 Teilprojekten war die Salzburger Landeskonservatorin des Bundesdenkmalamts Eva Hody alleine auf der Festung Hohensalzburg beschäftigt, sagte sie bei der Präsentation im Goldenen Saal. "Das Buch stellt in spannender Weise das Wirken der Salzburger Erzbischöfe zusammen", sagte Hody.
Die Festung Hohensalzburg ist eine der größten erhaltenen Burgen Europas und die zweitmeistbesuchte Sehenswürdigkeit in Österreich. "Wenn man im schönsten Bundesland Österreichs leben und arbeiten darf, bleibt der Blick auf die Festung nicht aus", schwärmte Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP). Es sei wesentlich, auch die Geschichte Salzburgs zu kennen, um zu wissen, wie sich das Bundesland entwickelt habe. "Das Buch trägt dazu bei, dass einige Rätsel der Festung und der Burgen im Salzburger Land entschlüsselt wurden", sagte der Geschäftsführer der Salzburger Burgen und Schlösser Maximilian Brunner.
(S E R V I C E - Patrick Schicht, Igor Sapač: "Salzburgs Burgen. Erzbischöfliche Wehrbauten in Mitteleuropa", Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), 235 Seiten)
