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Bisher wurden Psychotherapeutinnen und -therapeuten ausschließlich an privaten außeruniversitären Ausbildungseinrichtungen oder Privatunis ausgebildet, für das zweijährige Propädeutikum und das - je nach Fachrichtung - drei- bis sechsjährige Fachspezifikum sind dabei Kosten von mehreren zehntausend Euro angefallen. Ab dem Studienjahr 2026/27 gibt es eine neue Struktur: Auf ein fachlich passendes Bachelorstudium folgt ein zweijähriges Masterstudium für Psychotherapie an einer öffentlichen Universität. Dritter Ausbildungsteil ist eine postgraduelle psychotherapeutische Fachausbildung bei Psychotherapeutischen Fachgesellschaften, während der man schon unter Supervision therapeutisch arbeiten kann.
Im Wissenschaftsministerium erwartet man, dass durch die Umstellung die Ausbildung für mehr Menschen leistbar wird. Das soll zu mehr Vielfalt unter den Psychotherapeuten führen, durch einen früheren Berufseinstieg soll sich auch die Versorgungssituation verbessern. An den Unis rechnet man allerdings nicht mit viel geringeren Ausbildungskosten. Mit der postgraduellen Fachausbildung mit Theorie, praktischer Anleitung, Supervision und Selbsterfahrung sei der teuerste Teil nämlich weiter selbst zu bezahlen.
Angeboten wird der neue Psychotherapie-Master an zehn Unis, wobei nur zwei davon das Studium alleine organisieren und die übrigen sich in Verbünden zusammengeschlossen haben. 200 Plätze werden dabei im Verbund West-Mitte angeboten (Unis Salzburg, Linz, Innsbruck und Medizin-Uni Innsbruck), 140 im Verbund von Uni- und Medizin-Uni Graz, 80 an der Universität für Weiterbildung Krems und jeweils 40 im Verbund von Uni- und Medizin-Uni Wien bzw. an der Uni Klagenfurt.
Beim dreistündigen Aufnahmetest, für den 80 Euro bzw. in Graz und Klagenfurt 110 Euro anfallen, liegt der Schwerpunkt auf Vorwissen aus Testliteratur zu Grundlagen der Psychotherapiewissenschaft (u.a. psychologische und medizinisch-psychiatrische Grundlagen, psychologische Diagnostik). 70 Prozent des Ergebnisses entfallen auf diesen Teil. Zusätzlich werden u.a. Textverständnis, verbale Einschätzungs- und Urteilsfähigkeit, sozial-emotionale Kompetenzen wie das Erkennen von Emotionen und das Verständnis englischsprachiger Texte abgefragt.
Beim Verfahren hat das Wissenschaftsministerium sich am Medizin-Aufnahmetest orientiert: Die Prüfung findet unabhängig vom Studienort am selben Tag statt, außerdem werden 75 Prozent der Studienplätze für Studierende mit österreichischem Maturazeugnis reserviert. Damit will man in Zukunft die psychotherapeutische Versorgung in Österreich absichern. Im Zubringer-Bachelorstudium Psychologie gibt es nämlich einen sehr hohen Anteil an deutschen Studierenden, die nach dem Abschluss mehrheitlich nicht in Österreich bleiben.
Rechtlich möglich wäre auch, wie bei der Medizin Studienplätze für "Aufgaben im öffentlichen Interesse" zu widmen: Interessierte müssen dann weniger Punkte beim Aufnahmetest erreichen und bekommen ein Stipendium, müssen aber im Gegenzug eine gewisse Zeit bei dem Arbeitgeber bleiben, von dem die finanzielle Unterstützung kommt. Im ersten Jahr haben aber weder die Länder noch die Gesundheitskasse beim Psychotherapie-Master diese Möglichkeit genutzt.
Hintergrund der ersten Reform der Psychotherapieausbildung seit den 1990ern ist neben den hohen Kosten ein sich anbahnender Versorgungsengpass. Von den derzeit 12.300 Therapeutinnen und Therapeuten werden in den kommenden zehn Jahren rund 40 Prozent in den Ruhestand gehen, dabei ist der Bedarf in den vergangenen Jahren gestiegen und die Bundesregierung will das Angebot eigentlich ausbauen. Dazu kommt, dass die Ausbildung zum Psychotherapeuten die letzte im höheren medizinischen Bereich war, die nicht verpflichtend an öffentlichen Hochschulen stattgefunden hat.
"Jede und jeder hat ein Recht auf psychische Gesundheit", betonte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) in einer Stellungnahme. Dafür sei eine entsprechende öffentliche Gesundheitsversorgung notwendig und die werde mit dem Masterstudium Psychotherapie gestärkt. Auch Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) sprach von einem weiteren Schritt, "um die psychosoziale Versorgung langfristig zu stärken und abzusichern".
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