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Lehrplangruppe für Latein tritt zurück

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Experten sind mit ihrem Latein am Ende
©APA, THEMENBILD, ROLAND SCHLAGER
Die vom Bildungsministerium eingesetzte Lehrplangruppe für Latein tritt zurück. Grund seien "grundlegende Auffassungsunterschiede mit dem Ministerium hinsichtlich der Ausarbeitung des neuen Lehrplans", heißt es in einer Aussendung. Die Gruppe hätte bis Ende April einen Lehrplan für die geplante Reduktion von 12 auf 8 Wochenstunden in der Oberstufe vorlegen sollen. Das Ministerium will die Curricula nun mit anderen Latein-Experten sowie Fachleuten aus dem Haus erarbeiten.

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Nach den Vorstellungen von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) soll in der AHS-Oberstufe der Informatik-Unterricht ausgeweitet und um das Thema Künstliche Intelligenz ergänzt werden. Außerdem will er den Gegenstand "Medien und Demokratie" einführen. Im Gegenzug sollen je nach Schultyp Lateinstunden bzw. Stunden für die zweite lebende Fremdsprache gekürzt werden. Im Falle von Kürzungen muss der Lehrplan adaptiert werden - mit dieser Aufgabe war die Lehrplangruppe betraut.

Aus Sicht der Latein-Experten "gefährdet die faktische Reduktion des Faches in der gymnasialen Oberstufe die europäische Vergleichbarkeit sowie die Reputation Österreichs als Bildungsstandort". Latein drohe damit seine Stellung als zentrales Bildungsfach zu verlieren.

Es sei von Anfang an "deutlich artikuliert worden, dass die geforderte Stundenreduktion eine vollständig neue Lehrplanstruktur notwendig macht - bei gleichbleibend hohem fachwissenschaftlichem und fachdidaktischem Anspruch", argumentieren die Lateiner. Dies betreffe etwa die Neuausformulierung fachspezifischer Bildungsziele unter Berücksichtigung der allgemeinen Bildungsziele, die Integration überfachlicher Kompetenzen, die Berücksichtigung sprachlicher und literarischer Bildung, den kritischen Umgang mit analogen, digitalen und KI-gestützten Medien sowie Demokratiebildung als zentrale Elemente eines zeitgemäßen Lateinunterrichts. Diese inhaltlichen Kernbereiche dürfen aus Sicht der Lehrplangruppe "keinesfalls geschwächt werden".

Der vorgegebene enge Zeitrahmen sei "nicht vereinbar mit den wissenschaftlichen und fachdidaktischen Qualitätsstandards", hält die Lehrplangruppe fest. "Die für eine fundierte Lehrplanentwicklung notwendigen Qualitätssicherungsprozesse und Evaluationsschleifen wären unter den gegebenen Bedingungen nicht in ausreichendem Maß durchführbar gewesen." Diese Standards seien vom Ministerium selbst beim ursprünglichen Erstellungsprozess eingefordert worden.

Das Ministerium habe auf einer verbindlichen Zusage zur Vorlage eines fertigen Curriculums bis Ende April 2026 bestanden, so die Latein-Experten. "Aus den oben genannten Gründen sieht sich die Lehrplangruppe außerstande, den Auftrag im Sinne ihres wissenschaftlichen und pädagogischen Selbstverständnisses verantwortungsvoll umzusetzen."

Im Ministerium ist man über den Ausstieg der Lehrplangruppe verwundert: "Wir haben in den vergangenen Wochen sehr konstruktive Gespräche geführt. Es ist bedauerlich, dass der Weg der konstruktiven Zusammenarbeit so abrupt verlassen wurde. Die Arbeitsverweigerung der Arbeitsgruppe Latein ist nicht nachvollziehbar, hält uns aber in der Erarbeitung neuer Lehrpläne nicht auf", so Generalsekretär Alexander Huber in einer Aussendung. Am Zeitplan des Inkrafttretens mit dem Schuljahr 2027/28 werde ebenfalls nicht gerüttelt.

Die Argumente der Lateiner sind für ihn nicht nachvollziehbar: Mit mindestens acht Wochenstunden in der Oberstufe zähle Latein weiterhin zu den umfangreichsten Fächern. Zudem bestehe die Möglichkeit, die Stundenanzahl schulautonom zu erhöhen. Auch das Heranziehen der europäischen Vergleichbarkeit will man nicht gelten lassen. Die große Mehrheit der europäischen Staaten habe Latein überhaupt nicht mehr verpflichtend auf dem Stundenplan. Und auf die Berücksichtigung sprachlicher und literarischer Bildung werde im neuen Lehrplan für Deutsch explizit durch die Stärkung zeitgemäßer Literatur eingegangen. Ganz generell sei auch klar: Wenn man neue Fächer einführe, dann müsse auf der anderen Seite auch etwas wegfallen. "Das ist unsere Verantwortung gegenüber den Schülerinnen und Schülern", so Huber.

Die FPÖ sprach dagegen von einem "Trümmerhaufen in der Bildungspolitik". Kürzungen des Lateinunterrichts für neue Fächer wie "Informatik und KI" oder "Medien und Demokratie" brächten keinen Mehrwert für die Schüler, sondern das genaue Gegenteil davon, so Bildungssprecher Hermann Brückl in einer Aussendung.

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