von
Von den rund 71.000 im Kindergarten tätigen Personen sind rund 56,5 Prozent Kindergartenpädagoginnen, der Rest Assistentinnen. Die öffentliche Diskussion um die Ausbildung beschränke sich aber fast nur auf die ersteren, bemängelten Vertreterinnen und Vertreter der Trägerinitiative Kindergartenbetreuung, zu der sich große Kindergarten-Betreiber wie Caritas, Hilfswerk, Diakonie, St. Nikolausstiftung, Kinderfreunde und Volkshilfe sowie der Dachverband Elternverwalteter Kindergruppen zusammengeschlossen haben.
Neben der Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze und der Ausweitung der Öffnungszeiten sieht sich der Kindergarten zunehmend mit erweiterten Aufgaben in den Bereichen Inklusion und Zusammenarbeit mit Eltern konfrontiert. Würden diese Tätigkeiten nicht ausschließlich von Pädagoginnen übernommen, sondern auch Assistentinnen besser für diese Aufgaben qualifiziert, ließe sich das vorhandene Personal effizienter einsetzen, so Andrea Werdenigg von der Diakonie zur APA.
Und hier komme man zu den Assistenzkräften, immerhin 43,5 Prozent des im Kindergarten eingesetzten Personals. Diese haben kein einheitliches Berufsbild - das fängt schon damit an, dass sie je nach Bundesland "Kleinkinderzieherin", "pädagogische Assistentin", "Helferin", "Zusatzkraft", "Betreuerin" oder "Kinderbetreuerin" heißen. In manchen Ländern gibt es gar keine Ausbildungsvorgaben, andere schreiben 116, 240 oder mehr als 475 Stunden an Ausbildung vor. Folge: Nach zehn Jahren Arbeitserfahrung in einem Wiener Kindergarten musste etwa eine Betroffene nach ihrem Umzug ins Burgenland die gesamte Ausbildung noch einmal auf eigene Kosten nachholen.
Ausbildungen erfolgen primär über private Kursanbieter. Zu den Aufgabengebieten der Assistenzen zählen neben der Unterstützung des pädagogischen Personals derzeit vor allem hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie das Putzen von WC und Küche oder die Essensausgabe - das hat die Folge, dass sie rund die Hälfte der Zeit nicht in der Gruppe sind.
Und hier setzen die Trägerorganisationen an: Für Putzaufgaben könnten Gemeinden eigenes Reinigungspersonal in die Kindergärten schicken - so wie sie es jetzt schon an den Pflichtschulen tun, wo sie ebenfalls Erhalter sind. Die Assistenzkräfte würden so freigespielt für Aufgaben in der Gruppe. "Leute, die putzen und Essen verteilen, finde ich leichter als Leute, die mit den Kindern arbeiten können", meinte der stellvertretende Hilfswerk-Österreich-Geschäftsführer Roland Wallner. Nebenbei wäre so eine klare Kostentrennung möglich für die pädagogische Arbeit (Land) bzw. die reine Unterstützungstätigkeit (Gemeinde).
Die Organisationen schlagen daher eine bundesweit einheitliche Ausbildung von Assistenzkräften sowie die Schaffung eines neuen Berufsbildes vor. "Das ist keine neue Übung", verwies Wallner auf das Vorbild der Heimhilfen im Pflege- und Betreuungsbereich vor rund 20 Jahren. Damals schlossen Bund und Länder eine 15a-Vereinbarung, in der sie die diversen Ausbildungen und Berufsberechtigungen gegenseitig anerkannten. Im Kindergartenbereich eile die Zeit: 2026/27 läuft die aktuelle 15a-Vereinbarung aus.
Als einheitliche Ausbildung schlagen die Trägerorganisationen eine duale Schiene vor, die sowohl den Weg zur Tagesmutter bzw. zum Tagesvater als auch zur Kindergartenassistenz beinhaltet. Die Trägerorganisationen haben dazu einen konkreten Ausbildungsvorschlag vorgelegt, der die derzeit bestehenden Qualitätsstandards nicht unterschreitet. Geplant ist eine praxisnahe Ausbildung mit verbindlichen Theorie- und Praxisanteilen, die - je nach Ausgestaltung - innerhalb eines Jahres absolviert werden kann. Gleichzeitig sei es möglich, auch ein Modell zu schaffen, bei denen Personen als Quereinsteiger in den Beruf einsteigen und die Ausbildung parallel absolvieren, so Hilfswerk-Fachreferentin Isabella Ecker.
Der Fokus auf die Assistenzen sei ein "sehr pragmatischer Ansatz, um Menschen sehr schnell, aber auch gut ins Feld zu bringen", meinte Wallner. Gleichzeitig biete sich durch die einheitliche Ausbildung für diese Menschen auch die Möglichkeit, sich später zur vollwertigen Pädagogin weiterzuentwickeln. "Dieser Vorschlag ist angesichts der Budgetnöte leichter realisierbar als alles andere, was noch auf der Wunschliste von Bildungsexperten und Trägerorganisationen steht." Und irgendetwas müsse passieren, um jetzt die Betreuungssituation zu verbessern. "Sobald sich die Budgetsituation entspannt, kann man die Forderung nach kleineren Gruppengrößen in Angriff nehmen."






