ABO

An Lungenkrebs-Screening führt laut Experten kein Weg vorbei

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Valipour: "Wir müssen es nur noch machen"
©APA, HARALD SCHNEIDER
An der Einführung eines organisierten Lungenkrebs-Screenings führt laut Expertinnen und Experten kein Weg vorbei. Die kostenlose Früherkennung mit einer Computertomographie (CT) für Raucherinnen und Raucher ab einem gewissen Alter müsse kommen. Die Vorteile der Diagnose in einem frühen Stadium der Krankheit für die Überlebensrate liegen laut den Medizinern Arschang Valipour und Thomas Winder auf der Hand. "Wir müssen es nur noch machen", sagte Valipour bei einem Medientermin.

von

90 Prozent der Lungenkrebspatientinnen und -patienten sind Raucher, erläuterte Valipour am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des Karl Landsteiner Instituts für Lungenforschung und pneumologische Onkologie in Wien. Wegen einer höheren Erfolgsrate der Früherkennung sollte das Screening-Programm mit dieser Risikogruppe gestartet werden. Bei den übrigen zehn Prozent der Betroffenen spielen andere Faktoren wie Passivrauch, Feinstaub- oder Radonbelastung, Mikroplastik und Lebensstilfaktoren eine Rolle. Hier könne in der Folge das Früherkennungsprogramm risikoadaptiert für bestimmte Berufsgruppen erweitert werden, sagte der Lungenfacharzt.

In einer aktuellen Umfrage wurden Rauchen, Nikotin und Tabak bei der Frage nach Einflussfaktoren für eine Erkrankung an verschiedenen Formen von Krebs mit 88 Prozent am häufigsten genannt. Dahinter folgen Umweltverschmutzung, Smog und Feinstaub mit einer Nennung von 72 Prozent der Befragten sowie ungesunder Lebensstil mit 57 Prozent. Unter den Teilnehmenden müssen rein statistisch auch viele Raucherinnen und Raucher sein, erläuterte Matthias Gronau von Spectra Marktforschung, wo die repräsentative Umfrage im Auftrag von Astra Zeneca durchgeführt wurde. Das Krebsrisiko ist also auch dieser Gruppe bewusst.

"Es ist ein ganz ein wesentlicher Punkt für diese Zielgruppe, das auch zu kombinieren mit einer Raucherentwöhnung", forderte Winder. "Weil es kann nicht sein, dass man mit diesem Vorsorgeprogramm einen Fallschirm für Raucher macht", im Sinne von "Ich kann weiterrauchen, habe aber die Sicherheit, ich gehe zum Vorsorge-CT und wenn was ist, bin ich frühzeitig dran", sagte der Leiter der Abteilung für Innere Medizin II am Landeskrankenhaus Feldkirch.

Lungenkrebs ist die Krebserkrankung mit den häufigsten Todesfällen in Österreich und nur bei einer Entdeckung in den frühen Stadien I und II heilbar, erläuterte Valipour, Leiter des Wiener Karl Landsteiner Instituts für Lungenforschung. 75 Prozent der Fälle werden jedoch erst in den Stadien III und IV entdeckt. Das Ziel eines Früherkennungsprogramms wäre "rund 70 Prozent in Stadium I und II zu detektieren", sagte Winder. Die Drei-Jahre-Überlebensrate habe sich in den Jahren 2010 bis 2020 deutlich verbessert, es gebe moderne Therapien und auch "die Instrumente, die uns helfen in der frühzeitigen Erkennung, nehmen zu". CT-Geräte sind laut Valipour genügend im Land vorhanden.

Es gibt also wissenschaftliche Evidenz, dass die Früherkennung für Lungenkrebs "sinnhaft, um nicht zu sagen dringend notwendig ist", betonte Romana Ruda, Managing Director des Future Health Lab und damalige Projektleiterin in der ÖGK bei der Implementierung des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms. Dieses ist seit 2014 das einzige nationale, organisierte Screening, erläuterte sie. Nach diesem und dem Dickdarmkrebs-Screening, das "momentan im Ausrollen ist", sei es ganz klar die Indikation Lungenkrebs, wo es "hoffentlich zeitnah" in zwei bis drei Jahren ebenso zur Realisierung komme, sagte Ruda.

"Nicht nur das Gesundheitssystem zahlt einen Preis, wenn die Diagnose spät erfolgt und Therapien und Behandlungen teuer werden", erläuterte Claas Röhl, Obmann der Patienteninitiative EUPATI Austria. "Den ultimativen Preis zahlen die Patienten, nämlich mit ihrem Leben." Seine Mutter starb an Lungenkrebs, sechs Monate nach der Diagnose, weil diese zu spät kam, berichtete er. Röhl forderte gute Registerdaten und die Einbindung von Patientenorganisationen bei der Etablierung des Lungenkrebs-Screenings.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER