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Prozess gegen Sohn von Mette-Marit startet

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Marius Borg Hoiby droht eine lange Haftstrafe
©APA, NTB, HAKON MOSVOLD LARSEN
Es ist der größte Skandal, der das norwegische Königshaus je erschüttert hat: Marius Borg Hoiby, der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, muss sich ab Dienstag wegen Vergewaltigungsvorwürfen, mutmaßlicher Körperverletzung und Drogenvergehen vor Gericht in Oslo verantworten. Insgesamt umfasst die Anklage gegen den aus einer früheren Beziehung der Kronprinzessin stammenden 29-Jährigen 38 Punkte, ihm drohen bis zu 16 Jahre Gefängnis.

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Eine ähnlich große Belastungsprobe habe die königliche Familie in den 120 Jahren ihrer Geschichte noch nie durchgemacht, sagt der Historiker Trond Noren Isaksen. In der Vergangenheit habe das norwegische Königshaus Kontroversen über die Wahl von Ehepartnern, über Palastrenovierungen oder ähnliche vergleichsweise harmlose Fragen erlebt, "aber nie echte Skandale mit Straftaten, und dann auch noch so vielen", schildert der Geschichtswissenschaftler.

Zu den schwersten Vorwürfen der Anklage gehören vier mutmaßliche Vergewaltigungen sowie die körperliche und psychische Misshandlung mehrerer früherer Partnerinnen. Hoiby selbst hat sich bisher öffentlich nur einmal zu den Vorwürfen geäußert, nachdem er wegen des Vorwurfs festgenommen worden war, in der Wohnung seiner damaligen Freundin randaliert und die Frau misshandelt zu haben.

Damals räumte er ein, unter dem Einfluss von Kokain und Alkohol gehandelt zu haben und seit langem Drogenprobleme zu haben. Die nachfolgenden Ermittlungen der Polizei förderten zahlreiche weitere Vorwürfe gegen Hoiby zutage. So soll er vier Frauen vergewaltigt haben, während diese schliefen oder betrunken waren. Den Ermittlern liegen nach eigenen Angaben Videos und Fotos vor, welche die Vorwürfe untermauern.

Vorgeworfen wird Hoiby zudem Gewalt, Vandalismus sowie Verstöße gegen ein Kontaktverbot zu einer Ex-Partnerin. Erst vor wenigen Tagen kamen weitere Anklagepunkte wegen Drogen- und Verkehrsdelikten hinzu.

Die Königsfamilie ist durch den Skandal in Bedrängnis geraten, vor allem die an einer unheilbaren Lungenkrankheit leidende Prinzessin Mette-Marit ist im Zwiespalt zwischen ihren Rollen als Mutter und künftige Königin. "Wir denken viel an die Betroffenen in dieser Affäre", erklärte Kronprinz Haakon am Mittwoch. Der Sohn von König Harald V. und Königin Sonja zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass die Justiz in dem Fall auf die "denkbar geordnetste, korrekteste und gerechteste Weise" vorgehen werde.

Staatsanwalt Sturla Henriksbo versicherte vor dem Prozess, vor dem Gesetz seien alle Angeklagten gleich - "unabhängig von ihrem sozialen Status, ihrer Herkunft oder Familienverbindungen". Das bedeute, dass Hoiby "weder sanfter noch strenger" als andere Verdächtige behandelt werde.

Das Image der königlichen Familie hat unter dem Hoiby-Skandal gelitten. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage sprachen sich 70 Prozent der befragten Norwegerinnen und Norweger für die Beibehaltung der Monarchie aus, ein Rückgang um elf Prozentpunkte gegenüber den 81 Prozent Zustimmung im Jahr 2017. "Die Leute haben Mitleid mit dem alternden Königspaar, das mit dieser Affäre absolut nichts zu tun hat", erklärt der Autor Carl-Erik Grimstad die immer noch große Beliebtheit des Königshauses.

Zum Prozessauftakt am Dienstag werden zahlreiche Journalisten erwartet. Offenbar will Hoiby in dem Verfahren aussagen: Er "hebt sich seine Sicht der Dinge für das Gericht auf", erklärten seine Anwälte. Der Prozess soll laut bisheriger Planung bis zum 19. März dauern, erst einige Wochen später wird das Urteil erwartet.

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