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Keine Entwarnung für von Erdrutsch bedrohten Ort Niscemi

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Ein Teil des bereits abgerutschten Hügels mit Häusern am Abhang
©AFP, APA, MARCO BERTORELLO
Keine Entwarnung für die von einem Erdrutsch bedrohte Stadt Niscemi im Süden Siziliens: In der ausgewiesenen roten Zone seien weiterhin laute Grollgeräusche zu hören, die darauf hinwiesen, dass sich der Boden noch talwärts bewege, hieß es am Freitag. Der massive Erdrutsch übertrifft nach Angaben des Chefs des italienischen Zivilschutzes, Fabio Ciciliano, sogar das Ausmaß der Vajont-Katastrophe von 1963, eine der größten Naturkatastrophen, die sich je in Europa ereignet habe.

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Am 9. Oktober 1963 löste sich in den Alpen bei Belluno in der Region Venetien eine Flanke vom Berg Toc. 263 Millionen Tonnen Fels und Gestein stürzten in den Vajont-Stausee und lösten eine Flutwelle aus, die fast 2.000 Menschen tötete. In Niscemi seien rund 350 Millionen Kubikmeter Gestein ins Rutschen geraten - deutlich mehr als die 263 Millionen Kubikmeter beim Unglück am Vajont, erklärte Ciciliano.

Seit dem Wochenende sackt der Boden in Teilen des Gebiets von Niscemi im Süden der italienischen Mittelmeerinsel ab. Der äußere Teil der Stadt liegt direkt am Abhang und droht weiter abzurutschen. Mehr als 1.500 Menschen mussten laut Behörden bereits ihre Häuser verlassen. Viele von ihnen werden voraussichtlich nicht mehr in ihre Wohnungen zurückkehren können. Die Situation wird von den Behörden als kritisch eingestuft.

Die Regierung plant eine Untersuchung zu den Ursachen des Erdrutsches in Niscemi. Zivilschutzminister Nello Musumeci sprach von möglichen Versäumnissen bei Kontrollen und kündigte an, am kommenden Mittwoch im Parlament über den Fall Bericht zu erstatten. Die Linkspartei Avs forderte den Rücktritt des Zivilschutzministers und warf ihm vor, trotz vorliegender Unterlagen, die auf die gefährliche Lage in Niscemi hingewiesen hätten, untätig geblieben zu sein.

Vize-Ministerpräsident und Infrastrukturminister Matteo Salvini wies Forderungen der Opposition zurück, Mittel für den geplanten Bau der Mega-Brücke zwischen Kalabrien und Sizilien umzuschichten, um die von schweren Unwettern auf Sizilien betroffene Bevölkerung zu unterstützen. "Die Gelder für die Brücke werden nicht angetastet, wir finden andere", sagte Salvini.

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