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SOS-Kinderdorf bestand Sonderprüfung von Land Oberösterreich

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In Altmünster gab es Vorwürfe gegen die Standortleitung
Das Land Oberösterreich hat nach den Vorwürfen gegen SOS-Kinderdorf eine Sonderprüfung durchgeführt. Laut den Ergebnissen, die Landesrat Martin Winkler (SPÖ) am Dienstag präsentierte, haben sich in den vergangenen Jahren keine Hinweise darauf ergeben, dass es sexuelle oder physische Übergriffe bzw. Vertuschung derartiger Vorfälle gegeben habe. Unterm Strich sieht man in den Einrichtungen im Bundesland einen "sicheren Ort".

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Im Herbst des Vorjahres war die Standortleitung im SOS-Kinderdorf Altmünster zwischenzeitlich freigestellt worden. Vorwürfe eines früheren Bewohners - es ging um entwürdigende Umgangsformen und körperliche Übergriffe - haben sich aber nicht erhärtet und mittlerweile ist der Mann wieder im Amt. Zudem gab es in Altmünster ältere Vorfälle aus den 1980er- und 1990er-Jahren oder noch länger zurückliegend, in denen Entschädigungen bezahlt wurden. Hier hat sich die Kinder- und Jugendhilfe vergewissert, dass niemand der Betroffenen mehr im Amt ist - dies war auch nicht der Fall.

Aber auch über die aktuelle Situation wollte man sich beim Land selbst ein Bild machen, man habe ja nicht gewusst, ob auch der Jugendhilfe gegenüber "Krisenkommunikation" angewendet werde, so der Landesrat. SOS-Kinderdorf ist für das Land ein wesentlicher Partner in der institutionellen Betreuung von Kindern und Jugendlichen, der nicht leicht zu ersetzen wäre: Aktuell werden in Altmünster und Rechberg insgesamt 89 Kinder betreut. Insgesamt sind in Oberösterreich rund 950 Kinder und Jugendliche im institutionellen Bereich (ohne Pflegefamilien) untergebracht.

Schwerpunktmäßig hat man sich u.a. angesehen, ob die Mitarbeitenden über die erforderlichen Berufsqualifikationen verfügen, ob Strafregisterbescheinigungen vorliegen, ob es niederschwelligen Zugang zu Meldesystemen gebe, ob die Schutzkonzepte ausreichend sind bzw. in der Praxis ausgelebt werden, und wie es um die Fehlerkultur bestellt ist. Die Aufsichtsberichte wurden im Licht des heutigen Wissens um die in den vergangenen Monaten bekanntgewordenen Missstände noch einmal durchgeackert und es gab Vor-Ort-Termine mit Gesprächen mit Kindern und Mitarbeitenden, erläuterte Theresia Schlöglmann, Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe, die Vorgehensweise.

Fazit der Prüfung: Es haben sich keine Hinweise auf Verletzung der sexuellen Integrität, auf sexuellen Missbrauch, auf physische Gewalt, systematische Anwendung unangemessener Erziehungsmethoden oder Vertuschung ergeben. Es gebe vor Ort einen niederschwelligen Zugang zu Meldestellen - von Plakaten mit Kontakten zur Kinder- und Jugendanwaltschaft über eine Kummerbox bis hin zu Vertrauenspersonen, schilderte Reinhold Rampler, stellvertretender Leiter der Kinder- und Jugendhilfe, die Situation. "Dass man pädagogisch immer nachbessern kann, ist klar. Aber das wichtigste Anliegen ist, dass es ein sicherer Ort ist." Und das sieht man bestätigt. Die Kinder- und Jugendhilfe biete zudem die einrichtungsübergreifende Initiative "Moverz" an, in der sich Jugendliche aus verschiedenen Einrichtungen vernetzen können.

"Wir begrüßen die Ergebnisse der Sonderprüfung und sehen darin eine wichtige Bestätigung unserer Arbeit", so SOS-Kinderdorf in einer Reaktion. "Viele der heute geltenden Standards in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen bei SOS-Kinderdorf sind nicht erst in den letzten Monaten entstanden, sondern das Ergebnis einer kontinuierlichen Weiterentwicklung über viele Jahre hinweg. Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen", wurde betont.

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