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Der Klimawandel verändert den globalen Wasserkreislauf. Man geht grob davon aus: Regionen, die heute bereits eher trocken sind, werden tendenziell noch trockener, während feuchte Regionen häufig mehr Niederschlag erhalten - mit regional unterschiedlichen Entwicklungen. Veränderungen in Wasserspeichern oder im Grundwasser werden über moderne geowissenschaftliche Prognosetools detektiert. Kombiniert mit "großskaligen Klimamustern" können so Trocken- und Dürreperioden teilweise Wochen bis Monate im Voraus abgeschätzt werden, heißt es in einer Aussendung des Austria Center Vienna anlässlich der am Sonntag dort startenden EGU-Generalversammlung (bis 8. Mai). "Neue Analysetools helfen, in wasserlimitierten Regionen bessere wasserwirtschaftliche Entscheidungen treffen zu können", wird der Klima- und Umweltwissenschafter Christof Lorenz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zitiert.
Im Bereich der mittelfristigen oder "saisonalen" Prognose hat es jüngst große Fortschritte gegeben, meint auch Blöschl gegenüber der APA. Bei kurzfristigen meteorologischen Prognosen nutzt man die Kenntnisse zum Zustand der Atmosphäre. Für längere Vorhersagen braucht es aber größere klimatische Modelle, etwa zur Kopplung von Ozeanen und Atmosphäre: "Hier ist die Vorhersagegüte viel geringer. Aber an dem wird jetzt tatsächlich viel gearbeitet", so der Forscher der Technischen Universität (TU) Wien und ehemalige EGU-Präsident.
Fortschritte bei der meteorologischen Mittelfristvorhersage ermöglichen z.B. traditionelle Wettervorhersagemethoden, "die länger gerechnet werden, aber auch ihre Kombination mit Künstlicher Intelligenz. Darüber gibt es eine gewisse Steigerung der Vorhersagegüte", so Blöschl: "Es ist keine Revolution, die alles möglich macht. Aber eine Verbesserung kann man sehen - was wichtig ist, da dies ja von allgemeinem Interesse ist."
Die Vorhersage einer Dürre oder eines Hochwassers macht dabei einen Unterschied: Ein lokales Hochwasser dauere typischerweise eine oder zwei Stunden, ein europaweites vielleicht zwei bis drei Tage. Eine ausgeprägte Trockenheit könne Monate dauern. "Um eine Dürre vorherzusagen, braucht man definitionsgemäß längere Vorhersagezeiten. Eine Fünf-Tages-Prognose ist hier nicht so richtig brauchbar", so Blöschl.
Doch über die verbesserte saisonale Vorhersage werden letztlich eben auch Dürreereignisse "insbesondere in den Tropen und Subtropen" besser absehbar, so Lorenz in der Aussendung. Wie Forschungsprojekte, an denen der Wissenschafter beteiligt war, bereits zeigten, konnten beispielsweise Wasserressourcen in wasserarmen Regionen wie Iran, Sudan, Brasilien, Ecuador und Westafrika durch entsprechende Analysen früher und gezielter geplant und verteilt werden.
Für den Hydrologen Blöschl stellt sich aber im Umgang mit Prognosen noch eine prinzipielle Frage: Wie in der Praxis mit der Unsicherheit umgehen? Ziel ist es natürlich, die Prognoseunsicherheiten bestmöglich zu reduzieren, um letztlich präventiv handeln zu können: "Aber sie bleibt. Je weiter man vorhersagt, desto größer ist sie." In der Erwartung eines Ereignisses wie etwa eines Hochwassers stelle sich also zugleich die Frage, von welchem Szenario man ausgeht - "sicherheitshalber vom größeren Wasserstand oder vom kleineren?" Das Gleiche gelte für Dürren. Hier gehe es letztlich darum zu entscheiden, ob man das Ereignis zu klein oder zu groß spielt - und mit Blick auf entstehende Kosten spiele das eine große Rolle. "Da haben wir ja nicht nur ökonomische Schäden, sondern natürlich auch Personenschäden. Wie bewertet man diese?"
Das könnten nicht die Geowissenschaften entscheiden, sondern müsse politisch entschieden werden, so Blöschl, der das noch bis Ende September laufende Projekt "Kliwas" im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums leitet. Hier geht es darum, die Auswirkungen des Klimawandels auf Österreichs Wasserwirtschaft mit neuesten Daten und Methoden abzuschätzen und Vorschläge für Anpassungsmaßnahmen zu bewerten.
"Natürlich gibt es auch hier Unsicherheiten, aber wir wissen inzwischen auch sehr viel darüber, wie sich der Wasserhaushalt verändert hat", so Blöschl. Das liege auch an einer guten, 130-jährigen Datenbasis für die Alpenrepublik. Das habe ihm und Kollegen etwa auch ermöglicht, mit einer Studie zu der Entwicklung von Starkregenereignissen in Österreich seit 1980 (haben sich deutlich verstärkt) in dem renommierten Fachblatt "Nature" zu erscheinen (https://dx.doi.org/10.1038/s41586-025-08647-2): "In Nature publiziert man normal keine nationalen Studien", so der Forscher.
In den Geowissenschaften "wie in allen Wissenschaften" gehe es derzeit um "digitale Transformation". Zum einen gehe es hier um den Umgang mit den Datenmengen in technischer Hinsicht, so Blöschl: "Meines Erachtens ist das aber nicht das Hauptproblem. Das ist vielmehr der 'Governance'-Aspekt: Wem gehören die Daten? Wie werden sie zur Verfügung gestellt? Wie gleicht man die Interessen aus?"
Auch dies wird wohl Stoff für die alljährlich in Wien stattfindende EGU-Tagung - quasi das Gipfeltreffen der Geowissenschafterinnen und Geowissenschafter - bieten, die zuletzt rund 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählte.
(S E R V I C E - EGU 2026 von 3. bis 8. Mai in Wien: https://www.egu26.eu/ )
06.04.2026, Baden-Württemberg, Dürmentingen: Einzelne Wolken ziehen am Himmel über einem Feld. Foto: Thomas Warnack/dpa +++ dpa-Bildfunk +++






