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Privatausgaben für Unterricht sind für Lehrer üblich

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Nicht alle Lehrerausgaben werden ersetzt
©APA, Themenbild, Daniel Karmann
In Österreich ist es die Norm, dass Lehrkräfte Materialien für den Unterricht aus eigener Tasche bezahlen, zeigt eine aktuelle Online-Umfrage von Österreichischem Schulbuchverlag (öbv) und Universität Linz mit rund 2.000 Teilnehmenden. Im Median geben sie pro Jahr 300 Euro aus, nur ein Prozent investiert nie Privatgeld in die Arbeit. Studienautor Christoph Helm (Uni Linz) sieht die Ergebnisse als Hinweis, dass es Schulen teils an notwendigen Materialien und Ausstattung fehlt.

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Unabhängig von Schultyp, Bundesland oder Zusammensetzung der Schülerschaft am Standort finanziere eine deutliche Mehrheit der Pädagoginnen und Pädagogen zumindest einen Teil der benötigten Unterrichtsmaterialien selbst, vor allem an den Pflichtschulen (v.a. Volks- und Mittelschulen), heißt es im Projektbericht zur annähernd repräsentativen Erhebung. Dabei geht es laut öbv-Aussendung entweder um Ausgaben, die im Schulsystem nicht vorgesehen sind, oder eine Vielzahl von Kleinstbeträgen, die nicht abgerechnet werden können.

Über alle Schultypen hinweg stecken die meisten Befragten (77 Prozent) Geld in Materialien, die unmittelbar in den Schulstunden eingesetzt werden - etwa Arbeitshefte oder Kopiervorlagen. In den Volksschulen besorgen sogar 91 Prozent auf eigene Kosten zusätzliche Lernmaterialien. 61 Prozent schaffen privat digitale Geräte an, die sie für die Arbeit brauchen. Vier von zehn kaufen Material zur Schularbeitsvorbereitung bzw. Lernstandserhebung oder digitale Tools wie Lern-Apps.

Häufig genannt werden auch Ausgaben für Unterrichts- und Büromaterialien wie Stifte oder Papier und Kleber. In den naturwissenschaftlichen Fächern, Kunst, Werken oder Musik werden laut Befragung regelmäßig von Lehrkräften Materialien etwa für Versuche oder Projekte zugekauft. Auch Arbeitsgeräte wie Drucker und Laminiergeräte finanziert demnach ein Teil der Lehrerinnen und Lehrer privat, weil entsprechende Geräte in der Schule nicht verfügbar oder zugänglich sind - für die Studienautoren ein Indiz für ein "strukturelles Ressourcenproblem".

Zahlreiche Befragte schaffen laut Umfrage auch zusätzliche Möbel und Dekoration für das Klassenzimmer oder Zusatzmaterialien wie Bücher, Pausenspiele und Lärmschutzkopfhörer an. Für Klassenlehrerinnen oder Klassenvorstände fallen zusätzlich Kosten für kleine Geschenke und Gesten bei diversen Anlässen wie Geburtstagen, Ostern oder Schulschluss an, die dem Projektbericht zufolge oft nicht über die Schule abgerechnet werden können. Einige Lehrkräfte haben darin auch angegeben, dass sie Kindern mit wenig Geld Schulmaterial oder eine Jause besorgen.

Der größte Teil der befragten Lehrkräfte (39 Prozent) gibt pro Jahr bis zu 200 Euro für berufliche Dinge aus, weitere 35 Prozent zwischen 201 und 600. Ein Viertel investiert noch mehr, eine ganz kleine Gruppe sogar bis zu mehreren tausend Euro.

Zwar seien nicht alle genannten Ausgaben für den Unterricht zwingend nötig, wurde in einer Aussendung des öbv betont. Wenn aber grundlegende Arbeitsmittel, digitale Infrastruktur oder Lehr- und Lernmaterialien privat finanziert werden müssen, verlagere sich die finanzielle Verantwortung schleichend auf die Schultern der Lehrkräfte. "Wenn private Beiträge zur stillen Voraussetzung für guten Unterricht werden, braucht es eine ehrliche Diskussion über die Ausstattung unserer Schulen", forderte öbv-Geschäftsführer Philipp Nussböck. Die Qualität von Bildung dürfe nicht vom privaten Geldbörsl der Lehrperson abhängen.

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