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Rabady ist ehemalige Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM), lehrt in Krems und ist Mitglied im Obersten Sanitätsrat. Das von manchen Fachärzte-Vertretern hochgehaltene Ideal der "freien Arztwahl" sieht sie kritisch, denn davon habe man nichts, wenn man Monate auf einen Termin warten und dann noch privat dafür bezahlen müsse. Gleichzeitig lehnt sie aber auch eine auf ein "Maßnähmchen" reduzierte Gesundheitsreform ab, in der die praktischen Ärzte auf die Torwächterrolle reduziert werden.
Zweifellos brauche es ein an Primärversorgung orientiertes System, "nur haben wir inzwischen gelernt, dass es nicht egal ist, wie das organisiert ist", sagte sie: "Uns einfach als Wauwau, als Schrankenwärter hinzusetzen, das funktioniert nicht." Die Primärversorgung biete den Menschen viel mehr, von der Beratung und Diagnostik bis zur Versorgung. 70 bis 90 Prozent der Patienten, auch chronisch Kranke, seien in der Allgemeinmedizin gut versorgt.
Für Rabady ist klar, dass es dafür ein Paket an Begleitmaßnahmen benötigt. Es brauche eine gut ausgebildete Praxisassistenz, die den Ärztinnen und Ärzten administrative Aufgaben abnehmen könne. Dazu komme ein verpflichtender Informationsaustausch mit allen Partnern, und die Finanzierung müsse so aufgestellt sein, "dass die Honorierung nicht handlungsleitend wird". Dann könne man als Generalistinnen und Generalisten die Patienten mit ihren oft unklaren Symptomen, Sorgen und Ängsten durch das System leiten, statt sie von Spezialisten zu Spezialisten ziehen zu lassen.
Lernen solle man dabei von internationalen Vorbildern. In Skandinavien und Großbritannien sei "alles falsch gelaufen", weil man dort durch ständig wechselnde Ansprechpartner die persönliche Kontinuität ruiniert habe. Orientieren will sich Rabady eher an den Niederlanden und vor allem Deutschland, wo sich Patienten bei einem Arzt einschreiben und verpflichten, sich primär dort ärztliche Hilfe zu holen.
Nicht festlegen wollte sich die Ärztin, mit welchen Anreizen man die Menschen zur Annahme eines solchen Systems bringen könnte. Aus ihrer Sicht sollten sich das Ärztekammer und Politik ausmachen. "Meine persönliche Meinung ist, dass der Aufstand groß sein wird, wenn man Herrn und Frau Österreicher zwingt", meinte Rabady.





