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ORF-Wahl: Bewerber Breitenecker glaubt an "sehr gute Chance"

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Markus Breitenecker ist zuversichtlich, nächster ORF-Chef zu werden
©APA, HANS KLAUS TECHT
Markus Breitenecker will einen "souveränen ORF" mit klarem Fokus auf den Public-Value-Auftrag, einer wirtschaftlich soliden Basis, einer guten Unternehmenskultur und einer technologischen Vorreiterrolle. Das erklärte der Bewerber für den ORF-Generaldirektorenposten am Freitag bei einer Pressekonferenz. Seine Chancen, bei der Wahl am 11. Juni als Sieger hervorzugehen, stuft er als "sehr gut" ein.

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Breitenecker, der maßgeblich am Aufbau der größten Privatsendergruppe des Landes in Form von ProSiebenSat.1Puls4 beteiligt war, stellt sein knapp 145-seitiges Konzept - "ein fettes Buch" - unter den Titel "Ein souveräner ORF. Vom Marktführer zum Marktmotor". Darin beschreibt er den ORF als "zentralen Hebel", um die mediale Souveränität Österreichs in Zeiten von Big-Tech-Giganten und deren Streaming- und Social-Media-Plattformen zu behaupten.

Ein zentraler Aspekt von Souveränität sei, Qualitätsjournalismus im Sinne des Gemeinwohls zu liefern. Es brauche "unabhängige, starke Redaktionen, die unparteiisch, ausgewogen und angstfrei arbeiten können", stellte der 57-jährige Wiener klar. Um souverän arbeiten zu können, brauche es aber eine wirtschaftlich solide Basis. "Je näher beim Zuschauer, desto weniger sparen", sieht er große Kürzungen im Programmbudget skeptisch. Sender und wesentliche Programmsäulen sollen erhalten bleiben. Viel mehr müsse in dahinterstehenden Prozessen angesetzt werden, um diese effizienter zu gestalten und Synergien zu heben. ORF III selbst stellt er nicht in Frage, aber es ließe sich darüber diskutieren, ob man den Spartensender wirklich als eigenes Tochterunternehmen führen müsse, merkte er an. Dass drohende weitere Sparpaket in Höhe von 80 bis 90 Mio. Euro pro Jahr für den ORF - die Regierung wälzt entsprechende Pläne - bezeichnet er als "extrem hart". Es zu stemmen, sei aber "nicht unmöglich".

Breitenecker ortet noch Potenzial auf der Einnahmenseite - nicht mit Blick auf die Gebühren, die den Großteil der Einnahmen ausmachen, sondern im kommerziellen Bereich. Auf internationaler Ebene sei "noch einiges möglich, um die Einnahmen zu erhöhen", sagte Breitenecker mit Blick auf die BBC, die 30 Prozent durch kommerzielle internationale Tätigkeiten generiere. Apropos international: Der Medienmanager will, sollte er gewählt werden, in Kooperation mit weiteren Mitgliedern der European Broadcasting Union (EBU) eine europäische Streamingplattform etablieren. Arbeitstitel: "Eurovision Play".

In Österreich will er den Fokus auf die bestehende Streamingplattform ORF ON legen. Sie müsse "zentrale Plattform und Dachmarke" werden - als Teil einer "echten Transformation vom Broadcaster zur Public-Service-Streamingplattform mit intensiver Bürgerbeteiligung und -dialog". "Ich weiß, das steht in vielen Sonntagsreden und Konzepten, aber ich habe in den vergangenen Jahren nachweisen können, dass man Transformation tatsächlich umsetzen kann", sagte Breitenecker mit Blick auf die Plattform Joyn aus dem Hause ProSiebenSat.1Puls4.

Der ORF ist wie viele andere Sender auch auf Joyn vertreten. Diese Grundidee eines gemeinsamen Players findet er nach wie vor gut. Er verstehe aber auch die Kritik an Joyn. "Man will nicht abhängig sein von der alleinigen Entscheidung eines Privaten", sagte er. Würde der ORF eine gemeinsame Plattform führen, würde nicht nach kommerzieller Logik, sondern nach Public-Value-Logik operiert werden - "langfristig, verlässlich, diskriminierungsfrei", sprach sich Breitenecker für einen nationalen Player unter ORF-Führung aus. Auch auf der "blauen Seite" ORF.at - "ein schwieriges und umkämpftes Gebiet" - könnten sich Möglichkeiten bieten, den Interessen und Geschäftsmodellen der Privatmedien zu helfen.

Kooperation, auf die er pocht, solle dabei nicht als Schwächung des ORF verstanden werden. "Kooperation bedeutet, einen souveränen ORF zu haben, der so agiert, dass Private auch etwas davon haben". Der ORF müsse ein "Ermöglicher und Stabilisator" für einen starken österreichischen Medienstandort sein. Kooperationen sollen auch im Technik-, im Forschungs- und Entwicklungs- und im Vermarktungsbereich umgesetzt werden. "Journalistischen Einheitsbrei" will er aber nicht, sondern das "Prinzip des Binnenpluralismus" und redaktionelle Vielfalt aufrechterhalten.

Nach den Turbulenzen rund um den Rücktritt von Roland Weißmann von der ORF-Spitze will Breitenecker eine bessere Unternehmenskultur im ORF etablieren. Er will eine "psychologische Sicherheitszone" für Mitarbeiter, in der Arbeiten ohne Angst vor Interventionen, Belästigungen oder Machtmissbrauch möglich sei.

Zur Direktionsstruktur hielt er sich bedeckt. "Es gibt keine beste Lösung", sondern nur "mehrere Varianten", die er mit den ORF-Stiftungsräten diskutieren wolle. Auf politische Befindlichkeiten will er keine Rücksicht nehmen. "Parteien haben nichts mitzureden. Das müssen wir hoffentlich mittlerweile gelernt haben, dass unabhängige Stiftungsräte entscheiden. Zurufe sind nicht förderlich", so Breitenecker. Überhaupt sei es nicht im Sinne des Prozesses, wenn er jetzt für sein potenzielles Direktionsteams schon ein fertiges Paket geschnürt hätte. Sollte er gewählt werden, will er die "besten Leute" finden, sagte er.

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