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Die libanesische Armee berichtete am Nachmittag vom "größten koordinierten Angriff" seit dem Wiederaufflammen des Konflikts mit der Hisbollah Anfang März. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete mindestens 89 Tote und mehr als 700 Verletzte. Demnach sind noch Menschen unter Trümmern nach Angriffen verschüttet. Auch aus einem Krankenhaus hieß es, die Klinik behandle eine große Zahl von Opfern.
Israels Armee berichtete am Nachmittag, sie habe innerhalb von zehn Minuten in der libanesischen Hauptstadt Beirut, im Osten sowie im Süden des Nachbarlandes mehr als 100 Kommandozentralen und Militärstützpunkte der Hisbollah ins Visier genommen worden. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem "Überraschungsangriff", der Hunderte Hisbollah-Mitglieder getroffen habe. Rund 50 Kampfjets seien beteiligt gewesen. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, es habe mehr als 150 Angriffe gegeben, viele in Beirut. Auf Aufnahmen waren mehrere Rauchschwaden über der Stadt zu sehen.
Das israelische Außenministerium stellte die Angriffe als Notwendigkeit dar und übte diesbezüglich scharfe Kritik an der politischen Führung des Nachbarlandes. ese schäme sich nicht, "Israel dafür anzugreifen, dass es genau das tut, was sie selbst hätten tun sollen: gegen die Hisbollah vorzugehen", hieß es in einem Post des Außenministeriums auf der Plattform X. Die libanesische Führung habe die Vereinbarungen der Waffenruhe im Gaza-Krieg nicht eingehalten. "Sie haben die Hisbollah nicht entwaffnet. Sie haben es nicht getan und verhindern es auch nicht, dass sie auf Israel schießt."
In einer Mitteilung der Hisbollah hieß es, die Angriffe hätte Zivilisten im gesamten Libanon gegolten. Die Organisation verurteilte die Angriffe als "barbarische Aggression" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Sie seien ein Zeichen der Schwäche Israels gegenüber den "Angriffen des Widerstands" im Libanon. Die Organisation kündigte Vergeltung an.
Augenzeugen berichteten von Chaos, Menschen rannten auf den Straßen, Kinder schrien. Viele Menschen aus der Hauptstadt Beirut machten sich demnach auf den Weg in den Norden. Krankenhäuser im Land riefen Menschen dazu auf, Blut zu spenden. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur meldete Chaos in den Kliniken in der Hauptstadt Beirut.
Das libanesische Gesundheitsministerium rief die Bürger im Land angesichts von massiven Staus dazu auf, Wege für Rettungswagen freizumachen. Das Libanesische Rote Kreuz teilte mit, mehr als 100 Rettungswagen seien auf den Straßen unterwegs, um Verletzte in Krankenhäuser zu bringen.
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte, Israels Angriffe hätten dicht besiedelte Wohngebiete getroffen und in mehreren Gebieten, insbesondere in Beirut, unbewaffnete Zivilisten getötet.
Israels Armee sagte, ein Großteil der angegriffenen Hisbollah-Infrastruktur habe sich inmitten ziviler Wohngebiete befunden. Die Armee habe vor den Angriffen Schritte unternommen, um Unbeteiligte zu schonen. Der israelische Militärsprecher Nadav Shoshani sagte am Nachmittag, die Hisbollah halte sich inzwischen in Gebieten im Libanon auf, die bisher nicht als ihre Hochburgen galten. "Das ist Teil ihrer Strategie."
Die Angaben ließen sich zunächst allesamt nicht unabhängig überprüfen.
Der israelische Verteidigungsminister Katz sagte in einer von seinem Büro verbreiteten Videobotschaft, es habe sich um den "schwersten konzentrierten Schlag" gegen die Hisbollah seit dem September 2024 gehandelt. Damals waren zeitgleich Tausende tragbare Funkempfänger und Walkie-Talkies im Libanon explodiert, Dutzende Menschen wurden getötet und Tausende verletzt. Überwiegend handelte es sich um Mitglieder der Hisbollah-Miliz, aber es kamen auch Zivilisten zu Schaden.
Zuvor hatte es zu den Auswirkungen der Waffenruhe auf den Libanon unterschiedliche Angaben gegeben. Die Hisbollah-Miliz teilte mit, ihre Angriffe auf Israel auszusetzen. Israel sah den Libanon nicht von der Vereinbarung umfasst. Auch Israel ist in der Nacht weiter unter Raketenbeschuss gestanden. US-Präsident Donald Trump stützte die israelische Darstellung am Mittwoch. Die Waffenruhe umfasse nicht den Libanon, sagte er dem Sender PBS.




