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Am Abend treffe die Delegation in Islamabad ein, "um ernsthafte Gespräche auf der Grundlage der vom Iran vorgeschlagenen zehn Punkte zu führen". Die Waffenruhe im Iran-Krieg hatte zuvor schon am ersten Tag ordentlich gewackelt. Nach den heftigen israelischen Angriffen auf den Libanon hat der Iran die Straße von Hormuz wieder vollständig geschlossen. Mehrere des vereinbarten Zehn-Punkte-Plans seien bereits verletzt worden. Ein bilateraler Waffenstillstand oder Verhandlungen seien unter diesen Umständen "nicht sinnvoll", hieß es aus dem Iran.
US-Präsident Donald Trump will die amerikanischen Truppen bis zum Abschluss eines Friedensabkommens mit dem Iran im Nahen Osten belassen und hatte im Falle eines Scheiterns mit einer massiven militärischen Eskalation gedroht. Schiffe, Flugzeuge und Personal würden mit zusätzlicher Munition und Waffen vor Ort bleiben, um notfalls "einen erheblich geschwächten Feind" zu zerstören, erklärte Trump in einem Beitrag in den sozialen Medien. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass ein dauerhaftes Abkommen erzielt und eingehalten werde.
Großbritannien forderte unterdessen eine gebührenfreie Schifffahrt durch die Straße von Hormuz. "Die grundlegenden Freiheiten der Meere dürfen nicht einseitig entzogen oder an einzelne Bieter verkauft werden", sagte Außenministerin Yvette Cooper laut im Voraus veröffentlichten Auszügen aus einer Rede. Damit stellte sie sich den Bestrebungen des Iran entgegen, die Meerenge zu kontrollieren und künftig Gebühren für die Durchfahrt zu erheben.
Vor dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran galt die Meerenge formell als internationales Gewässer. Etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und Gases wird durch die Wasserstraße transportiert. Es dürfe keinen Platz für Mautgebühren auf einer internationalen Wasserstraße geben, sagte Cooper. Zudem schloss sie sich der Forderung an, die kürzlich zwischen den USA und dem Iran vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe auf den Libanon auszuweiten. Israel hat zuletzt seine bisher schwersten Angriffe auf die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon geflogen.
Für die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist die Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormuz von lebenswichtigem Interesse für ihr Land und die gesamte Europäische Union. "Wir sind nur einen Schritt von dem Punkt entfernt, an dem es kein Zurück mehr gibt, aber jetzt stehen wir vor einer zerbrechlichen Aussicht auf Frieden, die mit Entschlossenheit verfolgt werden muss", sagte Meloni im Parlament. Italien verurteile jede Verletzung der Waffenruhe und fordere ein dauerhaftes Ende der Feindseligkeiten.
Auch Frankreich lehnt eine mögliche Gebühr für die Durchfahrt der Straße von Hormuz entschieden ab. "Das ist nicht akzeptabel", sagte Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot auf eine entsprechende Frage im Sender France Inter. "Denn die freie Schifffahrt in internationalen Gewässern ist ein Gemeingut, ein Gemeingut der Menschheit, das nicht von irgendeiner Behinderung oder einem Durchfahrtszoll gestört werden darf." Barrot sagte, nicht nur Frankreich, sondern niemand würde das akzeptieren, denn es sei illegal. Der Iran müsse das Meeresrecht respektieren.
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) forderte Sicherheitsgarantien für Frachtschiffe, bevor die Durchfahrt der Straße von Hormuz wieder aufgenommen werden kann. "Die angekündigte Waffenruhe und die Aussicht auf eine Öffnung der Straße von Hormuz sind ein wichtiges und hoffnungsvolles Signal", erklärte der Verband am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Derzeit fehlen jedoch noch konkrete und belastbare Angaben dazu, wie eine freie und sichere Passage der Straße von Hormus praktisch sichergestellt werden soll."
Die Sorge vor einem Bruch der Waffenruhe und den hohen geopolitischen Risiken für die Ölversorgung aus dem Nahen Osten trieb die Ölpreise am Donnerstag an. Zudem bezweifelten Investoren, dass die Blockade in der Straße von Hormuz bald aufgehoben werden kann. Am Mittwoch waren die Preise nach der Ankündigung der Waffenruhe noch stark gefallen.
Spanien kündigte am Donnerstag an, seine Botschaft in Teheran wieder zu öffnen. Dies geschehe in der Hoffnung, Frieden im Krieg der USA und Israels gegen den Iran zu erreichen, sagte Außenminister Jose Manuel Albares gegenüber Reportern. "Ich habe unseren Botschafter in Teheran angewiesen, zurückzukehren, seinen Posten wieder anzutreten und unsere Botschaft wieder zu eröffnen, damit wir uns diesen Friedensbemühungen von allen möglichen Seiten anschließen können, auch aus der iranischen Hauptstadt selbst", sagt Albares.
China hofft, dass die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Waffenruhe zu einer dauerhaften Lösung führt. Die "betreffenden Parteien können diese Chance auf Frieden ergreifen und die Region so schnell wie möglich zur Stabilität zurückführen", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Mao Ning, in Peking. China habe die Kommunikation mit allen Seiten aufrechterhalten, sich "aktiv um eine Aussöhnung bemüht und eine weitere Eskalation der Kämpfe verhindert". Peking hoffe zudem, dass die Parteien ihre Differenzen durch Dialog beilegen und auf eine baldige Wiederherstellung des Friedens in der Golfregion hinarbeiten.






