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Am häufigsten genannt wurden in der Umfrage unter den zurückgestellten Projekten Straßen und öffentliche Plätze, gefolgt von Energie- und Gebäudesanierungen, Sport-, Freizeit- und Kultureinrichtungen, Wasser- und Abwasserprojekte, Feuerwehr und Katastrophenschutz sowie Schulen und Kindergärten. Alarmiert zeigte sich Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl, der eine "regelrechte Investitionsbremse" ortete, seien das doch allesamt "keine Luxusprojekte", sondern "Investitionen, die die Menschen im Alltag spüren".
Zudem treffe es kurzfristig auch die lokale und regionale Wirtschaft. "Wenn Gemeinden nicht mehr investieren können, geraten Lebensqualität, Infrastruktur und regionale Wirtschaftskreisläufe unter Druck", so Pressl. 87,1 Prozent der Gemeinden meinten, dass die betroffenen Aufträge überwiegend an Betriebe in der eigenen Gemeinde oder in der Region beziehungsweise im Bezirk vergeben worden wären. Besonders betroffen sind Bauhaupt- und Baunebengewerbe, Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetriebe, Planer, Ziviltechniker, Vermesser sowie Tischlereien.
Auch für das Jahr 2026 sieht der Gemeindebund keine Entspannung. 70,3 Prozent der Gemeinden geben an, dass Investitionen auch im heurigen Jahr bereits verschoben wurden oder dies absehbar ist. Weitere 20,3 Prozent können die Entwicklung derzeit noch nicht abschätzen. Nur rund jede zehnte Gemeinde sagt derzeit, dass keine weiteren Verschiebungen absehbar sind.
Als Hauptgrund für die Verschiebungen führen die Gemeinden fehlende finanzielle Mittel im laufenden Budget an. Dazu kommen hohe Finanzierungskosten, ein zu hoher Eigenmittelbedarf bei Förderprogrammen und Unsicherheit über die weitere Finanzentwicklung. Besonders bei größeren Projekten werden Finanzierungskosten und Kreditbelastungen zu einem zentralen Hemmnis.
Der Gemeindebund fordert daher einen kommunalen Investitions-Turbo, dessen Kern eine Zinsstützung für kommunale Investitionskredite sein soll. Laut Gemeindebund liegt der Bedarf für ein Kreditvolumen in den Jahren des Doppelbudgets bei zwei Mrd. Euro. Die Gemeinden müssten als unmittelbare Auftraggeber der regionalen Wirtschaft mitgedacht werden. "Wenn nun die angekündigten 200 Mio. Euro gezielt für die Zinsstützung kurz- und mittelfristiger kommunaler Infrastrukturkredite eingesetzt würden, könnte der Investitionsimpuls vervielfacht werden", argumentierte Pressl. Der Hebel wäre doppelt wirksam: Gemeinden könnten notwendige Infrastrukturprojekte umsetzen, und regionale Betriebe bekämen rasch zusätzliche Aufträge.
"Die Gemeinden wollen investieren", betonte Pressl: "Sie können Projekte rasch umsetzen, sie sichern Lebensqualität und sie stärken regionale Betriebe." Der Gemeindebund-Präsident forderte "faire Rahmenbedingungen, damit notwendige Investitionen nicht weiter aufgeschoben werden müssen".
An der Blitzumfrage nahmen im Zeitraum 20. bis 27. April 747 Gemeinden teil. Das entspricht rund 36 Prozent aller 2.092 österreichischen Gemeinden. Die Angaben zu Investitionsvolumen und Projektzahl beziehen sich auf die eingegangenen Rückmeldungen. Die österreichweite Dimension von rund 1 Mrd. Euro und mehr als 5.000 Projekten ist eine rechnerische Übertragung dieses Musters auf alle Gemeinden und keine repräsentative Vollerhebung, wie der Gemeindebund in einer Aussendung betonte.
++ THEMENBILD ++ Illustration zu den Themen Baustelle/Wohnbau/Konjunktur/Immobilien/Arbeitsmarkt. Eine Baggerschaufel mit Erdreich, aufgenommen am Donnerstag, 12. März 2026 auf einer Baustelle in Wien.






