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Artenschutzkonferenz in Armenien: 2030er-Ziel am Prüfstand

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Erste globale Bestandsaufnahme der Biodiversitätsstrategien
©Afp, APA, ALBERTO PIZZOLI
Der nächste Schritt zum Erhalt der Biodiversität soll vom 19. bis 30. Oktober 2026 im Laufe der UNO-Artenschutzkonferenz (CBD COP17) in der armenischen Hauptstadt Jerewan erfolgen. Im Zentrum der Konferenz, die unter dem Motto "Taking action for nature" an den Start geht, steht dabei wohl die erste globale Bestandsaufnahme des "30x30"-Ziels. Auf dieses Ziel, bis 2030 insgesamt 30 Prozent der Erde unter Schutz zu stellen, einigten sich die rund 190 Staaten vor vier Jahren.

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Österreich wird bei der alle zwei Jahre stattfindenden UNO-Artenschutzkonferenz durch Bundesminister Norbert Totschnig (ÖVP) vertreten und gehört zur großen Mehrheit der 196 Staaten, die ihre nationale Biodiversitätsstrategie (NBSAPs) samt nationaler Umsetzung eingereicht haben, um die Bestandsaufnahme auch zu ermöglichen. Das vorläufige Ergebnis des daraus erstellten globalen Berichts (State of Biodiversity Action) ist jedoch nicht nur für Umweltschutzgruppen kein gutes: Die Welt ist nicht auf Kurs, warnte auch die UNO-Biodiversitätskonvention selbst im vergangenen August.

Auf den COP17-Präsidenten und armenischen Umweltminister Hambardzum Matevosyan wartet also keine leichte Aufgabe bei den Verhandlungen auf internationaler Ebene, wo die EU wie bei den Klimagipfeln als Verhandlungspartner auftritt. Laut UNO-Generalsekretär António Guterres haben inzwischen zwar fast 90 Prozent der Vertragsstaaten nationale Artenschutzziele, doch ein Zwischenbericht zeige den Unterschied zwischen Ambitionen und Maßnahmen: "Diese schlechten Nachrichten bedeuten, dass der Krieg gegen die Natur noch nicht beendet ist", so Guterres. Ein zentrales Problem ist wie so oft die Finanzierung.

Der Durchbruch für das "30x30"-Ziel erfolgte auf der CBD COP15 2022 in Montreal, wo der Kunming-Montréal-Biodiversitätsrahmen (KMGBF) beschlossen wurde, der sich sowohl auf die Land- wie auch auf die Wasserflächen bezieht. Ebenfalls in Kanada einigten sich die fast 200 Vertragsparteien darauf, dass die finanziellen Hilfen für die Biodiversität in den Entwicklungsländern auf 30 Milliarden US-Dollar (rund 26,8 Milliarden Euro) erhöht werden sollten. Positiv, wenn auch mit Verspätung, endete dann im Vorjahr auch die "Nachfolgekonferenz" in Rom mit der Einigung auf einen mehrjährigen Finanzierungsplan zum Schutz von Natur und Artenvielfalt. Der Kompromiss erfolgte Monate nach einem Misserfolg in Cali in Kolumbien auf der 16. UNO-Konferenz zur biologischen Vielfalt im Jahr davor - und ohne die USA.

Relativ gute Nachrichten gab es Anfang April dieses Jahres, denn da konnte das UNO-Umweltprogramm (UNEP) berichten, dass beim globalen Schutz der Ozeane ein "wichtiger Meilenstein" erreicht wurde: So seien inzwischen zehn Prozent der Weltmeere als geschützte Gebiete ausgewiesen - allerdings sei die Weltgemeinschaft damit noch weit entfernt vom "30x30"-Ziel. Warnende Worte folgten dann im August vonseiten der UNO-Biodiversitätskonvention, die sowohl die Ungleichheit der Länder in Bezug auf das Erreichen der 2030-Ziele unterstrich, wie auch offene Fragen in Bezug auf den "Cali-Fonds" angesprochen wurden.

Zu wenig Fortschritte beim Artenschutz ortete dann vor Beginn der Konferenz in Armenien auch der WWF, der die 2030-Ziele noch in sehr weiter Ferne sieht. Das zeige der globale Fortschrittsbericht zur Umsetzung des Weltnaturabkommens, der auf COP17 ganz oben auf der Tagesordnung steht. Wesentliche Lücken bestehen laut einer WWF-Bewertung bei der Finanzierung, beim Abbau biodiversitätsschädlicher Subventionen und bei der Bekämpfung der Ursachen des Naturverlusts. "Für die Umsetzung des Abkommens gibt es zur Halbzeit ein glattes 'Nicht genügend'. Ohne eine grundlegende Kurskorrektur werden die Regierungen alle globalen Naturschutz-Ziele bis 2030 verfehlen", warnte WWF-Artenschutz-Experte Georg Scattolin.

Als wesentlichen Grund für die drohende Zielverfehlung ortete Greenpeace ebenfalls eine "gewaltige Finanzierungslücke" und forderte die Verhandelnden daher auf, in Armenien auch die nötigen Milliarden für den Schutz unserer Lebensgrundlagen bereitzustellen. Zum Schutz der Ökosysteme einigten sich die Staaten auf die Finanzierung von 700 Milliarden US-Dollar jährlich, so die NGO: 200 Milliarden sollen von den Staaten und 500 Milliarden Dollar durch den Abbau von naturschädlichen Subventionen kommen. Doch die Realität sei ernüchternd, da die Geberländer bisher selbst die versprochenen 20 Milliarden US-Dollar bis 2025 meilenweit verfehlen würden. Greenpeace kritisiert insgesamt "vage Versprechen und marktbasierte Scheinlösungen" als bremsende Faktoren.

Rund ein Viertel der Tier- und Pflanzenarten gelten global als vom Aussterben bedroht. "Wenn die Artenvielfalt kollabiert, verlieren wir nicht nur faszinierende Tiere und Pflanzen. Wir zerstören die Quellen für unser sauberes Wasser, unsere frische Luft und gesunde Nahrung. Die Artenkrise ist keine abstrakte Umweltdebatte, wir vernichten damit unsere eigene Lebensgrundlage", warnte Ursula Bittner, Biodiversitätsexpertin bei Greenpeace Österreich. Der Schrumpfprozess der weltweit erfassten Wildtierpopulationen seit 1970 hält jedenfalls an, der Rückgang lag seither im Durchschnitt bei 73 Prozent, wie aus dem neuen Living Planet Report des WWF hervorgeht. Dieselben Systeme, die das Wirtschaftswachstum vorantreiben, würden demnach den Verlust der Natur beschleunigen.

Die Biodiversitätskrise bei Tieren und Pflanzen hat laut UNO-Umweltprogramm (UNEP) fünf vom Menschen verursachte Gründe: die Zerstörung von Lebensräumen, die Übernutzung von Ressourcen wie Wasser, den Klimawandel, die Ausbreitung invasiver Arten und die Umweltverschmutzung. Chemikalien und Abfälle seien ein wesentlicher Faktor für den Wandel der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme und hätten besonders verheerende direkte Auswirkungen auf Süßwasser- und Meereslebensräume. Pflanzen- und Insektenpopulationen gehen infolge des anhaltenden Einsatzes hochgefährlicher, nicht selektiver Insektizide zurück, so die UNEP.

Die negativen Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf die Artenvielfalt sind wissenschaftlich gut belegt, hieß es dazu von Global 2000. Vor diesem Hintergrund vereinbarte die Staatengemeinschaft 2022 bei der COP15, das Gesamtrisiko durch Pestizide und hochgefährliche Chemikalien bis 2030 mindestens zu halbieren (Ziel 7). Bei der bevorstehenden COP17 steht auch die erste globale Überprüfung dieser Umsetzung an.

Das Sekretariat der UNO-Biodiversitätskonvention erläutert laut der NGO ausdrücklich, warum absolute Pestizidmengen zur Beurteilung des Risikos nicht ausreichen: "So können manche Pestizide in großen Mengen eingesetzt werden und dabei vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die Umwelt haben, während bei anderen schon ein begrenzter Einsatz besonders schädlich sein kann." Diese Unterschiede müssten bei der Erfolgskontrolle berücksichtigt werden.

(S E R V I C E - Offizielle Seite CBD COP17: https://cop17yerevan.am/en, CBD-Zwischenbericht: https://go.apa.at/lwZPkDYi, CBD-Länderprofil Österreich: https://www.cbd.int/countries?country=at).

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